Barbara Haas (r.) und ihrer Mitarbeiterin Carmen Höning vom Holiday-Land-Reisebüro machen sich große Sorgen um die Zukunft der Reise-Branche.
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Barbara Haas (r.) und ihrer Mitarbeiterin Carmen Höning vom Holiday-Land-Reisebüro machen sich große Sorgen um die Zukunft der Reise-Branche.

Corona-Krise

So hart trifft die Corona-Krise Wetterauer Reisebüros

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Die Reisebranche ist offenbar heftig von der Corona-Krise betroffen. Führungskräfte von Reisebüros in Friedberg und Bad Nauheim schlagen Alarm.

Barbara Haas redet schnell und lebhaft. Die aktuellen Probleme ihrer Branche lassen die Geschäftsführerin des Reisebüros Holiday Land in Friedberg alles andere als kalt. »Viele Kunden wissen gar nicht, wie es um die Reisebüros steht«, erklärt sie. Aktuell arbeite sie gratis. »Trotz geschlossener Türen sind wir täglich für die Kunden da, die alle besorgt und verunsichert sind. Wir sind täglich per Telefon, WhatsApp und E-Mail erreichbar.«

Traurig, frustrierend und emotional sehe momentan der Büroalltag aus, denn ihre Branche kommt nach Ansicht von Haas als letztes wieder auf die Beine. »Bis wir wieder eine Reise verkaufen dürfen, wird es noch lange dauern.« Denn die Bürger seien vielfach in Kurzarbeit, worauf sich anschließend frage, ob sie überhaupt noch Geld für eine Reise haben. »Viele nehmen auch aktuell Urlaub, um die Kinder zu betreuen - wie sieht es danach mit Resturlaubstagen aus?« Bis zum 30. April seien alle Reisen der großen Veranstalter abgesagt. Diese behielten die Provision ein oder forderten sie wieder zurück. »Wir verdienen nichts für bisher geleistete Arbeit, und für die Arbeit, die wir jetzt leisten - die Rückabwicklung - bekommen wir wieder nichts.« Die Lage sei existenzbedrohend für ihr Geschäft, sie sei aber trotzdem zuversichtlich, es dank ihrer treuen Stammkunden zu überstehen.

Corona-Krise Wetterauer: Reisefreiheit gebe es nicht mehr

Manuela Jakobi-Stamm sieht traurig aus, zahlreiche Akten liegen vor der Inhaberin des Reisebüros Sonnenklar in Bad Nauheim. Ihr Eindruck ist, dass die Öffentlichkeit nicht wahrnimmt, wie stark die Reisebranche getroffen ist. »Ich weiß nicht, ob all unseren Mitmenschen und Politikern klar ist, wie es ist, wenn wir nicht mehr da sind«, gibt sie zu bedenken.

Es werde eine harte Landung für die Tourismus-Branche, selbst große Fluggesellschaften wüssten nicht mehr, wie es weitergeht. »Diesen Beruf übe ich jetzt 32 Jahre aus und habe schon viel mitgemacht. Ich dachte, es wird schlimm, aber konnte mir dieses Ausmaß zu keiner Zeit vorstellen. Der Virus infiziert Menschen und Unternehmen, so dass die gesamte Gesellschaft, die ganze Welt, davon betroffen ist.« Die Reisefreiheit, die alle Menschen schätzten, gebe es nicht mehr. Das Ungewisse sei belastend, denn es sei vollkommen unklar, wie es weitergeht. »Andere Geschäfte können hoffen, dass es ab einem bestimmten Punkt wieder losgeht. Wir aber wissen nicht, wann die Menschen ihrer Reiselust wieder stattgeben können.«

Frank Messerschmidts Erscheinungsbild ist anders als sonst, denn er ließ sich einen »Corona-Bart« wachsen. »Viele Geschäftsleute weisen auf ihre Probleme hin: Läden und Restaurants etwa, die weiterhin ihre laufenden Kosten haben und schließen mussten.« Die Reisebüros hätten jedoch zumachen müssen, seien in Kurzarbeit, bekämen ihre Provisionen nicht, müssten aber trotzdem viel arbeiten, um die Kunden zu beruhigen - und das unbezahlt.

Corona-Krise Wetterauer: "Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt"

»Die Leute fragen: 'Was ist mit meinem Urlaub?' Und wir wissen nicht, was die Zukunft bringt.« Fast alle Reisen der großen Veranstalter seien bis zum 30. April abgesagt, und die Büros müssten den Kunden nun sagen, dass sie kein Geld bekommen. »Denn der Veranstalter zahlt es nicht aus und setzt auf Umwandlung in Reisegutscheine.«

Politik und Deutscher Reiseverband hielten dies für eine sehr gute Möglichkeit, erläutert der Inhaber der Reisebüros Messerschmidt in Friedberg und Bad Nauheim. Zuvor müsse allerdings rechtlich mit der EU geklärt werden, fährt er fort, ob das Angebot der Gutscheine rechtens sei. Einige Veranstalter hätten schon Rückzahlungen gestartet. »Es gibt also welche, die auszahlen, und andere hätten gerne die Gutschein-Lösung. Kunden sagen: ›Wieso soll ich dem Veranstalter Geld stunden? Ich hätte es gerne zurück, ich habe ja keine Leistung.‹ Und die Veranstalter sagen: ›Wir haben schon Vorleistungen erbracht an Hotels, Fluggesellschaften und an die Partner vor Ort.‹«

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