Der "Karussellplatz" sieht ordentlich aus. Litfaßsäule und Telefonzelle sind beseitigt, das Buswartehäuschen steht und bietet Fahrgästen erstmals eine Beleuchtung. Die Mischung aus Pflastersteinen und wassergebundener Decke ist ein Kompromiss, mit dem Ortsvorsteherin Gisela Babitz-Koch und Ortsbeiratsmitglied Gernot Schäfer leben können.	FOTO: NICI MERZ
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Der »Karussellplatz« sieht ordentlich aus. Litfaßsäule und Telefonzelle sind beseitigt, das Buswartehäuschen steht und bietet Fahrgästen erstmals eine Beleuchtung. Die Mischung aus Pflastersteinen und wassergebundener Decke ist ein Kompromiss, mit dem Ortsvorsteherin Gisela Babitz-Koch und Ortsbeiratsmitglied Gernot Schäfer leben können. FOTO: NICI MERZ

Rekordverdächtig

»Karussellplatz«-Neugestaltung: Vollzug nach 30 Jahren

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Wer ganz tief in Archiven gräbt, stößt auf einen Ortsbeiratsbeschluss von 1989: Der »Karussellplatz« soll neu gestaltet werden. Jetzt, gut 30 Jahre später wird Vollzug gemeldet.

Warum manche öffentliche Bauvorhaben über Politiker-Generationen hinweg vertagt werden, ist schwer zu sagen. Der Wunsch des Ortsbeirats, das Zentrum von Wisselsheim optisch aufzuwerten, wurde wohl 1989 erstmals offiziell angemeldet und in einem Beschluss formuliert. Um mehr als einen Wunsch handelt es sich nicht, denn die endgültige Entscheidung lag beim Bad Nauheimer Parlament.

Es dauerte bis 1994, ehe sich die Stadtverordneten dem Vorschlag des Ortsbeirats Rödgen-Wisselsheim anschlossen. Geplant war eine Aufwertung des »Karussellplatzes« an der Löwenthalstraße und der sogenannten Ortsmitte am »Kastanienhof«. Realisiert wurde der Beschluss nie.

Keine Aufwertung vor 1200-Jahr-Feier

Gleiches galt für einen erneuten Anlauf, der um die Jahrtausend-Wende unternommen wurde. Bis zur 1200-Jahr-Feier von Wisselsheim 2005 sollte es zu einem großen Wurf kommen, den sich die Stadt 350 000 Euro kosten lassen wollte. Auch dieses Vorhaben scheiterte letztlich. Anträge, Architektenentwürfe, Bürgerversammlungen und Ausschussbeschlüsse - alles war vergeblich. Warum so viele Jahre ins Land gehen mussten, ehe wenigstens der »Karussellplatz« vernünftig gestaltet wurde, lässt sich im Detail kaum noch nachvollziehen.

Eines steht fest: Im Lauf der 30-jährigen Vorgeschichte war die Stadt mehrfach mit enormen finanziellen Problemen konfrontiert, die zur Verschiebung des Projekts führten. Die vorgesehene 350 0000-Euro-Investition wurde 2003 vom damaligen Kämmerer Konrad Dörner für erledigt erklärt. Auch in diesem Fall war die prekäre Haushaltslage als Argument angeführt worden. Immer wieder kam es zu Beschwerden des Ortsbeirats. Ein Beispiel: »Die Wisselsheimer werden wieder einmal stiefmütterlich behandelt«, hatte der damalige Ortsvorsteher Klaus Ruppert schon 1997 betont.

Wie der langjährige Anlieger Karl Roth gegenüber der WZ 2016 eingeräumt hatte, gab es aber auch in der Wisselsheimer Bevölkerung unterschiedliche Ansichten darüber, wie die beiden benachbarten Plätze an der Ortsdurchfahrt künftig aussehen sollten. Das habe möglicherweise zur Verzögerung beigetragen.

Diskussion um Pflastersteine

Seit wenigen Jahren standen wieder 50 000 Euro im städtische Haushalt, um den »Karusselplatz« aufzuwerten. Kürzlich wurde das Geld endlich investiert, wobei es erneut kontroverse Diskussionen gab. So verweist die heutige Ortsvorsteherin Gisela Babitz-Koch auf einen Planungsentwurf der Stadtverwaltung, der vor zwei Jahren mit dem Ortsbeirat abgesprochen worden sei. »Danach sollte der gesamte Platz gepflastert werden.« Nur durch eine aufmerksame Anwohnerin habe sie im März erfahren, dass dieser Entwurf nicht mehr umgesetzt werden sollte.

Nach Angaben von Babitz-Koch war plötzlich von einer Teilpflasterung die Rede, der Rest der Fläche sollte mit Kies verfüllt werden. »Die geänderte Planung hätte in einer Ortsbeiratssitzung vorgestellt werden müssen. Wir fühlen uns nicht ernst genommen«, kritisiert die Ortsvorsteherin.

Laut Bürgermeister Klaus Kreß konnte dem Wunsch des Ortsbeirats nach einer kompletten Pflasterung nicht nachgekommen werden. »Das war nicht möglich, weil wir die Bäume schützen müssen«, sagt der Rathauschef. Bei einem kurzfristig anberaumten Ortstermin hätten sich Verwaltung und Ortsbeirat schließlich darauf geeinigt, einen Großteil des Platzes mit einer »wassergebundenen Decke« zu befestigen und nur auf einem kleineren Abschnitt Pflastersteine verlegen zu lassen.

Ortsbeirat: Tragfähiger Kompromiss

Mit diesem Kompromiss kann der Ortsbeirat nach den Worten von Mitglied Gernot Schäfer leben, zumal die anderen Vorschläge des Gremiums realisiert worden seien: Aufstellen eines Buswartehäuschens mit Beleuchtung, Entfernung von Litfaßsäule und Telefonzelle. Ein Pflanzkübel soll noch zurückkehren, außerdem fehlt ein Abfalleimer.

50 000 Euro hat die Neugestaltung gekostet, laut Kreß wurde das Budget eingehalten. Nach einer schier endlosen Diskussions- und Planungszeit dauerten die Bauarbeiten nur wenige Wochen.

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