Angesichts deutlich gestiegener Handwerkerpreise und vieler gesetzlicher Vorgaben kann Wohnraum kaum noch günstig hergestellt werden. Selbst in der neuen Anlage der Bad Nauheimer Wohnungsbau-Gesellschaft in der Dieselstraße beträgt die Quadratmetermiete mehr als 11 Euro.	FOTOS: BERND KLÜHS/WZ-ARCHIV
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Angesichts deutlich gestiegener Handwerkerpreise und vieler gesetzlicher Vorgaben kann Wohnraum kaum noch günstig hergestellt werden. Selbst in der neuen Anlage der Bad Nauheimer Wohnungsbau-Gesellschaft in der Dieselstraße beträgt die Quadratmetermiete mehr als 11 Euro.

Preise steigen weiter

Teils „absurde“ Preisvorstellungen: Wohnmarkt in Bad Nauheim und Friedberg boomt

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Corona-Krise? War da was? An manchen Branchen geht die Pandemie spurlos vorbei. Dazu gehört der Immobilienmarkt. Auch in Bad Nauheim und Friedberg haben die Geschäfte 2020 floriert.

Wetterau - Im Frühjahr 2020 machte sich bei Maklern in Bad Nauheim und Friedberg Unruhe breit. »Wir haben uns Sorgen gemacht. Was passiert jetzt?«, sagt Patricia Mayer vom Bad Nauheimer Maklerbüro m & k rückblickend. Doch die Bedenken lösten sich schnell in Wohlgefallen auf, die Geschäfte liefen bald wie geschmiert. Mayers Kollege Jürgen Maass hatte im vergangenen Jahr nur ein paar Probleme mit der Akquise. Einige Eigentümer, die verkaufswillig waren, vereinbarten wegen des Virus keine Besichtigungstermine. »Letztlich war 2020 aber mein bestes Jahr«, betont Maass, der sich bei m & k um Bad Nauheim kümmert.

Etwas mehr von Corona zu spüren bekam Steffen Rosenschon, der mit Alexandra Kuhlmann eine Maklerfirma in Friedberg betreibt. Im März blieb das Büro drei Wochen geschlossen, dann lief alles fast wie gewohnt. »Vor allem bei Vermietungen bekommen wir die Pandemie zu spüren. Einige Mieter wollen keine Fremden in der Wohnung«, sagt Rosenschon. Angesichts der Kontaktbeschränkungen Mitglieder von drei Haushalten - Mieter, Interessent, Makler - an einem Ort zu versammeln, sei nicht angesagt. Manche Wohnung habe deshalb einige Monate leer gestanden.

Immobilien: Wem Frankfurt zu teuer wird, kommt nach Friedberg in die Wetterau

Eine Corona-Delle gab es laut Rosenschon nicht. Die Nachfrage sei nach wie vor größer als das Angebot. Ein Grund: Frankfurt wird vielen Leuten zu teuer, sie suchen sich in Friedberg mit seiner guten Infrastruktur eine neue Bleibe. Nach Angaben des Maklers sind die Mietpreise im Vergleich zu 2019 um etwa 50 Cent pro Quadratmeter gestiegen. Auch beim Verkauf zeige der Trend nach oben. Rosenschon: »Vor fünf Jahren lag der Durchschnittspreis pro Quadratmeter bei 2500 Euro, 2020 waren es 3200. Für Neubauten werden bis zu 4500 Euro aufgerufen.«

In Bad Nauheim sind die Preise noch höher. So gibt es im Neubaugebiet Bad Nauheim Süd keine Eigentumswohnung, die unter 5000 Euro pro Quadratmeter zu haben ist. Laut Makler Maass sind es oft ältere Paare, die ihr Haus verkaufen und in Bad Nauheim eine Eigentumswohnung suchen. Da sich das Angebot in der Kernstadt in Grenzen halte, steige die Nachfrage in den Ortsteilen. »Gerade haben wir ein Objekt in Steinfurth, das gut läuft«, sagt Maass.

