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Immer weniger Sozialwohnungen in Bad Nauheim

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Von: Bernd Klühs

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Im Haus Blücherstraße 23 ist nicht nur die Pitzer-Begegnungsstätte zu finden, dort gibt es auch 45 Wobau-Sozialwohnungen. Noch, denn 2022 entfällt die Sozialbindung. © Nicole Merz

In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Sozialwohnungen in Bad Nauheim um 22,3 Prozent gesunken. Ein Negativtrend, der sich vermutlich fortsetzen wird.

Die Zahl der Sozialwohnungen in Bad Nauheim sinkt rasant. Um diesen Trend zu stoppen hatte die Kenia-Koalition aus CDU, Grünen und SPD im Herbst einen Antrag eingebracht. Bau-Investoren sollten damit verpflichtet werden, 15 Prozent des Wohnraums, den sie errichten, sozialgebunden zu vermieten. Alternativ können sie eine Abgabe zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums entrichten: Ab 2022 sollten für 20 Prozent der Fläche 700 Euro pro Quadratmeter fällig werden, ab 2023 sogar für 25 Prozent. Doch bevor dieser Antrag beraten werden konnte, wurde er von der Koalition überraschend zurückgezogen. Stattdessen stellten die drei Fraktionen eine große Anfrage zum Thema Sozialwohnungen, die Antworten liegen seit einiger Zeit vor.

Wie sich den Ausführungen des Magistrats entnehmen lässt, ging die Zahl der Wohnungen mit Sozialbindung, die alle der städtischen Wohnungsbau-Gesellschaft gehören, in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich zurück. Waren es 2011 noch 345, sind es aktuell 268 - ein Minus von 22,3 Prozent. Und die Prognose sieht recht düster aus.

67 Bürger auf der Warteliste

»Der Anteil wird sinken, wenn nicht relevante finanzielle Mittel der Muttergesellschaft Stadt Bad Nauheim und Fördermittel in die Wobau investiert werden, um den Anteil stabil zu halten«, erklärt der Magistrat. So werden 2022 weitere 72 Einheiten aus der Bindung fallen, dem stehen 24 Wohnungen gegenüber, die in den sozialgebundenen Bestand überführt werden.

Zurzeit hat die städtische Gesellschaft einen Bestand von 1226 Wohnungen, für 22 Prozent davon gilt derzeit noch die Sozialbindung. Von den 268 Sozialwohnungen ist nur eine nicht belegt. 67 anspruchsberechtigte Bad Nauheimer stehen auf der Warteliste. Nach Wobau-Angaben beträgt die Wartezeit bis zu einem Jahr. Die Bewohner zahlen eine Quadratmeter-Kaltmiete von durchschnittlich 5,60 Euro. Fallen die Wohnungen aus der Sozialbindung und erfolgt eine Sanierung, wird die Miete bis maximal 8,50 Euro pro Quadratmeter angehoben. Für gut die Hälfte aller Wobau-Wohnungen gilt eine Quadratmeter-Kaltmiete von höchstens 8,50 Euro.

227 Wohnungen in Fehlbelegung

Die Anfrage der Kenia-Koalition beschäftigt sich auch mit dem Thema Fehlbelegung. Wie aus der Antwort hervorgeht, sind von den 268 Sozialwohnungen 227 »in der Fehlbelegung registriert«. Bis zum 30. April dieses Jahres konnte von Mietern, welche die gültige Einkommensgrenze um 20 Prozent überschritten, eine Fehlbelegungsabgabe erhoben werden. In Bad Nauheim waren davon 31 Bewohner betroffen. Seit dem 1. Mai können diese Mieter nicht mehr zur Kasse gebeten werden.

Was aus dem zurückgezogenen Antrag der Kenia-Koalition zu Sozialbindung und Investorenabgabe wird, ist unklar. Nach Beantwortung der großen Anfrage gibt es unter den drei Fraktionen offenbar weiteren Gesprächsbedarf.

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