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Für die Betreuung der Kinder in Kitas werden jede Menger Erzieher und Erzieherinnen benötigt. Die Berufliche Schule am Gradierwerk in Bad Nauheim bildet aus.

Erzieher

Kein Kinderspiel, aber Herzenssache

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300 000 Kita-Plätze fehlen in Deutschland. Fachkräfte sind überall gesucht - auch in Bad Nauheim. An der Beruflichen Schule am Gradierwerk werden die zukünftigen Erzieher/-innen ausgebildet.

Die Ausbildung dauert im Schnitt fünf Jahre. Nach zwei Jahren Ausbildung zum Sozialassistenten folgen drei Jahre Erzieher-Ausbildung - ein Gehalt gibt es nur im Anerkennungsjahr. Um über die Runden zu kommen, wohnen die meisten noch bei den Eltern und beantragen Meister-BAföG, das rund 300 Euro im Monat beträgt. Daher sind viele größere Städte wie Frankfurt oder Bad Homburg auf die Idee gekommen, Stipendien für zukünftige Erzieher anzubieten. Ole Seisler und Freya Liewers, die letzte Woche ihr Abschlusszeugnis erhalten haben, haben ein Stipendium der Stadt Bad Homburg. Natürlich nicht ohne Gegenleistung: Sie haben sich verpflichtet, im August ihr Anerkennungsjahr in Bad Homburg anzutreten und noch weitere zwei Jahre dort zu arbeiten, "sonst hätten wir uns keine eigene Wohnung leisten können", sagt Ole Seisler.

"Das schmerzt uns natürlich, so talentierte junge Menschen zu verlieren", sagt BSG-Schulleiter Andreas Stolz, "wir sehen unsere Schule als Ausbilder für die Region und wünschen uns, dass möglichst viele hierbleiben". Höhere Geburtenraten, Zuzug junger Familien in die Region, Betreuungsgarantie, Inklusion, Kinderförderungsgesetz, zunehmender Bedarf an Ganztagsbetreuung und an Betreuung für Kinder unter drei Jahren - die Gründe für den Mangel an Fachkräften im Erzieherbereich sind vielfältig.

"Die BSG hat die Kapazität bei den Erziehern und den Sozialassistenten in den vergangenen Jahren um 50 Prozent gesteigert", sagt Stolz. 223 Schüler, etwa 70 pro Jahrgang, bilde man aus. "Dafür braucht es auch ausreichend qualifizierte Lehrkräfte", sagt Stolz. Daher investiere man

auch in die Lehrerausbildung. "Die Ausbildung an unserer Schule hat ein sehr hohes Niveau", fügt Studiendirektorin Sonja Jochmann hinzu. Die jetzigen Absolventen sind der dritte Jahrgang, der nach dem neuen Lehrplankonzept SOL (selbstorganisiertes Lernen) ausgebildet wurde - eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis.

Schulleiter Stolz geht davon aus, dass zurzeit der Bedarf in den umliegenden Städten und Gemeinden noch gedeckt werden kann - in den Großstädten sähe das anders aus.

"Wenn unsere Erzieher allerdings abgeworben werden, haben wir hier ein Problem", sagt Stolz, "aber Menschen, die sich für diese Ausbildung entscheiden, zeichnet meist eine hohe regionale Verbundenheit aus."

Nur zehn Prozent Männer

Das funktioniere über gute Praktika. "Im Praktikum lernen die zukünftigen Erzieher Einrichtungen kennen - hier liegt es an den Arbeitgebern, Bindungen aufzubauen", sagt Stolz. Der Job als Erzieher bedeutet viel Verantwortung und wenig Geld. "Herzenssache", sagt Ole Seisler. Männliche Erzieher sind immer noch in der Minderheit. "Etwa zehn Prozent der Auszubildenden der BSG sind männlich", sagt Sonja Jochmann. Auch in der Wahl der Arbeitsbereiche unterscheiden sich Männer und Frauen: "Je jünger die Kinder, umso weniger Männer", sagt Ole Seisler. Sonja Jochmann bestätigt dies: "Erzieher entscheiden sich eher für die Arbeit mit älteren Kindern oder für die Jugendarbeit."

Dabei sei es für die Prägung der Kinder ganz wichtig, dass es auch Männer in diesem Beruf gibt. "Männer und Frauen gehen unterschiedlich mit Kinder um", sagt Freya Liewers. "Männer lassen die Jungs eher mal raufen, Frauen greifen da meist viel früher ein und versuchen das zu unterbinden." Aber die männlichen Erzieher haben immer noch mit Vorurteilen zu kämpfen.

Die Berufschancen sind allerdings bestens, bestätigen Andreas Stolz und Sonja Jochmann. "Es ist ein Beruf mit Zukunft. Aber man muss Überzeugungstäter sein", sagt Stolz. Der Job fordere ein hohes Maß an Motivation und bringe viel Verantwortung mit sich. Den Umgang mit Menschen müsse man schätzen, nicht nur mit den Kindern, sondern auch mit den Eltern."

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