Durch die Corona-Krise fallen im Bad Nauheimer Kurbetrieb Einnahmen weg, Ausgaben gibt es aber weiterhin.	FOTO: PM
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Durch die Corona-Krise fallen im Bad Nauheimer Kurbetrieb Einnahmen weg, Ausgaben gibt es aber weiterhin. FOTO: PM

Heilbäderverbände fordern: Kurorte stärken

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Bad Nauheim (pm). Umfassende Maßnahmen zum Erhalt deutscher Heilbäder und Kurorte - so laute die gemeinsame Forderung des Hessischen und des Deutschen Heilbäderverbands, heißt es in einer Pressemitteilung der Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH. Die Initiative stoße in Bad Nauheim auf offene Ohren, stehe die Kurstadt doch selbst gerade auch vor der Herausforderung, die Corona-Krise zu bewältigen.

»Das von den Heilbädern geforderte Rettungspaket soll eine Soforthilfe für kurörtliche Unternehmen ebenso beinhalten wie eine Pauschalförderung für die durch die Corona-Pandemie entstandenen Mindereinnahmen«, schreibt das Stadtmarketing. »Wir können und wollen einen Beitrag zur Bewältigung der Pandemie leisten«, wird der Vorsitzende des Hessischen Heilbäderverbandes, Michael Köhler, zitiert. »Dazu müssen die Heilbäder und Kurorte als systemrelevanter Teil des Gesundheitswesens gesichert werden.«

Bürgermeister Klaus Kreß verweist auf die Bedeutung Bad Nauheims im Kampf gegen die Pandemie: »Wir bringen eine unverzichtbare medizinisch-therapeutische Kompetenz mit, das betrifft die Prävention, aber vor allem auch die Rehabilitation. Die Folgen einer Corona-Erkrankung reichen schließlich von psychischen Belastungen bis hin zu notwendigen kardiologischen Behandlungen. Mit dem Kerckhoff-Campus verfügen wir über ein Zentrum für Herz-, Lungen-, Gefäß- und Rheumaerkrankungen, das in der Region und darüber hinaus einzigartig ist.«

Fehlende Kurtaxe reißt großes Loch

Durch die im März angeordnete Schließung der kurspezifischen Einrichtungen seien gerade die Heilbäder und Kurorte in Hessen sehr stark betroffen, schreibt das Stadtmarketing. Wie viele andere Kurstädte leide Bad Nauheim unter leer stehenden Reha-Kliniken und fehlenden Einnahmen aus Kurbeiträgen und Umsätzen. »Während die Kosten für die Instandhaltung und Pflege der Kureinerichtungen quasi unvermindert weiter laufen, gehen die Erlöse zurück,« erläutert Steffen Schneider, Leiter des Kur- und Servicebetriebs. »Allein bei den Einnahmen durch die Kurtaxe sprechen wir hier von bis zu 100 000 Euro im Monat.«

Die Corona-Krise treffe auch Bad Nauheimer Kliniken hart, heißt es weiter in der Pressemitteilung. Das Aussetzen der elektiven Eingriffe zur Bekämpfung des Coronavirus habe direkte Auswirkungen auf die Anzahl der Anschlussheilbehandlungen und Rehabilitationen. Mangels Belegung stehe bei den meisten Kliniken Kurzarbeit oder sogar die temporäre Schließung an.

Was leer stehende Kliniken für Bad Nauheim bedeuten, wird beim Anblick der Übernachtungszahlen deutlich: »Drei Viertel der Übernachtungen in gewerblichen Betrieben finden innerhalb unserer Kliniken statt« erklärt Bürgermeister Kreß. »Diese fehlende Personengruppe spüren darüber hinaus auch der Einzelhandel, sämtliche Dienstleister und das Gastgewerbe in unserer Stadt.«

In Anbetracht der erheblichen Auswirkungen halten die Heilbäderverbände neben dem Rettungspaket außerdem ein maßvolles, alle Schutz- und Hygieneanforderungen umfassendes »Hochfahren« sämtlicher Kureinrichtungen für dringend notwendig. Nur so ließen sich die unterschiedlichsten Einrichtungen dauerhaft finanzieren und Insolvenzen abwenden. Deshalb solle auf Vorschlag des Deutschen und des Hessischen Heilbäderverbandes die Soforthilfe der Bundesregierung auch auf die kommunalen Kurorte-Unternehmen ausgedehnt werden.

Zudem müsse der Wegfall der Kurtaxe komplett ausgeglichen und der Umsatzsteuersatz für kurörtliche Gesundheitseinrichtungen auf sieben Prozent gesenkt werden. Darüber hinaus sollen, so die Forderung, KfW-Kredite zinslos mit einer Laufzeit von über zehn Jahren auch für kurörtliche Unternehmen und Einrichtungen bereitgestellt werden.

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