Volle Fahrt voraus für das Friedberger Junity (v. l.) Maja Hummel, Jan Hecht, Lukas Hölzinger und Veronika Ewzenko.
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Volle Fahrt voraus für das Friedberger Junity (v. l.) Maja Hummel, Jan Hecht, Lukas Hölzinger und Veronika Ewzenko.

Jugendliche in Corona-Zeiten

Jung sein in Zeiten der Pandemie: Welche Angebote gibt es in Bad Nauheim und Friedberg?

  • vonCorinna Weigelt
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Was auch immer junge Menschen normalerweise unternehmen würden - Corona macht ihnen derzeit oft einen Strich durch die Rechnung. Doch in Bad Nauheim und Friedberg gibt es Angebote.

Keine Festivals im Sprudelhof oder im Goldsteinpark, keine Bands, die in der Alten Feuerwache die Bühne rocken. Die Pandemie hat besonders auch Jugendliche hart getroffen und sie in ihrer Freizeitgestaltung stark eingeschränkt. Die Stadt Bad Nauheim startete während des ersten Lockdowns im Frühjahr daher zügig Online-Angebote. Jeden Donnerstag gibt es das Online-Pub-Quiz: Immer um 20 Uhr wird auf dem Youtube-Kanal live gestreamt. Von zu Hause aus kann jeder mitraten: alleine, im Team, mit der Familie oder der WG und über Telefon oder Skype mit Freunden vernetzt. Außerdem gibt es ein Online-Familien-Quiz.

Auch nach dem ersten Lockdown gab es - unter Hygieneauflagen - diverse Angebote, wie Diana Friedrich und Tobias Hoffmann vom Kinder- und Jugendbüro erklären. »Die Ferienbetreuung konnte in den Sommer- und Herbstferien ermöglicht werden«, sagt Friedrich. Auch das Jugendhaus hatte zwischenzeitlich wieder geöffnet. »Gruppen bis zu zehn Personen konnten vorab die Räumlichkeiten buchen«, erläutert Hoffmann. Bis auf den Küchenbereich waren auch Kreativangebote möglich. Alle Freizeit- und Bildungsangebote wurden gut angenommen - bis im November der »Lockdown light« und damit eine erneute Schließung kam. Nun geht es wieder online mit dem quizzen weiter.

Jugend ist beim Planen spontaner

»Unseren Podcast-Workshop haben wir aber erstmal verschoben«, sagt Friedrich. Die Teilnehmer möchten gerne vor Ort dabei sein und warten daher lieber auf die erneute Öffnung des Jugendhauses.

Die Einschränkungen bedeuten für junge Menschen harte Einschnitte, wie Hoffmann weiß. Jugendliche planten anders als Erwachsene, die gemeinsame Treffen vorab organisierten und nicht dem Zufall überließen. Jugendliche träfen sich oft spontan, besprächen sich dazu in Whatsapp-Gruppen. Diese Flexibilität und Dynamik fehle nun. »Das Kulturleben findet nicht statt und wird vermisst«, sagt Hoffmann.

Im Jugendhaus hoffe man, bald wieder Präsenz-Veranstaltungen anbieten zu können »Geplant ist auch eine Winter-Werkstatt«, sagt Friedrich. Als Ansprechpartner sind sie und Hoffmann auch während der Zeit der Schließung erreichbar (Tel. 0 60 32/34 35 74).

Geschlossen ist auch das Junity, die Jugendfreizeiteinrichtung der Stadt Friedberg. Aktiv sind die Mitarbeiter um Leiter Lukas Hölzinger trotzdem. Gleiches gilt für die gesamte städtische Kinder- und Jugendarbeit. »Wir planen intensiv die zukünftige Außendarstellung unserer Arbeit auf der Homepage und in den verschiedenen sozialen Medien«, sagt Stadtjugendpfleger Jürgen Umsonst. Kürzlich traf man sich im großen Saal des Junity, um die Arbeit in den nächsten Wochen vorzubereiten. »Wir versuchen, diese Krisenzeit zu nutzen, bestimmte Teilbereiche der gesamten städtischen Kinder- und Jugendarbeit konzeptionell weiter zu entwickeln«, sagt Hölzinger. Unterstützt wird der Junity-Leiter dabei von seinen Mitarbeitern Maya Hummel und Jan Hecht sowie seit dem 2. November auch von Veronika Ewzenko, die ein fünfmonatiges Studienpraktikum im Junity absolviert. Praktische Erfahrung in der Jugendarbeit bringt die Studentin mit, hat sie ihr Freiwilliges Soziales Jahr doch in der »Alten Feuerwache« in Bad Nauheim absolviert.

Wanderung und Kanufahrten

»Corona wird uns zumindest im ersten Halbjahr 2021 noch begleiten«, ist sich Hölzinger sicher. Daher werden coronakonforme Konzepte entwickelt, wozu Angebote für Kleingruppen und Kurzzeit-Aktionen wie eine Wanderung oder Kanufahrten zählen. »Vieles wird draußen stattfinden«, kündigt Hölzinger an, der mit seinem Team versucht, Ausfälle von Angeboten zu minimieren, unter anderem mit flexiblen Hygienekonzepten. »Unser Haus bietet dazu große Möglichkeiten.« Ein gelungenes Beispiel war das Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht als Spaziergang mit Podcasts auf der Junity-Internetseite (die WZ berichtete). In Planung sind Aktionen zur Kommunalwahl.

Auch im »Lockdown light« reißt der Kontakt zu den Jugendlichen nicht ab. Manche rufen an, andere holen ein Instrument aus dem Proberaum. Allerdings ärgert Hölzinger die aktuelle gesellschaftliche Wertung der Jugend: »Die große Gruppe Jugend wird nur noch als Schüler wahrgenommen. Welche Einschränkungen Jugendliche gerade in ihrer Expansionszeit haben, interessiert nicht.« Hölzingers Fazit: »Wir können solche Krisen und Störungen im System positiv nutzen.«

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