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Internet-Störung in Bad Nauheim: „1 & 1“-Kunde sauer –  Provider blockt ab

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Von: Bernd Klühs

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Ist es ein Defekt im Glasfasernetz oder ein hausinternes Problem? Auch nach 20 Anrufen weiß ein Internet-Kunde aus der Homburger Straße nicht, was Sache ist. Erst nach einer Presseanfrage entschließt sich der Versorger zum Handeln. SYMBOLFOTO: DPA
Ist es ein Defekt im Glasfasernetz oder ein hausinternes Problem? Auch nach 20 Anrufen weiß ein Internet-Kunde aus der Homburger Straße nicht, was Sache ist. Erst nach einer Presseanfrage entschließt sich der Versorger zum Handeln. © DPA Deutsche Presseagentur

Kunden von Internet-Providern klagen oft ihr Leid, ständig gibt’s Beschwerden. Im aktuellen Fall ist ein Bad Nauheimer Unternehmer betroffen. Der Versorger wartet mit einer erstaunlichen Antwort auf.

Bad Nauheim – Seit gut zwei Wochen leidet Karim Schäfer, der in der Homburger Straße 67 in Bad Nauheim wohnt und selbstständig arbeitet, unter einem Komplettausfall von Festnetz-Telefon und Internet. Die Ursache kennt er bis heute nicht, obwohl er etwa 20-mal mit seinem Anbieter, der Firma 1 & 1, gesprochen hat. »1 & 1 fragt dann stets bei der Telekom an, die das Netz betreibt - es passiert aber nichts«, klagt Schäfer, der ein PR-Unternehmen hat. Ebenfalls betroffen sei die im selben Gebäude ansässige Tierklinik, beide Betriebe sind ohne Internet-Anschluss kaum arbeitsfähig.

Nach etlichen Telefonaten mit 1 & 1 schien für Schäfer endlich eine Problemlösung in greifbarer Nähe zu sein. Dem Kunden, dem von einer Großraumstörung berichtet worden war, wurde für den 1. Dezember ein Reparaturtrupp angekündigt, der sich um die Angelegenheit kümmern würde. »Ohne Begründung wurde der Termin dann auf den 9. Dezember verlegt«, berichtet Schäfer.

Internet-Ausfall in Bad Nauheim: Anbieter stellt Rechnung für Ersatzlösung

Sollten die Telekom-Techniker dann tatsächlich erscheinen, sind bereits drei Wochen ins Land gegangen. Als Ursache für die lange Zeitspanne vermutet der Betroffene viele an Corona erkrankte Beschäftigte des Internet-Riesen Telekom sowie die weitgehende Verlagerung der Bürotätigkeiten ins Homeoffice, die den organisatorischen Ablauf offenbar störe.

Die Kritik Schäfers richtet sich allerdings nicht nur an die Telekom, sondern auch an seinen Provider. Erst mit Verzögerung sei er darüber informiert worden, dass er das Internet auch mit einem Datenstick betreiben könne. »Zunächst sind mir 20 Gigabyte verkauft worden, die ruckzuck verbraucht waren«, erzählt der PR-Berater. Erst danach habe er von der Möglichkeit eines Sticks mit unbegrenztem Datenvolumen erfahren, den er jetzt auch nutzt.

Der Haken: Schäfer muss, obwohl er Opfer einer technischen Störung ist, 69,90 Euro pro Monat für diese Ersatzlösung bezahlen. Zudem läuft der Vertrag über zwei Jahre. »Nicht von 1 & 1 direkt, sondern nur über Umwege habe ich erfahren, dass ich diesen Vertrag innerhalb von vier Wochen wieder rückgängig machen kann.«

Bad Nauheimer ist richtig sauer auf den Internet-Provider

Der Bad Nauheimer ist richtig sauer auf das Verhalten seines Providers, hat das Unternehmen aufgefordert, die Gebühren für die Ausfallzeit zu erstatten. Eine Antwort hat er noch nicht erhalten. Am meisten ärgert ihn allerdings das Ausbleiben jeglicher sachlicher Information über die Störungsursache und die Gründe, warum die Reparatur so lange dauert.

Die Antworten der beiden Internet-Unternehmen auf eine WZ-Anfrage ist mehr als ungewöhnlich. Die Telekom verneint, dass es in diesem Gebiet eine Großraumstörung gibt. Das habe eine Prüfung ergeben. Zum konkreten Fall will sich der Bonner Konzern nicht äußern - schließlich handele es sich ja um den Kunden eines anderen Providers.

Internet-Eklat in Bad Nauheim: Nach WZ-Anfrage plötzliche Wende

Damit ist 1 & 1 gemeint. Deren Antwort ist noch erstaunlicher, zumal in der Anfrage sowohl die genaue Adresse als auch der Name des Kunden genannt worden ist. »Nach Rücksprache mit den zuständigen Kolleginnen und Kollegen liegt in Bad Nauheim keine Störung vor«, lässt Junior-PR-Managerin Jessica Gietz wissen. Der Anschluss des Kunden könne gerne noch mal gesondert geprüft werden, dafür müsse er aber seine Daten mitteilen und sein Einverständnis erklären. Schäfer konnte es nicht fassen und fragte sich vermutlich, mit wem er seine 21 Telefonate eigentlich geführt hat.

Als die WZ wegen der Störungsmeldung angefragt hatte, kam es zur plötzlichen Wende, was nicht ungewöhnlich ist. Umgehend erhielt Schäfer eine E-Mail wegen eines Techniker-Termins. Der Fachmann wird schon am morgigen Mittwoch vorbeischauen. Offensichtlich wird jetzt ein Problem innerhalb des Gebäudes vermutet, während die Schwierigkeiten bislang stets auf die Telekom abgewälzt wurden. (Bernd Klühs)

Kein Internet? Das kennen tausende Anwohner aus Bad Vilbel und Karben nur zu gut. Seit Monaten beklagen sie immer wieder massive Ausfälle. Vodafone sagt, mit elf Tagen „ohne“ müsse „jeder rechnen“.

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