Kein Sprint, sondern ein Marathon

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Bad Nauheim (pm). Mit Übergewicht kämpfen viele Menschen. Im Rahmen seiner Vortragsreihe »Gesund in Bad Nauheim« hat sich deshalb der Kneipp-Verein Bad Nauheim-Friedberg-Bad Salzhausen dieses Problems angenommen. Dr. Karin Wilbrand, Vorsitzende der Adipositas-Stiftung Deutschland, führte kürzlich ein Online-Dialoggespräch zum Thema »Körpereigene Faktoren beeinflussen die Entwicklung von Übergewicht«.

Laut Wilbrand ist der menschliche Körper von Anfang an auf das Ziel Wachstum programmiert, In den letzten Jahrzehnten litten immer mehr Menschen an Übergewicht oder gar an Adipositas (Fettleibigkeit). Das Gehirn der Betroffenen registriere einen »neu programmierten Sollwert«, der gesamte Organismus sei darauf ausgerichtet, das erreichte Gewicht zu erhalten. Das Signal aus dem Sättigungszentrum komme verspätet an, deshalb werde weit über das Hungergefühl hinaus gegessen.

Hohe Disziplin ist erforderlich

Der Mensch hat laut Wilbrand nicht ein einziges Gen, das ihn zum Abnehmen bringe. Der Körper arbeite gegen Bemühungen, das Gewicht zu reduzieren. Diese Programmierung könne nur mit hoher Disziplin und festem Willen überwunden werden.

Die Medizinerin empfiehlt intensives Sporttraining. Dafür seien große Motivation und ausdauernde Anstrengung notwendig. Mit jedem Erfolg werde die Messlatte etwas höher gelegt. So sei das Training für eine gesunde Lebensweise und nachhaltige Gewichtsreduktion keine Sprintstrecke, sondern eher ein Marathon. Wichtig sei, sich erreichbare Ziele zu setzen und auch Auszeiten einzuplanen.

Die Adipositas-Stiftung Deutschland biete begleitende Unterstützung, damit Motivation nicht zur Resignation werde. Die Stiftung könne Fragen beantworten, über Ratlosigkeit oder Verzweiflung hinweghelfen und Tipps geben, wenn der Abnehmprozess ins Stocken gerate.

In Deutschland ist Wilbrand zufolge mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung übergewichtig oder adipös. Im Straßenbild entstehe oft der Eindruck, als sei Übergewicht das neue Normalgewicht. Möglicherweise interpretierten Betroffene ihr Körpergewicht nur als eine kosmetische Abweichung und arrangierten sich mit ihren täglichen Beschwernissen wie Überlastung der Gelenke, der Muskulatur, des Herz-Kreislauf-Systems und der Atmung. Dauerhaft könne die Lebensqualität eingeschränkt werden.

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