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Gesprächsbedarf gibt es kaum noch. Investor Rafael Jantos (2. v. r.) stellt Ortsvorsteherin Lisa Graudenz, Fachbereichsleiter Jürgen Patscha (l.) und Bürgermeister Klaus Kreß seine Wohnungsbaupläne vor.

Innenentwicklung

In Schwalheim: Wohnungen statt Industriebrache

  • Bernd Klühs
    VonBernd Klühs
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Schwalheim schrumpft. In den letzten 20 Jahren ist die Bewohnerzahl um 7,5 Prozent geschmolzen. Um diesem Trend zu begegnen, soll statt einer Industriebrache mitten im Dorf Wohnraum entstehen.

Vor gut einem Jahr hat Rafael Jantos die Industriebrache der ehemaligen Maschinenbaufabrik Dingeldein & Herbert in Schwalheim erworben. Das 1936 gegründete Unternehmen hatte im Herbst 2019 Insolvenz anmelden müssen. In Kürze rechnet Jantos bereits mit der Genehmigung seines Wohnungsbauprojekts auf dem 5200-Quadratmeter-Areal. »Jetzt fehlt nur noch der Stempel des Kreises. Ich hätte nie gedacht, dass das so schnell geht. Ausschlaggebend dafür ist die sehr angenehme Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Bauamt«, sagt der Investor bei der Vorstellung seiner Pläne auf dem Grundstück an der Ecke Salinenstraße/Faulweide.

Entstehen werden 28 Wohnungen in vier Gebäuden. Die von Jantos direkt nach dem Erwerb des Geländes gegenüber der WZ geäußerten Überlegungen, 40 bis 50 Wohneinheiten errichten zu lassen, werden somit nicht realisiert. Stattdessen wird das Grundstück stark begrünt.

Mit dem Abbruch der Klötze aus Beton und Stahl will Jantos möglicherweise in diesem Jahr beginnen. In Zeiten des Baubooms und einer weitgehenden Auslastung von Firmen, die mit dieser Branche zu tun haben, hat der Investor den Vorteil, einiges in Eigenleistung erledigen zu können. So wird der Abriss von einer seiner Firmen erledigt, Gleiches gilt für den Verkauf der Eigentumswohnungen. Obwohl es sich bei Dingeldein um einen Industriebetrieb handelte, rechnet der Bauherr - abgesehen von etlichen asbesthaltigen Materialien - nicht mit einer größeren Schadstoffbelastung auf dem Gelände. »Der Baustart ist im ersten Quartal 2022 geplant«, sagt Jantos.

Bürgermeister begrüßt Projekt

Der seit Jahren in Bad Nauheim aktive Investor hatte bei anderen Projekten in der Vergangenheit manchmal langwierige Auseinandersetzungen mit dem Fachbereich Stadtentwicklung und Kreisbehörden. Diesmal herrscht offenbar große Einigkeit. »Die Pläne sind ein Topbeispiel für gelungene Innenentwicklung, die immer den Vorrang vor einer Bebauung an der Peripherie haben sollte«, betont Bürgermeister Klaus Kreß. Während das Vorhaben der Fingerhaus-Unternehmensgruppe, an der Brunnenstraße das Neubaugebiet »Auf dem Forst« zu entwickeln, am Widerstand großer Teile der Schwalheimer Bürger gescheitert war, rechnet der Rathauschef im aktuellen Fall nicht mit Protest: »Diesmal erwarte ich keine BI-Gründung.«

Zuzug sei wichtig für Schwalheim, damit die Bevölkerungszahl, die bei gut 2000 liegt, nicht weiter abnehme. »Kita und Schule sind nicht gottgegeben. Für die Tagesstätte gibt es heute nicht genügend Schwalheimer Kinder, deshalb werden hier auch Jungen und Mädchen aus der Kernstadt betreut.«

Behutsame Planung

Zur Akzeptanz der Neubauten könnte eine eher behutsame Planung beitragen. Jantos und Jürgen Patscha, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung, haben vereinbart, das Projekt ohne Bebauungsplan umzusetzen. Das heißt: Die neuen Gebäude müssen in ihrer Dimension der Umgebung angepasst werden. »Das ist unser gemeinsames Ziel. Das Erscheinungsbild an dieser Ecke kann nur besser werden als jetzt«, sagt Patscha.

Jantos hat sich auch deshalb zu dem Bauvorhaben entschlossen, »weil die Attraktivität der Kernstadt inzwischen auf die Stadtteile ausstrahlt«. Die Käufer werde in Schwalheim ein niedrigeres Preisniveau erwarten, obwohl sie die Innenstadt von diesem Standort aus mit dem Rad in fünf Minuten erreichen könnten. Mit vielen Kaufinteressenten rechnet auch die neue Ortsvorsteherin Lisa Graudenz. »Die Nachfrage ist groß. Es gibt viele Schwalheimer, die gerne etwas Eigenes hätten, aber das steht und fällt natürlich mit den Preisen.« Grundstätzlich seien die Pläne zu begrüßen.

Der Investor wird in zwei Stadtteilen parallel tätig. Nach langer Vorlaufzeit kann er 2021 auch ein Projekt in Nieder-Mörlen starten. In der Straße In den Nußgärten entstehen drei Häuser mit 15 Wohnungen plus Tiefgarage.

Investitionskosten: 12,5 Millionen

Das Wohnungsbauprojekt an der Ecke Faulweide/Salinenstraße umfasst vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 28 Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen. Die Gebäude haben jeweils zwei Stockwerke plus Dachgeschoss und werden damit nach Angaben von Investor Rafael Jantos niedriger sein als manche Häuser in unmittelbarer Umgebung.

Das Gebäude, das an der Ecke Salinenstraße/Faulweide entsteht, wird größer als die anderen drei. Alle vier Häuser werden nicht direkt an der Straßenfront stehen, vielmehr wird es kleine Vorgärten geben. Auch im Hof des Ensembles (Richtung Sportplatz) wird viel Grün entstehen. Unter dem 5200-Quadratmeter-Grundstück wird sich eine Tiefgarage mit 62 Plätzen und zwei Zufahrten befinden.

Jantos will im ersten Quartal kommenden Jahres mit dem Bauvorhaben beginnen, bezogen werden können die Eigentumswohnungen frühestens Mitte 2023. Die Investitionskosten schätzt der Bauherr auf 12,5 Millionen Euro.

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