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Herzchirurgie der Kerckhoff-Klinik: Neuer Chef, zusätzliche Geschosse

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Bad Nauheim (nbu). Die Nachfolge ist geregelt: Prof. Thomas Walther hat  die Leitung der Abteilung für Herzchirurgie an der Kerckhoff-Klinik übernommen. Er löst Prof. Wolf-Peter Klövekorn ab, der in den Ruhestand getreten war. Durch die Neubesetzung und eine bauliche Erweiterung der Klinik soll das interdisziplinäre Leistungsspektrum weiterentwickelt werden. Auch stehen 16 Millionen Euro teure Neubaupläne an, mit deren Realisierung im März begonnen wird.

Walther ist Spezialist für Herz-, Aorten- und Transplantationschirurgie. Bislang war der 44-Jährige am Herzzentrum des Universitätsklinikums Leipzig tätig, das er »vom ersten Tag an mit aufgebaut« hat. Zuletzt hatte er dort die Funktion des Leitenden Oberarztes inne. Dem Ruf nach Bad Nauheim ist Walther vor allem aus zwei Gründen gefolgt. Zum einen reizte ihn der »bekanntermaßen hohe Qualitätsstandard der Kerckhoff-Klinik«, zum anderen sieht der Herzchirurg hier optimale Voraussetzungen für eine interdisziplinäre Betreuung der Patienten. Eine enge Verzahnung der Abteilungen kennt und schätzt er bereits aus Leipzig.

Auch der Ärztliche Direktor der Kerckhoff-Klinik, Prof. Christian Hamm, betonte die Bedeutung einer fächerübergreifenden Behandlung der Patienten: »Klare Abteilungsgrenzen sind nicht mehr da.« Die Berufung Walthers zum Chefarzt stehe für die Neuausrichtung als Transplantations-Zentrum und sei »ein wichtiger Moment für die Kerckhoff-Klinik«. Seit der Wiederaufnahme der Transplantationen 2007 konnten laut Hamm umfassende Erfahrungen in diesem komplexen Feld gewonnen werden. Nun soll Walther beim Ausbau des Zentrums mitwirken.

16-Millionen-Investition

Dafür ist eine bauliche Erweiterung der Klinik erforderlich. Wie der kaufmännische Geschäftsführer Ulrich Jung erläuterte, soll der Verbindungsteil zwischen chirurgischem und internistischem Trakt von zurzeit zwei auf fünf Geschosse aufgestockt werden. Geplant sind zwei neue, hochmoderne Operationssäle: »Ein Transplantations-OP sowie ein Hybrid-OP, in dem sich neben der üblichen Ausstattung eines herzchirurgischen Reinluft-OPs zusätzlich ein kardiologischer Herzkatheterplatz mit Röntgenanlage befindet.« Zudem soll ein interdisziplinärer Intensivbereich entstehen, der sowohl von Kardiologie wie von Herzchirurgie genutzt werden kann. So entstünden Synergien. »Damit wird die Kerckhoff-Klinik über die größte und leistungsfähigste Intensivpflegeeinheit Hessens verfügen«, sagte Jung. Die Erweiterung der Transplantationskapazitäten sei in Hessen absolut notwendig, da der hohe Bedarf zurzeit nicht gedeckt werden könne. Deshalb unterstütze das Land die Entwicklung des Zentrums an der Kerckhoff-Klinik und habe Mittel in Höhe von 13 Millionen Euro zugesichert. Insgesamt soll der Neubau knapp 16 Millionen Euro kosten. Baubeginn wird laut Jung im März sein, die Fertigstellung soll im Frühjahr 2011 erfolgen.

Organspender gesucht

Aus Sicht von Chefarzt Walther schaffen die geplanten Neuerungen ideale Voraussetzungen für die Arbeit auf seinem Spezialgebiet, der minimalinvasiven Herzchirurgie. Das bedeutet operative Eingriffe mit kleinen Schnitten, nach denen der Patient schnell wieder auf den Beinen ist. Auch Operationen am schlagenden Herzen zählen zu Walthers besonderen Qualifikationen. Der Professor appellierte an die Menschen, sich zur Organspende bereit zu erklären. Die Zahlen der Spender und Transplantationen seien dramatisch rückläufig, und Hessen liege im bundesweiten Vergleich an letzter Stelle.

Die Bereitschaft zur Spende müsse dringend steigen, denn der Bedarf sei doppelt so hoch wie die Zahl der Spenden. Alternativ zur Transplantation werde die Einsetzung künstlicher Herzen weiterentwickelt. An der Kerckhoff-Klinik sei ein solcher Eingriff bereits einige Male erfolgt. Walther ist sicher: »In ein paar Jahren machen wir das routinemäßig.«

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