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Jochen Peukert hört als Marktmeister in Bad Nauheim auf

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Von: Michael Humboldt

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Marktmeister Jochen Peukert liebt die Stimmung an den Ständen und ist für Händler und Passanten ein beliebter Ansprechpartner. Seine Aufgabe wird er vermissen, aber an den Markttagen wird man ihn sicher weiter dort antreffen. © Nicole Merz

Vom ersten Tag an war Jochen Peukert rund um die Bad Nauheimer Fußgängerzone als Marktmeister tätig. Nun verkündet er seinen Abschied.

Bad Nauheim - Wer mit Jochen Peukert über den Bad Nauheimer Markt spaziert, hat selbst nicht viel von ihm. Ob Händler, Passanten oder Marktkunden - fast alle winken, grüßen oder suchen ein Gespräch mit ihm. Gerade spricht ihn ein Mann an, der extra aus Neu-Anspach zu jedem Markttag anreist. Andere kommen aus Friedberg, aus den Bad Nauheimer Stadtteilen, aus Beienheim, Florstadt oder Oppershofen.

Dass der Bad Nauheimer Markt am Dienstagmittag und Freitagmorgen zu einem Event der Lebensfreude geworden ist, liegt auch an Jochen Peukert. Im Juni 2002 zog der einstige Bauernmarkt vom Marktplatz runter in die Fußgängerzone - und Peukert war als Marktmeister vom ersten Tag an dabei. »Am allerersten Markttag kamen rund 20 Händler aus allen Richtungen, und wir mussten ihnen vor dem Café Müller oder am alten Sparkassen-Standort gegenüber erst ihre Plätze zuweisen«, erinnert er sich. »Mittlerweile wissen ja alle, wie die Abläufe sind, und einigen sich mit Anfahrt und Aufbau untereinander. Sie kennen die Reihenfolge und bewältigen das alles ohne Stau.«

Marktmeister in Bad Nauheim: Mit 84 Jahren ist Jochen Peukert noch immer topfit

Als der Nieder-Mörler im Juni sein 20-jähriges Jubiläum feierte, reifte in ihm langsam der Entschluss, die Position des Marktmeisters in andere Hände zu übergeben. In diesem September ist es so weit. »Ich bin jetzt 84 Jahre alt und fühle mich eigentlich noch topfit. Doch ich höre lieber selbst auf, bevor mich andere dazu auffordern.« Natürlich, das gibt er zu, wird er diese Tätigkeit sehr vermissen. Deshalb lässt er auch durchblicken, dass er paratstehen würde, falls die neuen Kollegen mal Personalnot haben. Drei Marktleiter, so ist die Philosophie beim zuständigen Landesverband für Markthandel Hessen, sollten immer im Team sein. Und eins ist sowieso klar: Jochen Peukert und seine Frau Brigitte werden bestimmt dienstags und freitags als Besucher im Trubel zu sehen sein.

Denn beide lieben diese besondere Atmosphäre und den inspirierenden Flair. Und natürlich sind sie auch Kunden beim Käse Schuster, beim Metzger Meige, beim Gemüse Jung aus Frankfurt oder beim Fisch-Wagen vor dem tegut. Sie schätzen die Getränke-qualität der Roten Pumpe, die Suppen aus dem Birkenhof, die Thüringer Bratwurst und die faszinierende Vielfalt am Gewürzestand, an dem Jochen Peukert selbst schon als Verkäufer ausgeholfen hat.

Auf rund 30 Stände ist der Markt zwischen Alicebrunnen und der Dankeskirche mittlerweile angewachsen. Dazukamen trendige Waffeln- oder Popcorn-Anbieter, bei denen die Kunden Schlange stehen. »Das ist hier wie eine große Familie, und keiner der Händler will hier jemals wieder weg«, weiß der scheidende Marktmeister.

Jochen Peukert über den Markt: „Ohne ihn ist Bad Nauheim für mich nicht mehr vorstellbar“

Zudem, so betont er, sei der Bad Nauheimer Markt im Laufe der zwei Jahrzehnte immer wichtiger für die Innenstadt geworden. »Ohne ihn ist Bad Nauheim für mich nicht mehr vorstellbar. So viel ist an anderen Tagen in der Stadt nicht los, und viele kommen natürlich auch nur zum Schwätzen hier her. Hier wissen die meisten schon einen Tag früher, was am nächsten Tag in der Zeitung steht«, lacht Jochen Peukert.

Früher war er lange im Skiverband und im hiesigen Skiclub ehrenamtlich tätig. Nachdem er im Jahr 2000 bei der Sparkasse in den Ruhestand gegangen ist, entdeckte er in der Zeitung eine Anzeige, mit der ein Marktleiter gesucht wurde. »Ich habe dort angerufen, und schon war ich dabei«, erzählt er und fügt an, dass es für diese Nebentätigkeit nur ein kleines Entgelt gebe. Der Lohn seien vorrangig Freude und Spaß.

Bad Nauheim: „Einige haben mich schon gefragt, ob ich Kilometergeld hier bekomme“

An den Markttagen läuft die Schicht freitags von 7 bis 14 Uhr, obwohl der Markt offiziell nur von 8.30 bis 13 Uhr geöffnet ist. »Zunächst muss ich die Stromkästen öffnen, damit die Händler Licht und Kraft für ihre Kühlungen haben. Dann schaue ich in der Regel, ob sich keine Fremdfahrzeuge auf dem Marktgelände aufhalten. Manchmal stehen da noch Autos von Handwerkern, aber die wissen dann auch, wann sie wegfahren müssen.« Falls Radfahrer oder Autos die Idylle stören, habe der Marktleiter keine Polizeigewalt, sondern nur Hausrecht. Soll heißen: Mit freundlichen Hinweisen werden alle Probleme gelöst.

So sei seine Haupttätigkeit, als Ansprechpartner für die Markthändler da zu sein. »Einige haben mich schon gefragt, ob ich Kilometergeld hier bekomme, weil ich ständig auf- und ablaufe«, sagt Jochen Peukert. »Aber ich bin halt einfach gerne mit Händlern und Marktkunden im Gespräch.« Manche, so erzählt er, trifft er morgens um 10 beim Einkaufen, und mittags seien sie immer noch da, wenn am Weinstand die Stimmung steigt. Das wird auch Jochen Peukert bestimmt nicht aufgeben. (Michael Humboldt)

Am vergangenen Elvis-Festival herrschte richtig gute Stimmung auf dem Bad Nauheimer Marktplatz. Die Hoffnung auf einen Neustart für das 2016 eigentlich eingestellte Marktplatzfest lebt.

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