Trotz Dialyse verliert Gaby Bressel die gute Laune nicht. Die drei Mal pro Woche sind für sie, als ginge sie zur Arbeit. FOTO: IHM-FAHLE
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Trotz Dialyse verliert Gaby Bressel die gute Laune nicht. Die drei Mal pro Woche sind für sie, als ginge sie zur Arbeit. FOTO: IHM-FAHLE

An der Dialyse

Karbenerin im KfH-Nierenzentrum Bad Nauheim: Leben mit der Blutwäsche

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Seit vielen Jahren ist Gaby Bressel von einer Maschine abhängig, denn sie ist schwer nierenkrank. Dreimal pro Woche muss die Karbenerin zur Dialyse im KfH-Nierenzentrum Bad Nauheim.

In einem der Dialyse-Zimmer im KfH-Nierenzentrum in Bad Nauheim liegt Gaby Bressel mit zwei anderen Patienten. Vier Stunden und fünfzehn Minuten ist sie dort, ehe das medizinische Personal die Schläuche an Bressels Armen entfernt und ein Taxi die Karbenerin nach Hause bringt. Dreimal pro Woche.

Dass Bressel schwer nierenkrank ist, sieht man der 54-Jährigen nicht an. Bis zu ihrer Frühverrentung war sie als Friseurin beruflich aktiv; sie achtet auf ihre Erscheinung, auch dann, wenn sie zur Dialyse geht. Ihr Lächeln lässt nicht erahnen, welch schweren Weg sie hinter sich hat, nicht nur gesundheitlich.

Von den eigenen Eltern misshandelt

Bevor sie mit zwölf Jahren in eine Pflegefamilie kam, war sie von ihren Eltern misshandelt worden. "Es ist ganz brutal zugegangen", sagt sie. Ihre Erkrankung führt sie auch auf das wenige Trinken zurück, das sie bekam. Mit ihrer Geschichte offen umzugehen, findet Gaby Bressel wichtig, um ein Zeichen zu setzen: "Manche Mütter und Väter sollten sich mal bewusstmachen, was sie ihren Kindern antun. Dadurch bin ich ja ein Leben lang krank. Manche hauen drauf und machen sich gar keine Gedanken."

Mit 16 Jahren kam es raus

Dass beide Nieren kaputt sind, kam im Alter von 16 Jahren heraus, was auf die Initiative von Bressels Ausbilderin zurückgeht. "Ich war in der Lehre und habe immer verschlafen, war immer müde und wurde immer dicker. Ich hatte Ödeme, geschwollene Augen und dicke Füße", erzählt Bressel. Ihre Chefin bestand darauf, dass sie zum Arzt ging und sich untersuchen ließ. "Und zack war ich an der Dialyse."

Mit etwa 20 Jahren erhielt sie eine Spenderniere, stieß das Organ allerdings wieder ab. 1995 bekam sie eine zweite Spenderniere. Doch als Bressel mit Anfang 40 zwei Herzinfarkte hatte, ging auch dieses Organ kaputt. Sie lernte den Nephrologen Dr. Ralf Schäfer kennen, da er in der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik zwischen den beiden Infarkten nach ihrer Niere schaute. Schäfer leitet das KfH-Nierenzentrum gemeinsam mit Dr. Anke Lorych und Dr. Gisela Mühlpfordt. Mit der Kerckhoff-Klinik gibt es eine enge Kooperation, da es eine erhebliche Überschneidung von Herz- und Gefäßerkrankungen und Nierenerkrankungen gibt.

Etwa 100 Patienten mit Blutwäsche

Seit vielen Jahren ist Bressel nun Dialyse-Patientin im KfH-Nierenzentrum, dem einzigen nephrologischen Vollversorger im Wetteraukreis. 600 Patienten kommen pro Quartal in die nephrologische Ambulanz. Bressel ist eine von darüber hinaus circa 100 Patienten, die mit Blutwäsche behandelt werden. "Zu Beginn hatte ich fünf Stunden, das wurde reduziert", erzählt sie. Am Anfang sei es immer schwer: Solange sie noch eine Niere hatte, musste sie viel trinken - als Dialyse-Patientin hingegen darf sie nur wenig Flüssigkeit zu sich nehmen. "Damit muss ich aufpassen, 500 bis 750 Milliliter am Tag dürfen es sein. Ich behelfe mir mal mit Eiswürfeln oder Bonbons, und wenn ich etwas trinke, lasse ich den Schluck lange im Mund."

Als ginge sie zur Arbeit

Bressel liegt stets mit denselben Patienten im Zimmer, alle haben einen kleinen Fernseher am Bett, morgens gibt es Kaffee. Früher wurde sogar ein Frühstück serviert, mittlerweile sorgen die Patienten selbst dafür. "Hier ist alles super, das Zentrum ist toll, und die Ärzte sind super", sagt Bressel. Gern erinnert sie sich an die Fußball-WM zurück, als der ganze Raum passend geschmückt war. "Es soll ja auch schön und angenehm sein in der Dialyse, nicht nur ein verkrampftes Liegen", sagt Bressel und lacht.

Mittlerweile ist es für die Karbenerin, als ginge sie zur Arbeit. "Die Schwestern sind sehr nett, man wächst zusammen. Ich kenne andere Zentren, wo es nicht so familiär wie hier ist. Das hier ist ein gutes Zentrum."

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