vonChristoph Agelschließen
Schlafmittel in Kaffee und Plätzchen, Kollegen, die in Ohnmacht fielen - die Fälle an der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim erschütterten die Wetterauer. Nun beginnt der Prozess.
- Krankenschwester soll an der Kerckhoff-Klinik Mitarbeiter vergiftet haben
- Fall aus der Wetterau sorgte für Schlagzeilen
- Opfer schwebte in Lebensgefahr, Kollegen fielen in Ohnmacht
Update, 9.3.2020, 11.52 Uhr: Die Krankenschwester, die an der Kerckhoff-Klinik Kollegen vergiftet haben soll, hat vor dem Landgericht Gießen über ihren Verteidiger bestritten, ihre Kollegen mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln vergiftet zu haben. "Sie hat gegen niemanden irgendetwas gehabt und hat das nicht getan", erklärte der Rechtsanwalt der 53-Jährigen zum Prozessauftakt am Montag.
Bad Nauheim: Krankenschwester wird versuchter Mord vorgeworfen
Die Staatsanwaltschaft wirft der Deutschen vor, im September 2017 sowie im März 2019 Kaffee und selbst gebackene Plätzchen mit den Arzneien versetzt und ihren Kollegen in der Teeküche der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim zum Zugreifen aufgetischt zu haben. Fünf Kollegen bekamen laut Anklage gesundheitliche Probleme bis hin zu Bewusstlosigkeit - ein Opfer geriet sogar in Lebensgefahr. Die Staatsanwaltschaft wirft der 53-Jährigen unter anderem gefährliche Körperverletzung und in einem Fall versuchten Mord vor.
Erstmeldung, 19.2.2020, 12.21 Uhr: Bad Nauheim - Schockierende Nachrichten waren das vor rund drei Monaten: Eine Krankenschwester soll im September 2017 und im März 2019 an der Kerckhoff-Klinik Kollegen mit benzodiazepinhaltigen Schlafmitteln vergiftet haben. Sie soll die Substanz Plätzchen und Kaffee beigemischt haben. Eines der Opfer schwebte zwischenzeitlich in Lebensgefahr. Wiederholt fielen Kollegen in Ohnmacht.
Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim: Weitere Termine bis zum 3. April
Die Beschuldigte sitzt seit Ende September 2019 in Untersuchungshaft. Nun gibt es Neuigkeiten in dem Fall. Wie Rouven Spieler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen, am Dienstag auf Anfrage mitteilte, stehen die geplanten Verhandlungstermine am Landgericht Gießen nun fest. Am Montag, 9. März, soll das Verfahren demnach beginnen. Folgetermine sind für den 23., den 27. und den 31. März sowie den 3. April geplant. Die Anklage laute in drei Fällen auf gefährliche Körperverletzung, einmal davon in Tateinheit mit versuchtem Heimtücke-Mord. Außerdem wird der Frau Trunkenheit am Steuer vorgeworfen. Bei der Angeklagten handelt es sich um eine mittlerweile 53-jährige Frau aus dem Wetteraukreis. Die Krankenschwester war seit den 80er Jahren ununterbrochen in der William-Harvey-Klinik tätig, die seit 2014 zur Kerckhoff-Klinik gehört.
Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim: Ein Opfer geriet in Lebensgefahr
Wie die November berichtet, hatte die Verunsicherung im Harvey-Gefäßzentrum im September 2017 begonnen. Damals litten plötzlich zwei Kollegen unter Schwindel und wurden bewusstlos. Noch im selben Monat gab es einen weiteren Vorfall: Erneut fielen zwei Beschäftigte in Ohnmacht, eine Person geriet in Lebensgefahr. Der Kripo gelang es nicht, einen Täter zu überführen. Oder eine Täterin. Anderthalb Jahre lang herrschte auf der Station Ruhe - eine trügerische Ruhe, denn Mitte März waren erneut Kaffee und Plätzchen vergiftet. Nur durch einen glücklichen Zufall bestand bei dem Opfer keine Lebensgefahr.
Wie Staatsanwalt Spieler damals informierte, gingen die Ermittler damals von einem und demselben Täter aus. Durch die Analyse der Dienstpläne geriet die Krankenschwester verstärkt in den Fokus der Polizei. Die Frau hatte immer Dienst gehabt, wenn sich die Vorfälle ereignet hatten. Bei einer Hausdurchsuchung in den privaten Räumen der Beschuldigten wurde im Müll die Verpackung eines benzodiazepinhaltigen Schlafmittels gefunden, das aus der Klinik stammte. Außerdem entdeckten die Ermittler in einem Mixer Rückstände des Medikaments. Die Staatsanwaltschaft hatte jedoch keine sichere Erkenntnis darüber, wie das Mittel in Kaffee und Plätzchen gekommen waren. Und ob dies bei der Krankenschwester zu Hause oder auf Station geschehen war, stand ebenfalls nicht fest.
Die Angeklagte stritt die Taten ab. Ob sie vor Gericht bei dieser Version bleibt, wird sich ab dem 9. März am Gießener Landgericht zeigen.
