428 Fälle im Vorjahr

Häusliche Gewalt in der Wetterau: Vier von fünf Tätern sind Männer

  • vonred Redaktion
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Häusliche Gewalt umfasst viele Straftaten – von der Nötigung, der Körperverletzung und der Vergewaltigung bis hin zur Tötung. Im Jahr 2016 wurden im Wetteraukreis 428 dieser Taten registriert.

"Eine Zahl, die nur einen Bruchteil aller tatsächlich stattfindenden Taten beschreibt, nämlich jene, die der Polizei bekannt geworden sind", schreibt die Polizei in einer Pressemeldung. Von einem großen Dunkelfeld sei auszugehen.

In 297 Fällen und damit rund 81 Prozent der registrierten Fälle des vergangenen Jahres waren Männer die Tatverdächtigen, aber auch gegen 69 Frauen wurde ermittelt. Die Statistik zeige, dass das Thema mit rund 1,2 Fällen pro Tag in der Wetterau 2016 gerade auch im polizeilichen Alltag zu einer traurigen Realität gehört habe.

Wie man reagieren sollte, wenn man Opfer häuslicher Gewalt wird oder Opfer schützen möchte, erklärt Kirsten Schäfer, Opferschutzkoordinatorin der Polizeidirektion Wetterau. Werden man selbst oder die eigenen Kinder gerade geschlagen, sollte man sofort die Polizei verständigen, also die 110 wählen. "Das Wichtigste dabei ist anzugeben, wo Sie sich gerade befinden, damit Ihnen schnell geholfen werden kann. Können Sie selbst nicht telefonieren, dann rufen Sie laut um Hilfe, wenn Sie angegriffen werden, oder flüchten Sie sich, wenn möglich, zu Nachbarn oder Freunden, um von dort die Polizei zu verständigen."

Spuren am Körper sichern lassen

Handelt es sich nicht um einen Notfall, dann steht Schäfer montags bis freitags etwa zwischen 8 und 16 Uhr unter Tel. 0 60 31/60 11 04 als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Unter Tel. 08 00/011 60 16 erhalten Betroffene kostenlos rund um die Uhr Hilfe. Einrichtungen finden sich zudem unter www.odabs.org.

Auch wer häusliche Gewalt in seinem Umfeld mitbekommt, kann sich von den Hilfseinrichtungen beraten lassen. Wenn jedoch Minderjährige von Gewalt betroffen sind, sollten laut Schäfer sofort Polizei oder Jugendamt informiert werden.

Wer Opfer einer Sexualstraftat geworden ist und noch unsicher ist, ob er diese zur Anzeige bringen möchte oder sich zunächst entscheidet, sie nicht anzuzeigen, kann dennoch eine ärztliche Untersuchung in Anspruch nehmen. Das Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim untersucht die Betroffenen kostenlos und sichert auf Wunsch auch die Spuren der Tat. Diese werden ein Jahr lang anonym hinterlegt. Alles zum Thema gibt es unter www.soforthilfe-nach-vergewaltigung.de. Auch bei allen anderen Straftaten, können die Opfer die Verletzungen – am besten von einem Arzt – dokumentieren lassen.

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