Hier werden die Besucher empfangen: Hiltrud Hölzinger (l.) und Christa Decker vom Vorstand des Jugendstilvereins in der Wartehalle. Der Verein darf mit seinem Jugendstilforum das komplette Badehaus 3 bespielen.
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Hier werden die Besucher empfangen: Hiltrud Hölzinger (l.) und Christa Decker vom Vorstand des Jugendstilvereins in der Wartehalle. Der Verein darf mit seinem Jugendstilforum das komplette Badehaus 3 bespielen.

Badehaus 3

Jugendstilforum Bad Nauheim: Neue Perspektive dank Schenkung

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Für den Jugendstilverein Bad Nauheim ergibt sich eine unerwartete Chance: Bis Ende 2023 kann das Badehaus 3 genutzt werden. Die Ehrenamtlichen profitieren von einem wertvollen Geschenk.

Sind es zehn Jahre oder elf? Niemand weiß es mehr so genau. Seit einer kleinen Ewigkeit arbeitet der Jugendstilverein Bad Nauheim daran, im Sprudelhof ein Jugendstilzentrum aufzubauen. Häufig wurden den Ehrenamtlichen Steine in den Weg gelegt, doch jetzt ist es zu einer überraschenden Wende gekommen. Nach dem Auszug des Restaurants 2019 hat die Stiftung Sprudelhof dem Verein das Badehaus 3 bis Ende 2023 überlassen. »Zunächst sollte das Theater Alte Feuerwache die Wartehalle nutzen, doch das hat sich zerschlagen. Jetzt können wir das gesamte Gebäude bespielen«, sagt Hiltrud Hölzinger vom Vorstand des Jugendstilvereins.

Das alte Konzept für das Zentrum wird nicht eins zu eins umgesetzt. Im März soll eine Art Museum eröffnet werden, das der Verein »Jugendstilforum« nennt. Exponate haben die Mitglieder plötzlich in Hülle und Fülle. Denn Manfred Geisler, Kunstliebhaber aus Köln, schenkt der Stadt Bad Nauheim seine Sammlung »1900 > modern times«.

Hölzinger zufolge kam der Kontakt zu Geisler zufällig zustande. »Seine 2500 Exponate, die mehr als eine halbe Million Euro wert sein dürften, sind aus verschiedenen Materialien und reichen über den Jugendstil hinaus.« Der Kölner habe Ausstellungsräume gesucht, in denen die Sammlung Stück für Stück gezeigt werden kann. Das ist im Konzept des Jugendstilvereins vorgesehen, das Wechselausstellungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten beinhaltet.

Sammlung ist gute halbe Million wert

»Herr Geisler war einige Male hier und hat sich in Bad Nauheim verliebt«, sagt Erster Stadtrat Peter Krank. Die Verhandlungen seien sehr weit fortgeschritten, die Schenkung aber noch nicht ganz in trockenen Tüchern.

Die Sammlung Geisler wird im Fokus des Jugendstilforums stehen. Besucher betreten das Museum durch die Wartehalle, wo Kasse, Shop und kleiner Café-Betrieb Platz finden sollen. Es folgt ein Rundgang durch die drei Flure - fast die Hälfte der 30 ehemaligen Badezellen werden Ausstellungsstücke beherbergen, erläutert auf Infotafeln. In zwei Räumen wird auf die Bad Nauheimer Badekultur eingegangen, die Dauerausstellung »Das Solbad Nauheim im Wandel der Zeit« wird im Westteil des Badehauses gezeigt. Besucher haben stets einen Blick auf den Schmuckhof. »Wir haben uns verpflichtet, den Hof auf Vordermann zu bringen«, sagt Hölzinger.

Diese Aufgabe ist nur ein Teil des Kraftakts, der auf den Verein zukommt. Zwar ist keine Miete zu zahlen, Geld für Nebenkosten und Reinigung muss aber aufgebracht werden. Zudem investiert der Jugendstilverein etwa 30 000 Euro, zum Beispiel in Ausstellungsvitrinen oder Sicherung der Exponate. Deshalb hofft der Vorstand auf weitere Sponsoren und plant einen Eintrittspreis von 6 Euro. Zudem müssen Ehrenamtliche die Aufsicht und das Kassenpersonal stellen. 20 der 430 Mitglieder wollen sich beteiligen.

Jugendstilforum auch nach 2023?

Nach Aussage von Vorstandsmitglied Christa Decker ist die Begeisterung angesichts der neuen Perspektive groß. Ein Film über die Sammlung Geisler sei auf große Resonanz gestoßen. »Wenn die Türen des Badehauses offen sind, kommen sofort Leute rein, um sich das Gebäude anzuschauen. Es herrscht großes Interesse«, ist Decker vom Erfolg des Jugendstilforums überzeugt. Es sei schön für Bürger und Gäste der Stadt, dass dieser Teil des Sprudelhofs auch in Zukunft besichtigt werden könne.

Der Jugendstilverein hofft, das Badehaus 3 über 2023 hinaus komplett nutzen zu können. Stadtrat Krank möchte sich diesbezüglich nicht festlegen. Nach wie vor gilt nämlich ein Parlamentsbeschluss, in diesem Gebäude ein Kulturzentrum zu gründen, in dem neben dem Jugenstilverein die Stadtbücherei einziehen soll. Außerdem ist ein Neubau zwischen Badehaus 3 und 4 für städtische Spielstätte und TAF vorgesehen. Ob dieser Beschluss jemals realisiert wird, scheint allerdings unklar. Krank: »Zur fernen Zukunft des Badehauses 3 lässt sich im Augenblick nichts sagen.«

Sieben Ausstellungen im Wechsel

Die Sammlung, die der Kölner Kunstliebhaber Manfred Geisler der Stadt Bad Nauheim schenken möchte, umfasst 2500 Exponate aus dem Zeitraum 1900 bis 1940. »Die Sammlung ›1900 > modern times‹ hat ihre Bezeichnung unter dem Aspekt erhalten, dass die Zeit um 1900 den Aufbruch nicht nur ins 20. Jahrhundert, sondern auch in die Moderne markiert«, erläutert Geisler. Den Schwerpunkt bildet der Jugendstil - Keramik, Plakate, Möbel, Mode oder Glasartikel. Die Macher des neuen Jugendstilforums im Badehaus 3 machen daraus sieben Wechselausstellungen. Sofern die Pandemie es zulässt, soll die erste Mitte März eröffnet werden. Die Planung reicht bis Ende 2023.

Hinzu kommt eine Dauerausstellung zur Historie der Kurstadt Bad Nauheim, in die Stücke des ehemaligen Salzmuseums integriert werden. Zwei ehemalige Badezellen werden quasi zum Leben erweckt. Hiltrud Hölzinger und das Vorstandsteam rechnen für das Jugendstilforum mit einer Resonanz, die dem des Rosenmuseums entspricht - es darf aber gerne etwas mehr sein.

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