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Unter der Rotbuche sind die Seniorinnen und Senioren kräftig am Singen.

Herbeigesehnte Singstunden

  • VonHarald Schuchardt
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Bad Nauheim (har). Für gut 70 Bewohnerinnen und Bewohner des Diakoniewerks Elisabethhaus ist der Donnerstag ein ganz besonderer Tag in der Woche. Dann kommt Chorleiter Hermann Jung in die Senioren- und Pflegeeinrichtung, um eine Stunde mit den Menschen zu singen. »Manche Bewohner fragen freitags schon, wann wieder Donnerstag sei und sie singen können«, erzählt Hausleiterin Marion Gerland, die selbst Sängerin ist.

»Ich freue mich so sehr, dass wir das Singen anbieten können. Unsere Bewohner werden so gefördert, aber auch gefordert.«

Jung ist auch in anderen Orten aktiv

Wie beliebt das Singen ist, sieht man bereits 20 Minuten vor Beginn der Singstunde, die um 15.30 Uhr startet: Die ersten Bewohner kommen schon auf den Platz unter der großen Rotbuche in der Nähe des Eingangs zum Diakoniewerk in der Zanderstraße. Dort findet nach der langen Lockdown-Pause die Singstunde statt, natürlich nur bei schönem Wetter. »Wir hoffen, dass wir bald wieder im großen Saal des Elisabethhaus singen können«, sagt Chorleiter Hermann Jung, der vor acht Jahren die Idee zum Singen in Senioren- und Pflegeheimen gehabt hat.

Neben der Singstunde im Elisabethhaus geht er einmal pro Woche in Einrichtungen in Bisses und Wölfersheim, um mit der Seniorenschar zu singen. »Sie sind mit dem ganzen Herzen dabei,« freut sich der 70-Jährige, der einst fünf Chöre dirigiert hat; derzeit sind es mit den Chören in Schwalheim und Petterweil noch zwei.

Das Singen in den Senioreneinrichtungen macht Jung besonders viel Spaß. »Ich bekomme so viel zurück«, sagt der Södeler, der die Teilnehmer mit einigen bekannten Melodien, die er auf seinem Keyboard spielt, auf die Singstunde einstimmt. Noch während der Begrüßung und der ersten beiden Lieder kommen weitere Bewohner, oft im Rollstuhl oder mit Gehhilfe, wobei sie bei der Platzsuche von vier Betreuerinnen unterstützt werden.

»Wir fangen mit einem Kanon an, den sie alle kennen«, sagt Jung und stimmt »Bruder Jakob« an. Nach der ersten Strophe sagt der Chorleiter: »Jetzt müssen Sie alleine singen.« Er gibt den Einsatz für die erste Gruppe. Das klappt bestens, nicht zuletzt, weil einige Sängerinnen und Sänger in einem Chor gesungen haben. So wie Heinz Wagner, der in der Sängergemeinschaft Dorheim aktiv gewesen ist. »Wir kommen jeden Donnerstag. Ich bin immer da«, sagt der 91-Jährige. Neben ihm sitzt die gleichaltrige Christel Raabel, die in Rödgen gewohnt hatte, bevor sie ins Elisabethhaus gezogen ist: »Ich habe früher in keinem Chor gesungen, aber das hier mit Hermann Jung macht richtig Spaß.«

Derweil verteilen die Betreuerinnen das nächste Textblatt für den »Jäger aus Kurpfalz«. Heinz Wagner schaut kaum aufs Blatt, da er das Volkslied schon unzählige Male gesungen hat. »Wir wollen es hier gemütlich haben«, sagt Jung und stimmt »Lustig ist das Zigeunerleben« an. »Net so viel schwetze«, sagt Wagner, als die Betreuerinnen nicht mitbekommen, dass sie das nächste Liedblatt austeilen sollen. Alle lachen, die Stimmung ist prächtig.

Auch Mitarbeiter sind gerne dabei

Auch die vier Betreuerinnen singen mit. »Das ist so eine schöne Sache und für alle eine willkommene Abwechslung«, freut sich Maria Kozlowska, die an diesem Nachmittag zusammen mit ihren Kolleginnen Jenny Berghold, Katarzyna Stasz und Bozena Rozanka die Gruppe betreut und mit Mineralwasser versorgt. »Unser Betreuungsteam besteht aus 43 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, und zum Singen wollen sie fast alle«, erläutert Marion Gerland.

Mit »Der helle Stern«, bekannt auch als »Böhmischer Traum«, hat Chorleiter Jung ein neues Lied mitgebracht, Auch wenn viele die Polka nicht kennen, klappt das Singen sehr gut. Nach der ersten Strophe ist aber Schluss. »Wir wollen es ja nicht übertreiben«, sagt Hermann Jung.

Doch schließlich gibt er dem Drängen einer Bewohnerin nach und spielt spontan das Lied »Kornblumenblau«. Da freuen sich alle, singen mit, und es gibt Beifall für Jung, der mit »Schöne Stunden« das Ende der Singstunde einleitet. Für die Seniorinnen und Senioren ist das gemeinsame Singen tatsächlich eine schöne Stunde.

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