Die Musikschule ist dankbar für die Leihgabe des neuen Steinway-Flügels, den sie sich nie hätte leisten können. 	FOTOS: HMS
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Die Musikschule ist dankbar für die Leihgabe des neuen Steinway-Flügels, den sie sich nie hätte leisten können. FOTOS: HMS

Junge Klaviertalente im Livestream

  • vonHanna von Prosch
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Bad Nauheim (hms). Ein voller Saal zu Ehren des neuen Steinway-Flügels wäre wünschenswert gewesen. Aber Corona verbietet mehr als 25 Personen im Raum. So entschlossen sich Musikschulleiter Ulrich Nagel und Fachbereichsleiter Tasten, Benjamin Schütze, für den Übertragungsweg per Livestream. Mehr als 50 Personen schauten zeitweise zu. Dazu kam der echte Applaus im Saal, den sich die 32 Musizierenden ehrlich verdient hatten.

Sehr gutes Bild, sehr guter Ton, Ansagen wie immer, alle Namen und Programmangaben eingeblendet und ein frühlingshaftes Pausenbild - die Performance war perfekt. 26-mal ging online der Daumen hoch, und das sicher nicht nur für das Technikteam. Die musikalischen Beiträge waren in dem dreigeteilten dreieinhalb Stunden Musik-Marathon ebenso lobenswert. Schülerinnen und Schüler zwischen sieben und 19 Jahren zeigten, was sie in den sieben Wochen Online-Unterricht gelernt oder verfeinert hatten. Nagel lobte seine Schützlinge.

Private Leihgabe

Die Atmosphäre war etwas ungewohnt: im Raum verteilt durften sich ein Elternteil mit den Vortragenden zusammensetzen. Mikrofone und Kameras waren auf die Pianistinnen und Pianisten gerichtet, was sie aber nicht irritierte. Souverän mit mehr oder weniger Lampenfieber und je nach Ausbildungsstand ausdrucksstärker oder virtuoser absolvierten sie ein Programm von hohem Niveau, wie es die Tastenklassen der Musikschule auszeichnet.

Musik des Barock, Modernes und leichte Romantik spielten die Jüngeren. Nur wenige können in diesem Stadium ihrem Spiel schon intensiven Ausdruck geben, achten aber sehr auf Fehlerfreiheit. Fließend ist der Übergang zu den 13- bis 14-Jährigen mit mehrjähriger Erfahrung. Hier standen unter anderem Chopin-Werke auf dem Notenpult und anspruchsvollere Haydn-Sonaten. Bei ihnen merkte man schon, wie sie sich gefühlsmäßig mit der Musik verbinden.

Komplexe Stücke

Wer die Entwicklung der Fortgeschrittenen über Jahre verfolgt, kann feststellen, dass sie sich immer mehr der Konzertreife nähern oder sie als »Jugend musiziert«-Preisträgerinnen und Preisträger schon erreicht haben. In diesem Jahr endete der Wettbewerb coronabedingt mit der Regionalausscheidung. Komplexe Stücke bis zu 18 Minuten auswendig zu spielen ist Ehrensache. Ein Kammermusikbeitrag mit Cello machte deutlich, dass der Klavierpart dabei ganz andere Anforderungen hat. Es tauchten auch mehrfach Beethoven-Kompositionen mit beachtlichem Schwierigkeitsgrad auf. Wie gut, mögen sich manche Jüngere gedacht haben, dass auch die Erfahrenen mal Hänger haben.

Aber auch das gehört zur Ausbildung: bei Fehlern nicht die Ruhe und den Mut verlieren. Wohin Begabung, Fleiß und Hingabe nach neun Unterrichtsjahren führen kann, präsentierte einmal mehr der jetzt 19-jährige Bundespreisträger Christian Büchele mit einem Sonatensatz von Beethoven und einem Intermezzo von Schumann: Er hat in Kürze die Aufnahmeprüfung für das Musikstudium.

Dass diese Talente jetzt auch einen wundervollen, für eine Musikschule selten edlen Konzertflügel haben, verdanken sie einer Gönnerin. Dr. Dorothea Leinung hat der Musikschule das 2,11 Meter große Instrument als Leihgabe zur Verfügung gestellt. »Ein Steinway hat einen unverwechselbaren Klang mit dem man einen emotionalen Zauber entfachen kann. Er ist optimal für die Saalgröße«, sagte Schütze.

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