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An der Ecke Söderweg/Am Deutergraben entsteht ein Hochhaus. Eine Maßnahme, die nicht allen Anwohnern gefällt.

Hochhaus-Bau: Anwohner befürchtet Chaos

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Bad Nauheim(ihm). Ein Kran ragt in den Himmel, an der Ecke Söderweg/Am Deutergraben in Bad Nauheim wird gebaut. Entstehen soll ein achtstöckiges Hochhaus, was Anwohner Klaus Nikolai ganz und gar nicht gefällt. Aufmerksam hörte er in der jüngsten Sitzung des städtischen Bauausschusses nun zu, als das Projekt zur Sprache kam. Im Vorfeld hatte Nikolai E-Mails an alle Fraktionen versandt und vier Punkte moniert: Baumfällungen, Parksituation im Viertel, Stadtbild und Straßenschäden durch Baufahrzeuge. Zufrieden war er am Ende nicht.

19 Wohnungen und eine Tiefgarage

"Sachstandsbericht" stand auf der Tagesordnung, Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) lieferte ihn. "Es ist eine private Baumaßnahme, die der Wetteraukreis im Februar 2018 genehmigt hat", erläuterte er. Ziel sei es, die bestehende Wohnanlage zu erweitern, dies mit 19 Wohnungen und einer Tiefgarage. Das Projekt basiere auf dem Bebauungsplan "Am Söderweg", der Gebäude mit bis zu acht Etagen vorsehe.

"Laut unserer städtischen Stellplatzsatzung müssen 1,5 Parkplätze pro Wohnung auf dem Grundstück errichtet werden. Für 19 Wohneinheiten sind es 29 Stellplätze." Der größere Teil werde unter-, der kleinere oberirdisch angelegt. Kreß streifte das Thema Baumfällungen, dafür habe die Untere Naturschutzbehörde des Wetteraukreises eine Genehmigung erteilt. "Und sollte es zu Straßen- oder anderen Schäden kommen, haftet der Vorhabenträger."

Benjamin Pizarro (FDP) hakte nach, ob die Stadtverwaltung keine Bedenken wegen der Parksituation in dem Viertel habe. Bürgermeister Kreß erwiderte, lediglich dargelegt zu haben, was rechtlich bindend sei, basierend auf B-Plan und Stellplatzsatzung.

Anwohner Nikolai lebt nur ein paar Häuser von dem Bauprojekt entfernt. "Es geht vielen Menschen im Viertel gegen den Strich", sagte er der WZ. Ihm gefalle nicht, dass der Bauausschuss nicht diskutiert habe, offenbar es ein heißes Eisen sei. "Die Bad Nauheimer sind mehr oder weniger gezwungen hinzunehmen, was die Gremien entscheiden", beklagt Nikolai. Das könne es nicht sein, weshalb er den Bebauungsplan einsehen wolle. "Ich möchte wissen, wer alles ein achtgeschossiges Haus in dem Viertel machen kann." Die Wohngegend gehe langsam den Bach runter, wie er finde. "Und die Parksituation ist eine Katastrophe, bedingt durch die Hochhäuser." Wie Nikolai schildert, sei er deshalb bei Kreß gewesen, wobei der ihm zugestimmt habe. "Nun soll im Zuge der Mobilitätswende auch noch ein Automat auf dem Parkplatz des Usa-Wellenbads errichtet werden. Das gibt ein Chaos", befürchtet Nikolai. 1,5 Stellplätze seien zu knapp, besonders ab 16 Uhr sei dort kaum etwas zu finden. Wer verdichte, müsse auch für genügend Parkraum sorgen. "Ich war nie politisch aktiv, aber es geht mir auf den Keks, was dort in den letzten 40 Jahren abgeht. Das Viertel wird runtergewirtschaftet", sorgt sich der Mann. Seiner Meinung nach wüssten die Parlamentarier das auch - "ich glaube, die haben ein bisschen ein schlechtes Gewissen".

Über die Baumfällungen habe sich seine naturliebende Nachbarin sehr aufgeregt, angeblich seien die Gewächse morsch gewesen, aber das sei teilweise nicht nachweisbar. Die Frau habe eine Unterschriftenaktion gestartet, Nikolai half ihr. 50 Bürger hätten unterzeichnet, die Nachbarin habe die Liste am 30. April im Rathaus abgegeben. "Bei großen Bauprojekten sollten die Anwohner informiert werden", unterstreicht der Bad Nauheimer. Seiner Ansicht nach wird der B-Plan "bis zum Geht-nicht-mehr" ausgereizt. "Nur weil etwas da drinsteht, muss man es nicht hinnehmen. Was dort entsteht, ist nicht zeitgemäß." Die Straßenschäden sind laut dem Anwohner "eklatant", es werde einseitig geparkt, die Lkw seien bis zu den Randsteinen gefahren.

"Die Emotion kann ich nachvollziehen", sagte Bürgermeister Kreß der WZ. Aber rechtlich sei das Projekt nicht angreifbar. "Die Messe ist gelesen." FOTO: IHM-FAHLE

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