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Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass viele Menschen zugenommen haben. Karin Wilbrand aus Bad Nauheim hat sich mit den Ursachen befasst.

Pandemie-Auswirkung

Kampf gegen Krisen-Kilos: Bad Nauheimer Expertin gibt Tipps

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Der Dauerstress, den die Pandemie mit sich gebracht hat, ist Gift für Körper, Seele und Schlaf. Manch einer hat zugenommen, will abnehmen. Ein Vortrag des Kneipp-Vereins thematisierte Ursachen.

Die Pandemie hat ihre Spuren hinterlassen. Sichtbares Zeichen sind auch Fettpölsterchen, die Betroffene oft mit dem Begriff »Corona-Speck« weglächeln. Das Thema ist aber ernst, wie sich beim Online-Vortrag des Kneipp-Vereins Bad Nauheim/Friedberg/Bad Salzhausen zeigte. Woher kommen die überflüssigen Pfunde? Was kann man dagegen tun, idealerweise langfristig?

»Die Pandemie gibt vor, dass alle im Stress sind«, erklärte Referentin Dr. Karin Wilbrand (Adipositas Stiftung Deutschland gemeinnützige GmbH). Die Menschen würden dünnhäutiger. »Wir leben in einer Zeit mit Lockdown, Maske und Desinfektion - das sorgt für Dauerstress.« Der Druck beeinträchtige Körper, Seele und Schlaf. Hinzukommen oft Verunsicherung und Angst, etwa um den Arbeitsplatz, eine mögliche Infektion und Sorge um die Angehörigen. Stressfaktoren sind laut der Bad Nauheimerin auch das viele Homeoffice und Homeschooling. Schülerinnen und Schüler hätten von Online-Unterricht und fehlenden sozialen Kontakten genug.

Zunahme in der Corona-Pandemie: Im Schnitt 5,5 Kilo zugenommen

Es ist beispielsweise üblich geworden, auf der Straße einen Bogen um andere Personen zu machen. »Diese Verhaltensweisen entsprechen aber nicht der Natur des Menschen«, konstatierte Wilbrand. Dass Geselligkeiten auch jetzt weitgehend noch nicht wieder möglich sind, kann traurig machen und sogar in depressive Episoden oder Burn-out treiben. Stresshormone, Adrenalinpegel und Cortisol steigen an. »Solche Stressfaktoren kosten Kraft. Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt an, es kann zu Kopfschmerzen, Verspannungen, Schlafstörungen und Müdigkeit kommen«, sagte Wilbrand.

Ihren Worten zufolge erhöhen diese Faktoren den Stress, den Übergewichtige sowieso schon aufgrund ihrer Fettzellen haben. In schwierigen Situationen äßen viele Menschen mehr Süßigkeiten, denn das Bedürfnis nach Zucker nehme zu.

Durchschnittlich hätten die Menschen während der Krise 5,5 Kilo zugenommen, Übergewichtige und Abiturienten sogar 7,5 Kilo. Bei Abiturienten liege es am schulischen Stress, bei Übergewichtigen an der Neigung, Stress wegzufuttern. Aufgrund der langen Pandemiedauer kann sich laut Wilbrand ein Gefühl der Hilflosigkeit einstellen, die Menschen fühlten sich überfordert. Das führe mitunter zu Wut, Zorn und Dünnhäutigkeit. »Der Kontakt beim Einkaufen kann schon mal unangenehm werden«, sagte sie. Gereiztheit, Angst und Erschöpfung wachsen an, Konflikte und familiäre Probleme können hinzukommen. »Manche Leute sind im Moment sehr empfindlich, andere sind sehr aggressiv.« Um sich etwas Gutes zu tun, greifen ihren Worten zufolge viele Menschen auf Essen, Alkohol, Kaffee und Nikotin zurück.

Wie die Rednerin ausführte, sind stark Übergewichtige sogenannte Superspreader: Da sie eine Barrierestörung im Atemsystem hätten, atmeten sie die Viren im Fall einer Corona-Erkrankung 18-mal mehr aus als Normalgewichtige.

Gegen die Corona-Kilos: Plädoyer für mediterrane Ernährung

Um den Stress zu reduzieren, helfen Entspannungsübungen, Yoga und Spazierengehen. »Wichtig ist es, Übergewicht nicht als kosmetisches, sondern gesundheitliches Problem zu sehen«, empfahl Wilbrand. Sinnvoll sei eine dauerhafte Umstellung des Essverhaltens. Denn eine Diät könne zum Absinken des Grundumsatzes und somit zum Jo-Jo-Effekt führen. Die Referentin plädierte für die mediterrane Ernährung: viel frisches Gemüse, Salat, Fisch, Geflügel, Nüsse und Olivenöl. Ab und zu sei auch ein Glas Wein erlaubt, da das den Stoffwechsel fördere. Sinn könne es zudem machen, eher die Kohlenhydrate wegzulassen als die Fette.

Dass adipöse Abnehmwillige regelmäßig mit dem Jo-Jo-Effekt kämpfen, weiß auch Kneipp-Vereinsvorsitzender Dr. Lutz Ehnert. Der Verein habe mit einer Metabol-Gruppe aber gute Erfolge erzielt. Das Konzept setzt unter anderem auf Gruppendynamik, psychologische Unterstützung und Bewegung im Wasser. Auch an dieser Stelle kam allerdings die Corona-Krise in die Quere: »Da das Angebot durch die Pandemie weggefallen ist, explodieren die Gewichtszunahmen wieder.«

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