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Naturnaher Garten

In Bad Nauheim das Paradies vor der Haustür

  • VonInge Schneider
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Anna und Bernd Quiskamp haben in Bad Nauheim ein Werkstattgelände in einen naturnahen Hausgarten verwandelt und einee zweiten Gartentraum am Johannisberg verwirklicht.

Was wir auch gemeinsam anpackten, immer gab es zunächst viele kritische Stimmen«, erinnert sich Anna Quiskamp mit einem Lächeln. Heute genießt das Ehepaar doppeltes Gartenglück - beide Areale haben beim Bad Nauheimer Wettbewerb »Naturnahe Gärten« erste Plätze belegt. »Der Jury gehörten damals auch Mitglieder der Unteren Naturschutzbehörde an«, sagt Quiskamp, die großen Wert auf die Naturnähe ihrer Gärten und eine möglichst reiche Artenvielfalt bei Flora und Fauna legt.

Moderne Beton- und Steingärten sind für sie niemals eine Alternative. »Wer mich ganz kennenlernen will, muss meinen Garten kennen, denn mein Garten ist mein Herz«, sagt die zweifache Mutter, gelernte Arzthelferin und jetzige Mitarbeiterin der Rosenschule Ruf in Steinfurth.

Als sei diese Vielseitigkeit nicht genug, widmen sich Quiskamps auch der Kunst. So schmücken selbstgestaltete Keramiken und fragile bewegliche Objekte beide Gärten. Anna Quiskamp verfügt über einen eigenen Ausstellungsraum für ihre Keramikfiguren aus der »Geschöpferei«, ihre Gartenobjekte werden auch bei Ruf in Steinfurth zum Verkauf angeboten.

Mutterboden aufgeschüttet und Regenwürmer angesiedelt

»Grundvoraussetzung für das Anlegen und Pflegen eines Gartens ist die Liebe zur Natur«, unterstreicht sie. »Wer nicht bereit ist, der Natur Raum zu geben, von ihr zu lernen und sich mit Versuch und Irrtum an sie heranzutasten, sollte das Gartenthema lieber fallen lassen.« Schon in der ersten Mietswohnung träumte Anna Quiskamp von einem eigenen Garten, las Fachzeitschriften, besuchte Gartenmärkte und Gärtnereien zwischen Marburg und Hanau - so wie sie es bis heute liebt. Sie schätzt den Austausch unter den Bad Nauheimer Gartenfreunden, man unterstützt einander mit Tipps und tauscht Ableger aus.

1991 bot sich den beiden die Chance, das aus dem Jahr 1875 stammende Elternhaus samt Schlosserwerkstatt zu übernehmen, berichten Quiskamps. Im Rahmen der damaligen Altstadtsanierung erhielt das Paar Fördermittel der Stadt, die ehemalige Werkstatt wurde abgetragen, die Betonbodenplatte entfernt, etwas später auch die noch tiefer liegenden Bruchsteinfundamente. Man schüttete Mutterboden auf und siedelte Regenwürmer an. Bis heute sind sie froh, nicht dem Rat des Vaters gefolgt und Doppelgaragen im Hof errichtet zu haben.

Vermülltes Areal verwandelt

Der Hausgarten, an zwei Seiten von hohen Backsteinmauern eingefriedet, bietet vor allem Blüten, Büschen und Grünpflanzen ideale Bedingungen, die Schatten und Halbschatten lieben. »Zudem rankt hier alles hurtig nach oben, vom Wein über die vielen Steinfurther Rosen, die Clematis und die Kletterrosen - alles will naturgemäß zur Sonne«, erzählt Anna Quiskamp. Nutzpflanzen und Kräuter zieht sie ausschließlich in Töpfen, der ehemalige Werkstattboden könnte bis heute Spuren von Öl enthalten, was den Anbau von Pflanzen zur menschlichen Ernährung verbiete, dem reichen Grünen und Blühen aber keinerlei Abbruch tue.

»Einen völlig anderen Charakter hat unser Garten am Johannisberg mit seiner sonnenreichen Südhanglage und dem weiten Blick bis ins Rhein-Main-Gebiet«, sagt Anna Quiskamp. Das Paar hatte dieses Areal völlig verwildert und mit Müll verschandelt übernommen und in ein Naturparadies mit Toskana-Charme verwandelt.

Die Früchte des Aufwands genießen

Die Liste ihrer Pflanzen will allein für den Hausgarten kein Ende nehmen: Von Flieder über Schneeball, von Garten- und Kletter-Jasmin über den Blauregen reicht die opulente Palette bis zu Pfingstrosen, Akelei, Glockenblumen und gelbem Waldmohn, Hibiscus und Hortensien, vielen Farnen und zahlreichen Storchschnabelstauden (Geranium).

Brillante Fotos von Bernd Quiskamp dokumentieren die Verschiedenartigkeit beider Gärten, ihre Facetten und ihre unterschiedliche Anmutung zu den Jahreszeiten, zwischen Licht und Schatten. »Man geht niemals zweimal in den gleichen Garten«, sagt Anna Quiskamp in Anlehnung an den berühmten Heraklit-Spruch.

Die Anstrengungen und »Verrücktheiten« der vergangenen Jahre haben sich gelohnt, Die Quiskamps sagen, sie bereuen den Aufwand nicht, auch wenn sie froh seien, jetzt dessen Früchte genießen zu können. »Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder« - dieser Satz ist in ihren Gartenalben zu lesen.

Chemie ist tabu

»Chemisches Spritzen ist bei mir natürlich völlig tabu«, stellt Anna Quiskamp entschieden fest. »Es ist viel besser, den Garten sich im Wesentlichen selbst regulieren zu lassen. So räumen die Tigerschnegel als reine Karnivoren unter ihren pflanzenfressenden Artgenossen auf, die Marienkäfer ernähren sich von Blattfressern und dienen selbst wiederum den Vögeln zur Nahrung, die hier vorbeikommen oder, wie Amseln und Meisen, auch bei uns nisten. Solitäre Wildbienen, dunkelblaue Holzbienen, Wollschweber und Schwebfliegen sind uns herzlich willkommen - und natürlich die Schmetterlinge, von denen es vor einigen Jahren noch viel mehr gab.« FOTOS: IM/PV

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