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Nach langer Corona-Pause: Café Johannisberg öffnet wieder

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Von: Bernd Klühs

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Verkünden die Wiedereröffnung des gastronomischen Betriebs auf dem Bad Nauheimer »Hausberg«: Das neue Pächter-Ehepaar Kerstin und Markus Traband (r.) mit Marie-Christin Peil von der Eigentümerfamilie und Bürgermeister Klaus Kreß.
Verkünden die Wiedereröffnung des gastronomischen Betriebs auf dem Bad Nauheimer »Hausberg«: Das neue Pächter-Ehepaar Kerstin und Markus Traband (r.) mit Marie-Christin Peil von der Eigentümerfamilie und Bürgermeister Klaus Kreß. © Nicole Merz

Corona-Restriktionen entfallen: Der Pächter des seit 2020 geschlossenen Cafés Johannisberg in Bad Nauheim erwischt den richtigen Zeitpunkt für einen Neustart.

Bad Nauheim – Der Johannisberg ist von besonderer Bedeutung für die Historie Bad Nauheims. Alles, was sich auf dem »Hausberg« tut, wird von den Bürgern genau verfolgt. Das musste zuletzt auch die Familie Peil erleben. Zu Beginn der Pandemie im März 2020 erfolgte die Schließung des Café-Restaurants Johannisberg, die bis heute anhält. Die Absperrgitter, mit denen ein Zugang zur Aussichtsterrasse verhindert wird, sind den Bad Nauheimern ein Dorn im Auge.

Schon früh war klar: Das bisherige Konzept - Betrieb von Restaurant-Hotel mit Angestellten - soll nicht weiterverfolgt werden. Die Suche nach einem Pächter zog sich in die Länge, wegen Corona und dem Tod von Prof. Johannes Peil. Der Eigentümer des denkmalgeschützten Gebäudes war Ende September 2021 im Alter von 67 Jahren verstorben.

Neueröffnung nach zweijähriger Pause in Bad Nauheim

Jetzt haben seine Tochter Marie-Christin Peil, das neue Pächter-Ehepaar Kerstin und Markus Traband sowie Bürgermeister Klaus Kreß die Wiedereröffnung zum 1. April verkündet. »Ein Verkauf des Gebäudes war nie ein Thema, wir haben von Anfang an das Pächter-Modell verfolgt«, sagt Peil. Die Familie sei froh, einen Betreiber gefunden zu haben, der das Haus in ihrem Sinne weiterführe.

Das Ehepaar ist in der Region verwurzelt, führte zwölf Jahre lang das »Deutsche Haus« in Karben. Markus Traband war als Koch in bekannten Restaurants wie dem »Schuch’s« in Frankfurt, dem »Hirschgarten« in Bad Homburg oder im Hessenpark tätig. »Im Freilichtmuseum war ich am Aufbau des neuen Gastronomie-Konzepts beteiligt.« Schon kurz nach Aufgabe des Restaurants in Karben Ende 2018 habe allerdings eine Rückkehr in die Selbstständigkeit im Raum gestanden.

»Auf das Café Johannisberg sind wir durch Zufall aufmerksam geworden. Mein Schwager ist dort spazieren gegangen und hat uns von der Schließung berichtet«, erzählt der Pächter. Im September 2020 habe er sich beworben und ein Business-Konzept eingereicht. Durch die schwere Erkrankung von Prof. Peil und die angespannte Corona-Lage verzögerte sich die Entscheidung. Traband war laut Marie-Christin Peil von Anfang an in der engeren Wahl. Im November vergangenen Jahres kam es zur Einigung.

Cafés Johannisberg in Bad Nauheim soll größere Zieolgruppe ansprechen

Das Konzept wird sich ändern. War früher gehobene Gastronomie angesagt, hat der 50-jährige Traband eine größere Zielgruppe im Auge. »Ich setze auf klassische deutsche Küche und ein breitgefächertes Angebot«, sagt er. Auch Spaziergänger, Biker und Familien sollen sich angesprochen fühlen. Ehrgeizige Ziele verfolgt der Wirt für die Außengastronomie. Die Terrasse mit dem »genialen Ausblick« soll im Sommer 200 Plätze bieten, bisher waren es 60 bis 80. Zusammen mit den 130 Plätzen drinnen könnten weit über 300 Gäste bewirtet werden.

