Kaiserberg-Bauprojekt: Startschuss fällt später

Bad Nauheim (bk). Der Eindruck, die Nachbarn des Kaiserberg-Areals hätten sich mit der geänderten Planung für das neue Baugebiet auf dem Harvey-Klinik-Gelände arrangiert, täuscht. Im Gegenteil: 104 Bürger haben nach der Bekanntmachung des Bauleitplans zahlreiche Kritikpunkte gesammelt und sich mit eine offiziellen Schreiben an die Stadt gewandt. Der Baubeginn wird sich verzögern.

Die Gegner des Bauprojekts bemängeln unter anderem Verstöße gegen Vorschriften bei der Offenlegung und gehen vor allem mit der Verkehrsuntersuchung hart ins Gericht, die zahlreiche Fehler aufweise und in keiner Weise die Kriterien eines Gutachtens erfülle. Bürgermeister Armin Häuser signalisierte auf Anfrage weiteres Entgegenkommen. Unter anderem möchte er das Stadtparlament einen erneuten Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan "Am Kaiserberg" fassen lassen und den Flächennutzungsplan ändern. "Dadurch wird sich eine Verzögerung des Baubeginns zwischen drei und sechs Monaten ergeben", sagte der Rathauschef am Donnerstag.

Rückblick: Das alte Harvey-Klinik-Gebäude steht seit 2007 leer. Nach mehreren vergeblichen Anläufen gelang es dem Helios-Konzern im letzten Jahr, einen Käufer für das gut 12 000 Quadratmeter große Gelände zu finden. Die Domus Real GmbH erwarb das Areal und stieß mit ihren ursprünglichen Plänen – 40 Wohneinheiten plus Altenheim – schnell auf den Widerstand der Anlieger. Real-Domus-Geschäftsführer Andreas Herbig lenkte daraufhin ein: Auf ein Altenheim wird verzichtet, die Zahl der Wohneinheiten steigt im Gegenzug auf 64.

Direkt an der Danziger Straße sollen vier Einfamilienhäuser entstehen, um den Charakter des benachbarten Wohngebiets aufzunehmen. Im Oktober wollte der Investor mit den Abrissarbeiten beginnen.

Daraus dürfte nichts werden. Wie die Anlieger des KaiserbergGeländes in ihrem Schreiben ans Rathaus deutlich machen, halten sie "die vorgesehene Bebauung in Art und Weise für nicht der umliegenden Wohnbebauung entsprechend". Statt der geplanten mehrgeschossigen Gebäude wünschen sie sich Ein- bis Dreifamilienhäuser. Im Übrigen widerspreche die Stadt mit ihrer öffentlichen Bekanntmachung dem eigenen Aufstellungsbeschluss. Während das Parlament nur einen Teil des Klinik-Areals als Plangebiet betrachtet habe, sei in der Offenlegung vom gesamten Gelände die Rede. Zudem sei das Areal im Flächennutzungsplan als "Sondergebiet Klinik" ausgewiesen, somit müsse eine Änderung erfolgen.

Kein gutes Haar lassen die Anlieger an der Verkehrsuntersuchung, die nur eine geringe Zunahme der Verkehrsbelastung prognostiziert hatte. So sei im Gutachten davon die Rede, dass der Golfplatz direkt ans neue Baugebiet grenze. Tatsächlich handele es sich um das Baugebiet "Staatliche Gärtnerei". Das Verkehrsaufkommen, das durch diese Neubauten entstehe, sei in der Untersuchung ebenso wenig berücksichtigt wie die avisierte Erweiterung des Hotels Dolce. Fazit: "Daher erscheint fraglich, inwieweit eine Begutachtung vor Ort überhaupt vorgenommen wurde." Für nicht möglich halten die Anwohner die von Domus Real geplante Wiederverwendung de Bauschutts, der beim Abriss des Klinik-Gebäudes anfällt.Das Material sei sicherlich mit Schadstoffen belastet.

"Wir gehen auf berechtigte Bedenken ein", sagte Bürgermeister Häsuer zu den Einwendungen, die noch nicht im Detail geprüft seien. Der Rathauschef kündigte einen erneuten Aufstellungsbeschluss und eine Änderung des Flächennutzungsplans an. Eine entsprechende Absprache mit dem Investor, der gewisse Verzögerungen in Kauf nehmen müsse, sei bereits getroffen worden. Häuser: "Ich bin davon ausgegangen, dass sich die Sorgen und Nöte mit dem Verzicht aufs Altenheim erledigt haben, doch jetzt wenden sich die Anlieger anderen Dingen zu."

Das Verkehrsgutachten werde notfalls nachgebessert, beim Bauschutt habe das Umweltamt das letzte Wort.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare