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Auf und rund um den großen Teich im Bad Nauheimer Kurpark ist zurzeit einiges los. Die Suche nach dem besten Nistplatz sorgt für allerlei Scherereien, auch unter Kanadagänsen.

Frühlingserwachen

Im Bad Nauheimer Kurpark: Großer Stress ums Brutgeschäft

Die Menschen zieht es ins Freie, der Bad Nauheimer Kurpark ist sehr gut besucht. Doch das Frühlingserwachen betrifft auch Tiere. Die beginnende Brutsaison sorgt bei Wasservögeln für Aufregung.

Bad Nauheim – Es ist früher Sonntagmorgen im Bad Nauheimer Kurpark, und das Leben auf dem großen Teich erwacht. Während die ersten Menschen gemütlich durch den Park spazieren, sieht der Tagesstart auf dem Wasser ganz anders aus: Gebrüll, heftiges Flügelschlagen und Wasserfontänen in alle Richtungen. Denn Ruhe, um den Frühling zu genießen, haben Gänse und Enten kaum. Die Brutsaison steht bevor, und das ist eine aufregende Zeit für geflügelte Parkbewohner.

Mittlerweile sind fast alle Brutpaare an die Teiche zurückgekehrt. Manche alte Freunde lassen sich leicht wiedererkennen, zum Beispiel das hübsche Streifengans-Mischlingsweibchen, das dieses Jahr mit zwei anderen Graugänsen zurückgekommen ist. Oder der stattliche Kanadaganter mit metallenem Fußring, der den Küken-Kindergarten betreut hat, und das Mischpaar aus Papa Graugans und Mama Kanadagans mit seinen beiden Jungen aus dem Vorjahr.

Obwohl man sich kennt und später im Jahr, wenn der Nachwuchs da ist, auch bestens verträgt, ist man von Harmonie aktuell noch weit entfernt. Ganz im Gegenteil herrscht ein permanentes Gezeter und Gezanke. Jeder prügelt sich mit jedem. Wer es geschafft hat, einen heiß begehrten Platz auf den Inseln zu ergattern, muss ihn mit Schnabelhieben und Flügelschlägen verteidigen. Nicht jedes Mal erfolgreich, immer wieder poltern einzelne Gänse durch das Unterholz und landen mit lautem Platschen im Wasser.

Wasservögel in Bad Nauheim: Es wird schon fleißig gepaart

Ganz vorne mit dabei sind derzeit die Grau- und Nilgänse. Ihre Brutzeit hat begonnen, auch gepaart wird und wurde sich schon fleißig. Ab jetzt gilt es, sich so schnell wie möglich einen Nistplatz zu sichern. Dabei sind die Gänse alles andere als zimperlich. Schrecken lautes Gebrüll und Geschnatter die Konkurrenz nicht ab, gehen die Ganter zum Angriff über. Es kommt zu wilden Verfolgungsjagden in und über Wasser und zu harten Kämpfen, bei denen die Tiere sich im Gefieder verbeißen und mit den Flügeln aufeinander einschlagen. Die Weibchen schwimmen um ihre Gatten herum und feuern sie mit allem an, was die Lunge hergibt.

Unter den Nilgänsen kämpfen auch die Weibchen miteinander, um ihre Partner zu unterstützen. Solche Rangkämpfe können brutal aussehen, doch kommen alle Beteiligten in der Regel glimpflich davon. Ebenfalls mit von der Partie sind die großen Kanadagänse mit ihren schwarzen Hälsen und weißen Wangenflecken. Obwohl sie Wochen später brüten als die Graugänse, sind sie schon viel länger zurück an den Teichen und stürzen sich nun ebenfalls ins Getümmel. Es kann ja nicht schaden, vorsorglich ein paar Artgenossen zu verhauen, um seine Stellung zu sichern.

Kurpark in Bad Nauheim: Kormorane zeigen sich unbeeindruckt

Mittendrin sind die Hausgänse, vor allem die weiß gefleckte Djanga und ihre drei grauen Söhne. Ihr jüngster Sprössling Elvis hat sich ein Paar Kanadagänse als neue Freunde ausgesucht. Sein älterer Bruder Gelbes vertreibt sich die Zeit mit einem Grauganspaar, denn bei Mutti ist er unerwünscht. Sein Bruder Rotes beansprucht sie für sich allein und mischt die ganze Insel auf, wenn sie nach einem geeigneten Platz für ihr Nest suchen will.

Mitten durch den ganzen Trubel fliegen immer wieder Stockentenpaare Zickzack und versuchen, überzählige Verehrer abzuschütteln. Die Weibchen haben ihre Wahl längst getroffen, doch Erpel, die leer ausgegangen sind, versuchen immer wieder ihr Glück. Nicht selten wird eine weibliche Stockente mit drei bis vier oder sogar mehr Erpeln im Schlepptau beobachtet.

Bad Nauheim: Viel los auf dem großen Teich

Selbst in den obersten Etagen herrscht Betriebsamkeit. Dort bessern die Graureiher ihre Nester aus und sammeln eifrig Äste und Zweige als Nistmaterial. Die Nester liegen teilweise so nah beieinander, dass es beim Anflug schon mal zu kleineren Nachbarschaftsstreits kommen kann. Neben der Reiherkolonie sitzen majestätisch die einzigen Wasservögel am Teich, die den ganzen Trubel unbeteiligt an sich vorübergehen lassen: die Kormorane. Die großen schwarzen Vögel mit dem langen Hakenschnabel überwintern lediglich hier und haben keinen Stress ums Brutgeschäft. In ein paar Wochen werden sie abziehen und genießen bis dahin den Fischreichtum des großen Teichs, auch wenn die Nachbarschaft momentan ein bisschen lauter ist.

Auf und rund um den großen Teich im Bad Nauheimer Kurpark ist zurzeit einiges los. Die Suche nach dem besten Nistplatz sorgt für allerlei Scherereien, auch unter Kanadagänsen (oben). »Luftangriffe«, wie der eines Grauganters (unten, r.), sind keine Seltenheit. Etwas ruhiger geht es bei den Graureihern zu, die gerade ihr Nest bauen.

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