Wie soll das personell gestemmt werden? Traband setzt auf sechs bis acht fest angestellte Mitarbeiter und einen Stamm von Aushilfen. Doch in erster Linie setzt er auf seine Familie. Ehefrau Kerstin, die in der Hotellerie gelernt hat, übernimmt die Service-Leitung. Ein Sohn ist ebenfalls Koch und steigt mit ein, der andere Sohn ist Steuerberater. »Gerade in unserer Branche eine absolut wichtige Unterstützung«, sagt Markus Traband.

Erfolgreiche Personalsuche in Bad Nauheim

Zwar ist die Personallage in der Gastronomie weiter angespannt, trotzdem ist der Chefkoch optimistisch, genügend Mitarbeiter zu finden. »Es haben sich etliche Interessenten gemeldet, darunter auch frühere Azubis von mir«, berichtet der Pächter. Die Belegschaft soll bis zum Startschuss am 1. April komplett sein. Die Küche wird modernisiert.

Für die Wintermonate hat das Ehepaar Aktionen geplant. In der Vorweihnachtszeit soll ein »Gänse-Taxi« fahren, das beliebte Geflügel wird ins Haus geliefert. Geplant ist zudem eine »Schlemmerreise«, ein 15-Gänge-Überraschungs-Menü. Besonders wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg sind laut Traband Veranstaltungen, das Gebäude biete optimale Voraussetzungen. »Mit der Kutsche fährt das Hochzeitspaar hoch, die Gäste setzen sich an festlich gedeckte Tische und genießen Speisen und Getränke. Das rollt gerade in meiner Fantasie ab«, sagt der Pächter lachend.

Er und seine Frau nehmen die Herausforderung mit einer gewissen Aufregung und viel Vorfreude an. Markus Traband: »Wer für die Gastronomie brennt, muss zugreifen, wenn ein Schätzchen wie das Café Johannisberg auf dem Markt ist.«

Bad Nauheim: Sisi und Ibn Saud waren bereits im Café Johannisberg

Bürgermeister Klaus Kreß weiß um die Bedeutung des Johannisbergs für die Stadt. Die Wiedereröffnung des Cafés sei eine erfreuliche Nachricht, auf die Bad Nauheim seit langer Zeit warte. »Trotz der Premiumlage gehört Mut dazu, es ist keine Selbstverständlichkeit, dieses Objekt in schwierigen Zeiten zu übernehmen«, sagt Kreß. Er zeigt sich überzeugt, dass die neuen Pächter das Haus zurück in die Erfolgsspur führen werden.

Der nur 268 Meter hohe »Hausberg« war bereits in der Stein- und Bronzezeit besiedelt. 779 soll die erste Missionskirche errichtet worden sein, der Turm des Nachfolgebaus aus dem 12. Jahrhundert ist noch heute erhalten, dient als Volkssternwarte Wetterau. Seit 1858 existiert auf dem Gipfel ein Restaurationsbetrieb. Illustre Kurgäste wie Kaiserin Sisi (1898) oder König Ibn Saud (1959 und 1962) ließen sich hier bewirten und genossen die Aussicht. 1933 entschlossen sich die Verantwortlichen, das veraltete Holzgebäude abzureißen und durch einen massiven Steinbau zu ersetzen.

1998 entschied das Hessische Staatsbad, das Gebäude samt Umgebung und Zufahrtsstraße an den Bad Nauheimer Mediziner und Unternehmer Dr. Johannes M. Peil zu verkaufen. Der 2021 verstorbene Eigentümer ließ die Immobilie nach historischen Vorlagen renovieren. (Bernd Klühs)

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