Ein Hauch von Fernost auf Löw-Äckern

Bad Nauheim-Steinfurth (ihm). Seit 2003 läuft in Steinfurth das japanische Shumei-Projekt. Kennzeichen ist die natürliche Anbauweise von Gemüse ohne Dünger und Spritzmittel. Standort ist der Hof von Freifrau Heinke von Löw, die vor etwa zehn Jahren mit der Shumei-Idee in Kontakt kam. Wer sich für das Projekt interessiert, kann es bei Wildkräuter-Führungen über die Felder kennenlernen.

Ami Simon ist begeistert. "Du hast so schöne Sachen eingepackt. Ich habe Weißkohleintopf gekocht", lobt sie David Earl James von der Shumei-Farm. Deren naturbelassene Erzeugnisse bezog die Bad Nauheimerin vor kurzem erstmals. Bei der Friedberger Gesundheitsmesse hörte sie von dem Projekt in Steinfurth, ging zu einer Wildkräuterführung mit. Sie ist begeistert, nimmt nun bereits zum zweiten Mal teil. An jedem zweiten, dritten und vierten Samstag im Monat um 15 Uhr – ab November steht der Turnus noch nicht fest – werden die Rundgänge übers Shumei-Feld organisiert.

Mehrere Interessenten haben sich eingefunden. Nur ein kleines Stück außerhalb des Rosendorfs liegt das Grundstück, ganz nah an den Bahngleisen. "Zuerst bewirtschafteten wir nur einen halben Hektar, mittlerweile sind es zweieinhalb", erzählt James den Gästen. Alles begann, als er nach Steinfurth auf den Hof von Löw zog. Er stammt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten, studierte Philosophie. Das Interesse für Hegel führte ihn nach Deutschland. "Ich lebte lange in Freiburg, probierte dort biologischen Gartenbau aus." 1992 – er verlegte den Wohnsitz damals nach Frankfurt – stellte er seine Ernährung um. "Seither habe ich mein Interesse vertieft."

2001 lernte er die japanische Shumei-Anbaumethode kennen, trat dem Verein Shinji Shumeikai Deutschland bei. Das Besondere: Dünger und Spritzmittel werden nicht verwendet, zudem wird eigenes Saatgut produziert. Fruchtfolgen wie es im Gemüseanbau sonst üblich ist, gibt es nicht. "Wir haben jedes Jahr wieder die gleiche Frucht auf einem Feld", sagt James. Das Prinzip funktioniere: "Ich habe in Japan Felder gesehen, die 40 Jahre in derselben Weise bewirtschaftet wurden. Das waren gesunde Kulturen. Es gab zwar Schädlinge, aber die konnten nicht so viel ausrichten."

Vorreiter in Europa

Das Steinfurther Shumei-Projekt war das erste seiner Art in Europa. Mittlerweile gibt es Gleiches auch in Italien, England und der Türkei. Im Rosendorf fiel der Startschuss, als James einen Kontakt zwischen Heinke von Löw und Shumei herstellte. Die Freifrau engagiert sich schon immer für den biologischen Landbau. Sie reiste sogar nach Japan, um die Sache kennenzulernen. Begeistert war sie, wie sie gegenüber der WZ bestätigte, verpachtete einen Teil ihres Lands für diese Zwecke. Der Japaner Mitsuo Saito kam 2003 nach Steinfurth, setzte sich ein Jahr lang intensiv mit der deutschen Sprache auseinander und begann, das Projekt zu leiten.

"2004 fingen wir mit dem Anbau an", blickt James zurück. Zwei Mitarbeiter, ebenfalls aus Japan, bestellen das Land zusammen mit Saito. James ist im Vertrieb aktiv. Er versendet Angebotslisten per E-Mail, liefert die Bestellungen an Haushalte aus. Man kann die Waren auch auf dem Hofgut abholen (dienstags 11 bis 13 Uhr und 17 bis 18 Uhr).

"Ihr benutzt überhaupt keinen Dünger? Das ist toll", hebt ein Mann aus der Besuchergruppe hervor. James nickt, erzählt auch von der einen oder anderen Schwierigkeit. "Man sagte mir, das neunte Jahr sei das Schlimmste. Das neunte Jahr haben wir: Es stimmt." Eine Missernte bei den Hokkaido-Kürbissen, nur wenige Tomaten. Die Qualität sei aber unübertrefflich. "Es gibt Leute, die sagen: Nur noch diese Kartoffeln." Ami Simon kann das bestätigen, sie rühmt die Radieschen. "Richtig scharf, wo kriegt man das noch?"

Birgit Ungar kommt. Eine befreundete Agrar-Ingenieurin aus Münzenberg. Sie zeigt die Wildkräuter, die hier wachsen dürfen. Die Brennnessel etwa. "Eine wertvolle Pflanze, die verkannt wird." Ein nährstoffreiches Wildgemüse mit vielen Vitaminen. Ungar liefert Erklärungen zu Berberitzen, Beinwell, Hopfen, Habichtskraut und einer Fülle weiterer Sorten. Mehrere Teilnehmer des Rundgangs gehen regelmäßig mit. Sie erfahren immer wieder Neues und können Kräuter pflücken. Mitsuo Saito schaut auch kurz vorbei. Zusammen mit einem japanischen Mitarbeiter erntet er Möhren. Riesig groß sind sie, im Supermarkt dürfte man lange so etwas suchen.

Kontakt gibt es unter Telefonnummer 0 60 32/9 49 31 83 und unter der E-Mail-Adresse DavidEarlJames@gmail.com.

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