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Im Rahmen der Klinikerweiterung wird auch auf dem Parkplatz des Hochwaldkrankenhauses gebaut. Für Empörung bei Beschäftigten sorgt die 50-prozentige Erhöhung des Tagesticket-Preises.

Krankenschwester empört

Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim: Verwirrspiel um Parkplatz – Tagesticket steigt deutlich

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Die „Corona-Helden“ durften 2020 den Parkplatz der Hochwaldklinik Bad Nauheim lange kostenfrei nutzen. Doch damit ist es vorbei. Plötzlich kostet die Tageskarte auch nicht mehr 4, sondern 6 Euro.

Bad Nauheim – Die Empörung ist Filomena Reifschneider anzuhören. »Meine Kollegen und ich sind fassungslos. Jetzt sollen wir für das Tagesticket nicht mehr 4, sondern 6 Euro zahlen. Und das mit unseren Gehältern«, sagt die Krankenschwester des Bad Nauheimer Hochwaldkrankenhauses. Sie nennt das Beispiel einer alleinerziehenden Mutter aus Steinfurth, die Problem habe, ihre kleine Familie durchzubringen. »Wenn diese Kollegin 20 Dienste im Monat hat, muss sie für die Parkplatz-Tagestickets 120 Euro zahlen - das kann sie nicht aufbringen«, sagt Filomena Reifschneider.

2020 seien die Pflegekräfte noch als »Helden« gefeiert worden, deren Arbeitsbedingungen dringend verbessert werden müssten. Im konkreten Fall der Parkgebühren geschehe genau das Gegenteil. »Das ist skandalös«, sagt die Krankenschwester, die nach eigenen Angaben im Namen vieler Kolleginnen und Kollegen spricht. Die Erhöhung um 50 Prozent - von 4 auf 6 Euro - sei nicht angekündigt worden. Eine Schwester im Spätdienst sei verwundert gewesen, als sie 4 Euro eingeworfen habe, der Schein aber nur eine Parkzeit bis 20 Uhr auswies.

Parken am Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim: Wer ist zuständig?

Ein alternatives Stellplatz-Angebot, das bezahlbar und nahe genug sei, sieht Filomena Reifschneider nicht. In der Umgebung des Krankenhauses sei alles zugebaut, sämtliche Stellplätze an den Straßen seien stets belegt. 2020, als auf dem Klinik-Parkplatz keine Gebühren verlangt worden seien, weil ohnehin keine Besucher kommen konnten, hätten dort viele Anlieger ihr Auto abgestellt - ohne Rücksicht auf die »Corona-Helden«. Die allermeisten Beschäftigten seien auf den Pkw angewiesen, viele wohnten nicht in Bad Nauheim. Der ÖPNV binde die Klinik nicht vernünftig an.

Was sagen die Verantwortlichen zu den Vorwürfen des Pflegepersonals? Zunächst muss geklärt werden, wer überhaupt zuständig ist. Wie Erster Stadtrat Peter Krank nach Rücksprache mit einem Mitarbeiter erklärt, sei der Parkplatz bis Ende 2020 von der Wohnungsbau-Gesellschaft verwaltet worden. Seit 2021 sei allerdings das Gesundheitszentrum Wetterau (GZW) Betreiber. Um die Verwirrung komplett zu machen: Diese Änderung des Besitzverhältnisses ist in der städtischen Parkgebühren-Ordnung nicht abgebildet.

Die WZ-Anfrage wird also von GZW-Pressesprecherin Hedwig Rohde beantwortet. »Die Beschwerden sind grund- und haltlos. Die Großzügigkeit der Stadt mit dem Angebot kostenlosen Parkens für die Pflegekräfte während der Pandemie im vergangenen Jahr zahlt sich nun dahingehend aus, dass manche dies gerne zum Dauerzustand machen möchten«, schreibt Rohde. Es gebe auch in diesem Fall keinen Grund, »Corona als Ausnahmezustand in sämtlichen Themen des Alltags weiterhin zu beschwören«.

Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim: Verweis auf Mitarbeiter-Parkplatz

Der große Parkplatz östlich der Klinik, für den die Preise jetzt erhöht wurden, ist nach Aussage der Pressesprecherin »erklärtermaßen« ein Angebot für Besucher und ambulante Patienten. Rohde: »Er ist ausdrücklich nicht für Dauerparker vorgesehen.« Das Tagesticket werde gleichwohl offeriert, damit das Parken für Patienten mit langer Aufenthaltszeit nicht zu teuer werde.

Beschäftigte des Krankenhauses könnten Stellplätze mieten, in der Tiefgarage am Facharztzentrum für 100 Euro im Monat oder auf einem kleinen Parkplatz nordwestlich des Klinik-Hauptgebäudes. Dort stehen laut Rohde 60 Plätze zur Verfügung, für die 35 Euro im Monat fällig werden. Wer dort sein Auto abstelle, ohne zu zahlen, werden seit 1. April abgeschleppt. Rohde sieht für Mitarbeiter durchaus Alternativen zum Besucher-Parkplatz der Klinik. Etwa das Parkdeck Schwalheimer Straße, das »nur wenige Fußminuten« entfernt sei.

Der Mitarbeiter-Parkplatz soll allen Angestellten zur Verfügung stehen? Davon, so Filomena Reifschneider, sei den Pflegekräften nichts bekannt. Der Platz werde von Labor-Mitarbeitern und Ärzten genutzt. »Ich kenne keine Schwester und keinen Pfleger, der dort parkt.« Die 60 Plätze reichten bei weitem nicht aus, um den Gesamtbedarf zu decken. Die Tiefgaragen-Preise seien für Pflegekräfte ebenfalls zu teuer.

Bad Nauheim: Falscher Preis in Gebührenordnung

Mitte vergangenen Jahres hatte das Stadtparlament eine neue Parkgebührenordnung für alle bewirtschafteten öffentlichen Stellplätze in Bad Nauheim beschlossen. Die Reform trat zum 1. Januar 2021 in Kraft. Hauptziel war eine Vereinfachung, die Zahl der Parkzonen in der Kernstadt wurde auf vier reduziert. In dieser neuen Gebührenordnung taucht in Zone 3 nach wie vor der Parkplatz am Hochwaldkrankenhaus auf - mit einer falschen Preisangabe von 4 Euro für das Tagesticket (Höchstparkdauer: 24 Stunden). Damit wurde auf diesem Gelände 1 Euro mehr verlangt als auf den übrigen Großparkplätzen im Stadtgebiet, wo die Tageskarte nur 3 Euro kostet. Tatsächlich werden vom GZW seit Kurzem sogar 6 Euro verlangt.

Eigentlich müsste dieser Parkplatz aus der Gerbührenordnung gestrichen werden, weil der Platz seit Jahresbeginn vom GZW verwaltet wird, also »privatisiert« wurde. Die Stadt hat keinen Einfluss mehr auf Tarife und Parkzeiten. Laut GZW-Pressesprecherin Hedwig Rohde hat das Gesundheitszentrum den Parkplatz von der städtischen Wohnungsbau-Gesellschaft übernommen, weil auf dem Gelände Bauarbeiten im Zuge der Krankenhaus-Erweiterung notwendig und bereits im Gange sind. Zu diesen Vorhaben gehört auch die Errichtung eines zusätzlichen Parkdecks, das die Stellplatz-Kapazitäten deutlich erweitern wird.

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