Das Büro m & k setzt vorwiegend auf Bestandsimmobilien. Patricia Mayer berichtet von einem neuen Trend. »Es werden Zwei- bis Drei-Familien-Häuser gesucht. Auch durch Corona rücken Familien enger zusammen, kümmern sich mehr umeinander.« Das Preisniveau sei in Bad Nauheim unverändert hoch. Das gelte auch für Mieten. Als Problem bezeichnet Mayer stark steigende Handwerkerpreise. Der Bauboom sorgt für eine Überhitzung. »Handwerk hat wieder goldenen Boden. Günstiges Bauen ist nicht mehr möglich«, erklärt die Maklerin.

Kauf von Immobilien in Bad Nauheim und Friedberg: Makler als Psychologen gefragt

Das mache sich auch beim Verkauf älterer Häuser bemerkbar. Interessenten müssten viel in die Sanierung investieren, wollten deshalb weniger fürs Gebäude bezahlen. Manche Eigentümer hätten »völlig absurde« Preisvorstellungen. Das führe zu verhärteten Fronten. Maass berichtet von einem 800.000-Euro-Objekt, dessen Verkauf fast gescheitert wäre, weil sich beide Parteien über 300 Euro gestritten hätten. Makler seien dann als Mediatoren und Psychologen gefragt.

Probleme gebe es mit Banken und Bauämtern. Mayer: »Die Bearbeitung von Kreditanfragen dauert zu lange. Früher haben die Banken zwei Wochen benötigt, jetzt zwei Monate.« Schwierig sei die Kooperation mit manchen Behörden, die nach Personalrochaden wegen Corona teilweise nicht mehr besetzt seien.

Rosenschon ist besorgt, weil manche Gruppen angesichts hoher Mieten nicht mehr zum Zug kämen. Deshalb müsse mehr gebaut werden, zudem sei es sinnvoll, wenn Kommunen den Bau bezahlbaren Wohnraums subventionierten. »Im Vergleich zu Bad Nauheim hat Friedberg viel mehr Möglichkeiten, Bauland auszuweisen. Bestes Beispiel ist die Kaserne«, sagt der Makler. Für eine solche Entwicklung müsse die Stadt gewappnet sein.

Mix aus Handel und Wohnen: Wird aus Joh-Gebäude in Friedberg (Wetterau) wieder ein Magnet?

Rosenschon spricht die Kaiserstraße an, wo sich kaum etwas verbessert habe. Einige Läden stünden leer. »Ich hoffe, dass das Joh-Gebäude wieder zu einem Magneten wird. Es sollte dort einen Mix aus Handel und Wohnen geben. Ein Restaurant braucht kein Mensch.« Wie eine Stadt attraktiver gestaltet werde, habe Bad Nauheim vorgemacht. »Dort wurde viel Geld ausgegeben, um die Stadt aufzuwerten. Das merkt man beim Zuzug.«

Die Angaben, die Immobilienscout 24, Deutschlands größtes Internetportal für diese Branche, zur Preisentwicklung in Bad Nauheim und Friedberg macht, stimmen nicht ganz mit der Realität überein, die Bürger hautnah zu spüren bekommen. Die Tendenz wird aber korrekt abgebildet. Die größten Preissprünge verzeichnet Immobilienscout beim Verkauf. So mussten 2020 für ein Haus in Bad Nauheim im Schnitt 3673 Euro pro Quadratmeter hingeblättert werden, was einer Steigerung von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Immobilien in Bad Nauheim und Friedberg: Preissteigerung bis 11 Prozent

Beim Kauf einer Eigentumswohnung waren es gar 11 Prozent mehr (Durchschnittspreis: 3162 Euro). Die Spitzenpreise liegen zurzeit über 6000 Euro. In Friedberg kostete ein Haus im vergangen Jahr im Schnitt 3270 Euro pro Quadratmeter (plus 11 %), eine Wohnung 2782 Euro (plus 10 %). 2016 lag der Quadratmeterpreis bei 2000 Euro.

Moderater sind laut Internetportal die Mietpreise gestiegen. In Bad Nauheim mussten 2020 für ein Haus pro Quadratmeter 9,52 Euro bezahlt werden, 3 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei Wohnungen lag der Quadratmeterpreis bei 8,82 Euro, plus 4 Prozent gegenüber 2019. Nicht viel niedriger werden die Mieten in Friedberg beziffert. Hier gibt Immobilienscout 24 einen Quadratmeterpreis von 9,22 Euro für ein Haus an (plus 2 % gegenüber 2019) und 8,64 Euro für eine Wohnung (plus 5 %). (Bernd Klühs)

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