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Corona-Impfung in der Hausarztpraxis: Viele Allgemeinmediziner wie Dr. Heike Wagner plädieren für die stärkere Einbindung der Ärzte vor Ort. SYMBOLFOTO: DPA/FOTO: HAU

Hausärzte in Corona-Zeiten

»Impfen ist eine unserer ureigenste Aufgabe«

  • vonAnnette Hausmanns
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Positive Resonanz auf das Vorpreschen des Kreises, als er die ersten 3500 Dosen Corona-Impfserum an 30 Hausarztpraxen lieferte. Dr. Heike Wagner kann ein Lied von ihrer Erleichterung singen.

»Impfungen sind eine unserer ureigensten Aufgaben«, sagt Dr. Heike Wagner. Seitdem Impfstoffe gegen Covid-19 entwickelt wurden, beantwortet die im Bad Nauheimer Ärztehaus am Park angestellte Fachärztin für Allgemeinmedizin die gewichtigen Fragen ihrer Patienten.

»Wir Hausärzte haben den Überblick über sämtliche Medikamente und über sämtliche Diagnosen. Wir kennen Unverträglichkeiten, Allergien, haben aktuelle Blutwerte, kennen Lebensumstände und sind vor allem auch Vertrauenspersonen«, formulierte es die Allgemeinmedizinerin aus Freude über die Initiative des Wetteraukreises am 5. März in einem Dankschreiben ans Kreisgesundheitsamt.

Empörende Idee

Zu dem Zeitpunkt war bekannt geworden, dass der Wetteraukreis als Einziger in ganz Hessen die Hausärzte aktiv in die Impfkampagne mit einbeziehen wollte: als ambulante Impfteams, quasi als »verlängerter Arm« des Impfzentrums in Büdingen, um die »Schlagzahl« in der Fläche zu erhöhen.

Die Wetterau ging als »Modellregion« durch die Presse, während das Land Hessen mit seiner Idee vom Pilotprojekt mit 50 ausgewählten Hausarztpraxen noch lange nicht in die Gänge gekommen war.

Überhaupt sei die Idee vom Pilotprojekt empörend, findet Dr. Wagner. Hausärzte entschieden schließlich tagtäglich nach gründlicher Anamnese über Medikationen und Therapien zum Wohle ihrer Patienten. Da müsse man sich nicht vom Land ans Impfen heranführen lassen.

Unkomplizierter Ablauf

Im Pilotprojekt wäre ihr eine Liste mit womöglich wildfremden Patienten vorgeschrieben worden, ärgert sich die Ärztin - und ist dankbar, dass das Impfen gegen das tödliche Virus in der Wetterau so unkompliziert und pragmatisch gehandhabt wird. Demnach konnten sich Wetterauer Hausärzte kurzfristig beim Kreisgesundheitsamt melden und Impfdosen bestellen.

3500 Impfdosen Astrazeneca wurden an 30 Erstanmelder geliefert. Über 45 weitere interessierte Hausärzte konnten zu dem Zeitpunkt noch nicht versorgt werden. So hatte beispielsweise in Ober-Mörlen eine Hausarztpraxis das Glück, zu den Ersten im ambulanten Impfteam zu gehören, die andere nicht. Noch am Sonntagabend (7. März) hätten sie bestellt, berichtet Dr. Heike Wagner.

Zwei Tage später wurde geliefert und am Mittwoch mit dem Impfen begonnen. Binnen drei Tagen waren in der Bad Nauheimer Praxis alle bestellten Dosen Astrazeneca verimpft. Dr. Wagner berichtet sehr angetan vom unkomplizierten Ablauf.

Reine Impfsprechstunden

Leicht habe sich die Arbeit in der Gemeinschaftspraxis verteilen lassen. Je einen halben Tag schalteten Dr. Wagner und ihre Kollegen reine Impfsprechstunden und bestellten kurzfristig ihre prioritären Patienten streng nach den Vorgaben des Wet-teraukreises ein. Man habe viele dankbare Patienten erlebt, berichtet die Hausärztin.

Je zehn Patienten waren mit Blick auf die Verpackung des Serums in Fläschen à zehn Dosen einbestellt worden, um keine Reste übrig zu behalten. Auch Abrechnung und Dokumentation seien gut und leicht zu managen. Gerne wäre man drangeblieben, unterstreicht die Ärztin.

Impfstoff wieder einsetzbar

Das Vorhaben scheiterte aber am Lieferengpass für Astrazeneca - erst recht mit dem vorübergehenden Stopp des viel kritisierten Impfstoffes. Grünes Licht gab es dann am gestrigen Freitagmorgen: Alle Hausärzte im Wetteraukreis, die noch Astrazeneca-Impfdosen übrig hatten, durften sofort wieder ans Impfen gehen. Am Vortag hatte die Europäische Arzneimittel-agentur den weiteren Einsatz von Astrazeneca empfohlen und angeordnet, den »Beipackzettel« um das Thromboserisiko zu erweitern.

Dr. Wagner ist erleichtert und hofft auf ein recht baldiges Ende der Lieferengpasses. Vor dem Hintergrund der jüngsten Untersuchungen werde sie zunächst davon absehen, Patienten mit erhöhtem Thromboserisiko mit Astrazeneca zu impfen. Grundsätzlich spreche aber alles dafür, mit allen Mitteln so schnell wie möglich so viele Menschen wie möglich zu impfen.

Dr. Heike Wagner Allgemeinmedizinerin

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