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Erst stand es in der Wetterauer Zeitung, dann haben die ausrangierten Jeans den Besitzer gewechselt. Genau so hat es sich Künstlerin Patrizia Zewe gedacht. Sie sucht Jeans und wird diese für ihre kommende Ausstellung »Denim for Life« zu Kunstwerken umarbeiten.

Jeans wie eine zweite Haut

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Bad Nauheim. Für ihre Kunst-installation aus blauen Jeans fliegen Patrizia Zewe die Herzen und die Hosen vor Begeisterung nur so zu. Jeans nimmt die Künstlerin nach wie vor gerne entgegen.

Gedacht sind die Hosen für ihre kommende Ausstellung »Denim for Life«. Manche trafen liebevoll verschnürt ein, wie das hier abgebildete Paket zeigt. Es ist bestückt mit der Ausgabe der Wetterauer Zeitung vom 11. März, die erstmals über die Ausstellung berichtete. »Fashionart. Handwerk. Nachhaltigkeit«, lautet der Untertitel der Ausstellung. Der thematische Rahmen ist weit gespannt. Christiane Schmitt, Verlagsleiterin von Triga - Der Verlag, versteckte im Bündel ihrer ausrangierten Jeans ein farblich passendes Buch als Überraschungsgeschenk.

Durch Glastür zu sehen

Der Verlag ist im Laufe des Julis einer der etwa 30 wechselnden Mitaussteller und Gäste. Mit dem Scannen des ausstellungseigenen QR-Codes, oder mit der Eingabe von www.ernst-ludwig-buchmesse.de/ausstellung-denim-for-life, lassen sich die Entwicklung der Ausstellung und deren Dokumentation im Internet verfolgen.

Mit hohem Aufwand und handwerklichem Können werden die Jeanshosen zu einem mehrteiligen Kunstwerk verarbeitet. Es wird den gesamten Juli über im Foyer am Elvis-Presley-Platz vom Hotel Dolce als zentraler Bestandteil der Ausstellung zu sehen sein.

Sollten die Türen pandemiebedingt geschlossen bleiben, wäre die Kreation durch die Glastüren hindurch zu sehen. Zewe vereint in dem Werk ihre Leidenschaften für Mode und für Kunst, so wie ihren eigensinnigen und sensiblen Umgang damit. Sie sammelt schon seit Jahrzehnten Kleidung mit Leidenschaft, kombiniert sie, nimmt sie auseinander und setzt sie wieder neu zusammen. Neben moderner Kleidung enthält ihr Archiv und Fundus auch historische Gewänder.

Mit der Wahl der Jeans als Grundbestandteil der Ausstellung ist auch eine beachtenswerte Entstehungsgeschichte verknüpft. Die Bezeichnung »Denim« geht auf die besondere Qualität des Stoffes aus der französischen Stadt Nîmes zurück, die maßgeblich von hugenottischen Tuchmacher-Dynastien begründet und weiterentwickelt wurde. Darüber wird der Verein Hugenotten- und Waldenserpfad aus Marburg in der Ausstellung berichten.

Erinnerungen an Unglück

Jeans sind aufgrund ihrer großen Verbreitung prädestiniert für das Erörtern des Ringens um das Dilemma von Massenproduktionen. Es scheint kaum möglich, die Menschen dieser Erde mit allem zu versorgen, ohne negative Folgen für die Gesundheit und die Umwelt. »Wir sind gefordert, auf uns und andere Rücksicht zu nehmen und die Ressourcen zu schonen«, meint Veranstalterin Beatrix van Ooyen.

In Bezug auf Kleidung seien kleine Label und das Sicherstellen von einwandfreien Produktionen durch Kontrollen die vielversprechendste Lösung des Problems.

Damit die Schneidereien und Modeateliers nicht der industriellen Massenproduktion und dem billigen Fast Fashion zum Opfer fallen, gründete Pélagie Mepin-Koebel aus Ratingen bei Düsseldorf ihr Label »Fashion Life Balance« zu ihrem Schutz. Während der Ausstellung gibt sie Auskunft.

840 Schneidereien allein in Hessen stellen derzeit Kleider her, ändern und reparieren sie. Einer der Auslöser für die Gründung ihres Labels sei das Unglück in Bangladesch am 24. April 2013 gewesen. Eine Textilfabrik stürzte in Rana Plaza ein; es gab über 1000 Tote und 2000 Verletzte. Das Unglück war der Beginn einer weltweiten Diskussion über die Textilindustrie. Die Umstände und Ausmaße des Unglücks erzeugten generelle Aufmerksamkeit für Massenproduktionen und die Gefährdung von Menschen und Umwelt.

Die Kunstinstallation und Ausstellung von Patrizia Zewe soll den Blick auf die vielen Facetten von Kunst, Mode und auf das Leben ermöglichen. Der Mobile Kleiderschrank der KulturRegion FrankfurtRheinMain in Bad Nauheim ist dafür die Projektionsfläche.

Beatrix van Ooyen

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