Der historische Kurpark Bad Homburg: Die Umstellung auf eine naturnahe Grünflächenpflege beschenkt Menschen und Insekten mit einer Blütenpracht. 	FOTO: PV
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Der historische Kurpark Bad Homburg: Die Umstellung auf eine naturnahe Grünflächenpflege beschenkt Menschen und Insekten mit einer Blütenpracht. FOTO: PV

Hotspots der Artenvielfalt

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Bad Nauheim (pm). Die zunehmende Naturentfremdung führe dazu, dass nicht wenige auch im Freien alles »ordentlich und sauber« haben wollten: regelmäßig kurz geschorener Rasen, schlimmstenfalls »Schottergärten« mit Plastik-/Vlies-Unterlage. Etwa 40 Mitglieder und Interessierte folgten gebannt dem Vortrag »Mehr Natur in der Stadt« von Dr. Stefan Nawrath im Alten Rathaus. Anlass war die Jahreshauptversammlung der BUND-Gruppe Bad Nauheim-Friedberg.

Nawrath zeigte zunächst anhand aktueller Studien sowie eigener Beobachtungen die globale und lokale Dimension des Niederganges der biologischen Vielfalt auf. Das Artensterben sei für die Menschheit von ähnlich hoher Bedeutung wie die Klimakrise. Durch die rege Bautätigkeit sind auch die Gemeinden Mitverursacher des Artenrückgangs und stehen daher in der besonderen Verantwortung, dem entgegenzuwirken.

Im Hauptteil des Vortrages wurden Chancen aufgezeigt, wie man auf urbanen Grünflächen der Natur helfen kann. Sehr große Naturgewinne erziele man, wenn man Vielschurrasen mit jährlich bis zu 18 Schnitten, in Blumenrasen mit fünf Schnitten oder Blumenwiesen mit ein bis zwei Schnitten umwandelt.

Vorstand bestätigt

Derartige Grünflächen entwickeln sich zu Hotspots der Artenvielfalt, von der insbesondere die Insekten profitieren. Die aktuell in der politischen Abstimmung befindliche Neuauflage des Parkpflegewerkes verspiele laut Nawrath leider die Chance auf einen Paradigmenwechsel zu einer naturnäheren Grünflächenpflege.

Weiterhin soll der Großteil der Parkfläche naturverödeter Vielschurrasen bleiben. Als Vorbilder könnten der historische Kurpark von Bad Homburg oder der Palmengarten dienen, die eine naturnahe Grünflächenpflege umgesetzt haben, zum großen Gefallen der Besucher. Leider sei das Pflegekonzept des alten Parkpflegewerkes von 1993, das schon ausgedehnte Blumenwiesen vorsah, nie umgesetzt worden. Vielschurrasen sei auch aus gartendenkmalpflegerischen Gesichtspunkten abzulehnen, da er gegen den Geist der Landschaftspark-Idee verstoße. Sich vor dem Hintergrund der Biodiversitätskrise für eine naturnahe Grünflächenpflege zu bekennen, wäre ein Signal für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung, die neben der Gesundheit des Menschen auch die Gesundheit der Natur im Blick habe.

Nach dem Vortrag fand die eigentliche Jahreshauptversammlung der Ortsgruppe statt. Stephan Hübner berichtete über die zahlreichen Aktivitäten im vergangenen Jahr, und Martin Düvel legte den Kassenbericht vor. Hannah Roos stellte die geplanten Aktivitäten der BUNDjugend vor. Stephan Hübner, Martin Düvel und Stefan Nawrath wurden erneut für den Vorstand gewählt, ergänzt durch Andrea Neudeck und Isabel Rusch-Hübner als Beisitzerinnen.

Das nächste öffentliche Treffen der BUND-Gruppe findet am Mittwoch, 18. März, von 20-22 Uhr wieder im Alten Rathaus statt. Interessierte sind willkommen.

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