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Wie lange noch? Mit dieser ungeliebten Absperrung müssen Bürger und Gäste Bad Nauheims weiter leben. ARCHIVFOTO: NIC

Bürgermeister berichtet

Johannisberg Bad Nauheim: Café und Terrasse bleiben vorerst geschlossen

  • Bernd Klühs
    VonBernd Klühs
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Seit Freitag können Gaststätten in der Wetterau wieder komplett geöffnet werden. An der Situation auf dem Bad Nauheimer Johannisberg mit dem bekannten Restaurant wird sich vorerst nichts ändern.

Bürgermeister Klaus Kreß berichtete zum Thema Johannisberg in der jüngsten Sitzung des Kernstadt-Ortsbeirats. Der bei Bad Nauheimer Bürgern und Gästen unbeliebte Bauzaun, der den Zutritt zur Aussichtsterrasse verhindert, bleibt so lange stehen, bis das Café-Restaurant Johannisberg wieder öffnet. Wann das sein wird, steht in den Sternen.

Kreß hatte im Ortsbeirat eine Anfrage von Dr. Erik Meyer (FW/UWG) beantwortet. Er erinnerte an den Verkauf des Gebäudes samt Wald, Parkplatz und Straße durch das Land Hessen an Dr. Johannes Peil im Jahr 1998. »Der damalige Bürgermeister Peter Keller war dagegen, weil es sich um eine Location von besonderer Bedeutung für die Stadt handelt«, erklärte Kreß. Das Land störte das allerdings wenig, es veräußerte alle Staatsbad-Immobilien, die ordentlichen Erlös versprachen.

Ein Nachteil des Geschäfts, der bis heute nachwirkt: Die Stadt war kein Vertragspartner, konnte keinen Einfluss auf Inhalte nehmen und hat keine rechtliche Handhabe gegenüber dem Eigentümer. So macht der Bürgermeister seit der Absperrung des Areals im März 2020 deutlich, dass er diesen Schritt ablehnt. In der Sitzung zeigte er allerdings gewisses Verständnis, weil es zu Vandalismus und zwei Einbrüchen gekommen sei.

»Die Familie Peil hat den Johannisberg über viele Jahre belebt«, bewertet Kreß das Engagement des Eigners positiv. Gleichwohl gibt es unterschiedliche Interessen, über die seit Monaten mithilfe von Anwälten verhandelt wird. Dabei geht es nicht zuletzt um die Interpretation eines Vertragsinhalts: Der Eigentümer hat sich verpflichtet, in dem Gebäude »auf Dauer« ein öffentlich zugängliches gastronomisches Angebot zu unterbreiten und das Gelände »kurverträglich« zu nutzen. Was »auf Dauer« bedeutet - darüber streiten sich die Juristen.

Johannisberg in Bad Nauheim: Betreiber-Frage nicht geklärt

Laut Bürgermeister hat Peil zugesichert, das Restaurant sobald wie möglich wieder zu öffnen. Die Corona-Lage dürfte dem weniger entgegenstehen als die Frage, wer den Betrieb führen soll. Vor der Schließung war Peil der Chef, der mit angestelltem Personal arbeitete. Ob künftig ein Pächter das Sagen haben soll, bleibt abzuwarten. Ein Verkauf scheint derzeit kein Thema zu sein. Die Stadt vertraut der Zusage Peils und hat Hilfe bei der Betreiber-Suche angeboten.

Den Vorschlag der Stadt, die Aussichtsterrasse früher als das Restaurant wieder zugänglich zu machen, wurde vom Eigentümer Kreß zufolge abgelehnt. Peil habe angeboten, das Gelände an die Stadt zu verpachten. Das wäre aber mit Kosten verbunden, die der Stadt nach Ansicht des Rathauschefs nicht aufgebürdet werden sollten. Weiteres Thema der Gespräche ist die Zufahrtsstraße, die sich ebenfalls im Besitz Peils befindet. »Diese Straße kann von allen Bürgern genutzt werden, nicht nur von Restaurant-Besuchern. Deshalb ist eine Beteiligung der Stadt an den Unterhaltungskosten denkbar«, sagte Kreß.

Die Familie Peil müsse ohnehin viel Geld in die Pflege der Immobilie und des großen Grundbesitzes investieren. »Eigentum verpflichtet eben«, betonte der Bürgermeister. Gleichzeitig scheint der Eigentümer inzwischen aber darauf bedacht zu sein, die Kosten im Rahmen zu halten. Geld verdient hat Peil mit dem Gastronomiebetrieb nie - das ist ein offenes Geheimnis.

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