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Der Impfstoff von Biontech/Pfizer ist eine begehrte Ware. Jetzt können sich die über 70-Jährigen für die Immunisierung registrieren lassen. Doch beim Start hat es wieder einmal technische Probleme gegeben.

Technische Probleme

Impfen gegen Corona: Bad Nauheimer klagt über Registrierungs-Marathon

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Bei der Corona-Impfung sind jetzt die über 70-Jährigen an der Reihe. Seit Dienstag können sie sich registrieren lassen. Und wieder kommt es zu Problemen, wie ein Bad Nauheimer berichtet.

Früher war Gerd Bindemann als Ingenieur tätig. »Made in Germany« galt damals noch etwas. Heute hat der 77-Jährige so seine Zweifel, was die Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft betrifft. »Irgendwie kriegen wir in Deutschland nichts mehr hin«, meint der Rentner. Das gelte auch und gerade für die Pandemie-Zeiten. Gerd Bindemann verweist auf das Debakel mit der Corona-App oder die enormen Schwierigkeiten, die über 80-Jährige bei der Registrierung für die Corona-Impfung hatten.

In dieser Woche hat der Bad Nauheimer seine eigenen Erfahrungen mit der Anmeldung gemacht, spricht im Rückblick von »ganz verrückten Sachen«, die er erlebt habe. Gerd Bindemann und seine Ehefrau sind überzeugt vom Impfen, er wurde deshalb am Dienstag sofort aktiv. Seit diesem Tag kann sich die Gruppe 2, zu der unter anderen die über 70-Jährigen gehören, für einen Immunisierungstermin registrieren lassen. Sollte kein großes Problem sein, dachte der im Umgang mit dem PC recht versierte 77-Jährige zunächst.

Telefonisch würde er nicht bis zum Call-Center durchdringen - das ahnte der Rentner. Trotzdem startete er einen Versuch. »Schon bei der Eingabe der ersten Zahlen kam das Besetztzeichen. Das habe ich schnell aufgegeben«, berichtet er. Also nahm er vor dem Computer Platz, um sich und seine Frau online zu registrieren. Das schien zu funktionieren: Erst gelangte Gerd Bindemann in einen »Warteraum«, dann zur Registrierung. Als er seine persönlichen Daten eingegeben hatte, erhielt er allerdings den Hinweis, die Angaben könnten wegen einer Übermittlungssperre nicht verifiziert werden. Tatsächlich hatte sich der Rentner im Rathaus sperren lassen, damit seine Daten nicht weitergegeben werden. Was tun? Der Rentner wählte die angegebene Telefon-Hotline-Nummer und schilderte sein Problem. »Wie soll ich Ihnen da helfen?«, lautete die Frage am anderen Ende der Leitung.

Angelegenheit vertagt

Der 77-Jährige vertagte die Angelegenheit auf Mittwoch. Am Morgen rief er beim städtischen Bürgerbüro an, um die Übermittlungssperre vorübergehend aufheben zu lassen. Das heißt, er hätte gerne telefoniert. »Eine Stunde lang war die Nummer dauerbesetzt«, erzählt der 77-Jährige. Er entschloss sich, selbst im Rathaus vorbeizuschauen. Als Gerd Bindemann an der verschlossenen Eingangstür klingelte, bekam er folgende Auskunft: Er müsse zunächst anrufen und einen Besuchstermin vereinbaren. Zurück nach Hause und an den PC. Der Bad Nauheimer schrieb eine Mail ans Bürgerbüro. Und wartete nur wenige Minuten auf die Antwort. »Die waren sehr nett und berichteten, dass die Sperre gar nicht ursächlich sei. Vielmehr gab es ein technisches Problem, das die Registrierung verhinderte.«

Daraufhin probierte es Gerd Bindemann erneut mit der Online-Anmeldung. Und siehe da, jetzt funktionierte es reibungslos. Er und seine Frau warten jetzt auf eine Mail mit dem Impftermin. »Ich bin ja noch recht fit und hatte trotzdem gehörige Schwierigkeiten. Was machen eigentlich Leute, die sich mit dem Computer nicht gut auskennen oder keinen Internet-Zugang haben?«, fragt der Rentner.

Technik-Problem nicht gelöst

Matthias Wieliki, fürs Bürgerbüro zuständiger Fachbereichsleiter Zentrale Steuerung und Öffentlichkeitsarbeit, bestätigt die Aussagen von Gerd Bindemann. Am Dienstag hätten sich zahlreiche Leute im Bürgerbüro gemeldet, weil sie aufgrund der technischen Panne im Rechenzentrum an der Registrierung gescheitert waren. Die Übermittlungssperre hätten viele Bad Nauheimer einrichten lassen, damit ihre Daten nicht weitergegeben werden. Etwa an die WZ, die Namen älterer Bürger unter »Wir gratulieren« veröffentlicht. Kämen Anfragen wegen der Corona-Impfung oder von der Polizei würde die Stadt die Daten natürlich weiterleiten, sagt der Fachbereichsleiter. Wieliki am Mittwochnachmittag: »Aktuell ist der technische Fehler übrigens nicht behoben, sondern es wird seitens des Plattformbetreibers temporär auf einen Abgleich mit den Meldedaten verzichtet.«

Wieliki hat übrigens einen Tipp für Senioren, die Probleme mit der Registrierung haben. Die können sich ans städtische Familienbüro wenden (Telefon 0 60 32/343-574), das auf Wunsch alle Formalitäten erledigt.

Ältere, Kranke und bestimmte Berufe

Seit Dienstag kann sich die Gruppe 2 (hohe Priorität) für die Corona-Impfung registrieren lassen. Zu dieser Gruppe gehören Menschen, die das 70. Lebensjahr abgeschlossen haben, unter bestimmten Krankheiten leiden oder zu systemrelevanten Berufsgruppen gehören. Wer bestimmte Krankheiten hat, muss bei einer Covid 19-Infektion mit einem schweren Verlauf rechnen. Dazu gehören unter anderem folgende Leiden: Trisomie 21, Lungenkrankheiten, Demenz, schwere psychische Erkrankungen, chronische Lebererkrankungen oder Adipositas. Zudem können folgende Personen ab dem 5. März geimpft werden: Ärzte und Pflegekräfte mit Patientenkontakten, die noch nicht geimpft sind, Mitarbeiter von Gesundheitsdiensten und mit zentraler Funktion in Kliniken, Polizisten, Lehrer von Grund- und Förderschulen sowie Erzieher, Mitarbeiter und Bewohner von Flüchtlings- und Obdachloseneinrichtungen sowie bis zu zwei Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen, die nicht in einer Einrichtung leben, und bis zu zwei Kontaktpersonen von Schwangeren.

Alle Impfberechtigten - in Hessen sind das Schätzungen zufolge 1,5 Millionen Menschen - können sich zwecks Registrierung telefonisch unter 116 117 oder 0611/505 92 888 melden, online unter impfterminservice.de oder impfterminservice.hessen.de. Wer sich registriert hat, bekommt später per Mail oder Post den Impftermin übermittelt.

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