Tausendsassa

"Gutmensch" im Einsatz für Kinder, Flüchtlinge, Alte

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Der Bad Nauheimer Ludwig Hartmann liest Kindern vor, kümmert sich um Senioren und Flüchtlinge. Er hilft auf verschiedene Weise – auch mit DVD-Player samt Porno für einen Schlaganfallpatienten.

Ludwig Hartmann kommt ganz locker zur Verabredung ins Wiener Kaffeehaus in Bad Nauheim. Challenge-Lauf 2008 steht auf seinem türkisfarbenen T-Shirt. Das passt zu dem groß gewachsenen 68-jährigen Bad Nauheimer, der sich freiwillig etlichen sozialen Herausforderungen stellt, aber keine großen Worte darum macht. Er nimmt sie eher sportlich und mit Herz. Als Mitglied bei den Grünen Damen Wetterau kümmert sich Hartmann seit drei Jahren für ein bis zwei Stunden in der Woche um alte und kranke, "auch recht einsame" Menschen in der Seniorenresidenz am Park. Er möchte etwas Abwechslung in ihren Alltag bringen. Das sei gar nicht immer einfach. "Manche reagieren schon mal empfindlich oder sogar abweisend, wenn man ihnen in ihrer Schwäche zu nahe kommt. Das hängt auch von ihrer Tagesstimmung ab. Andere sind sehr dankbar für Gespräche oder dafür, dass ich nur einfach mitfühlend da bin."

Worüber sie sprechen? "Sport, Politik, Ernährung, Frauen", Hartmann lächelt vielsagend. Unter Männern seien Frauen häufig ein Thema. "Ich besuchte einen 75 Jahre alten Parkinson-Patienten, mit dem ich mich ganz rege unterhalten habe. Der hat mir sogar noch Tipps gegeben." Leider sei der Mann verstorben, sagt Hartmann nun traurig und fügt nachdenklich hinzu: "Was ist in dem Alter noch lustvoll? Womit kann man eine Freude machen?" Ein kleiner Weihnachtsbaum, eine besondere Wurstsorte als Geschenk, das rühre die alten Menschen. Einem Schlaganfallpatienten habe er zusammen mit einem Freund eine DVD-Anlage installiert und Pornos besorgt. "Der hat sich sehr gefreut, und ich akzeptiere die Menschen, wie sie sind." Für sie ist es sicher gut, dass die Grünen Damen mit Ludwig Hartmann wenigstens ein männliches Mitglied für die Männerthemen haben.

Was ihm diese Tätigkeit gibt? Hartmann wird wieder nachdenklich. "Nicht einfach zu sagen ›mir tun die Menschen leid‹. Und ich führe eine Familientradition fort. Schon mein Großvater in Unterfranken und dann mein Vater Fritz in Butzbach haben sich ehrenamtlich für alte Menschen engagiert." Hartmann bezeichnet sich als "Gutmenschen". Er will einen "winzigen Beitrag" dazu leisten, dass es denen, die Zuwendung brauchen, ein wenig besser geht auf der Welt.

Es gibt viele Hilfsbedürftige, und Ludwig Hartmann ist vielseitig unterwegs. Als Lesementor hilft er für einige Stunden in der Woche an der Henry-Benrath-Schule in Friedberg insbesondere Migrantenkindern beim Deutschlernen. Im Katholischen Kindergarten in Bad Nauheim ist er Lesepate. Er hat selbst keine Kinder, die Arbeit mit ihnen macht ihm viel Spaß. Aber auch das sei nicht immer leicht. "Die hören nicht einfach nur still zu, die testen oft beinhart meine Grenzen aus. Ich nehme das aber locker, und das mögen sie." Seine Lockerheit verschafft Hartmann auch Zugang zu den fünf Flüchtlingen, um die er sich als Pate kümmert – junge Männer aus Syrien und Afghanistan. Er spricht mit ihnen Deutsch, hilft bei Behördenangelegenheiten, organisiert für sie einen Schwimmkurs, stellt Kontakt zum Friedberger Fußballverein her oder kümmert sich schon mal um Ausbildungsplätze für sie.

"Alles auf Augenhöhe", sagt Hartmann. Die Flüchtlinge fühlen sich von ihm respektiert und sprechen mit ihm – meistens auf Englisch – offen über ihre Sorgen. Und auch hier wieder sei die Sexualität ein ganz ernsthaftes Bedürfnis, "und ich verstehe das". Er sage ihnen immer wieder, "versucht Deutsch zu lernen. Dann lernt ihr leichter ein Mädchen kennen."

Hartmann versteht, toleriert und unterstützt sehr viel. Allerdings sagt er auch: "Ich bin eindeutig dagegen, dass wir ausgenutzt werden." Deswegen sei es wichtig, dass die Bürger sich informieren, miteinander und mit den Flüchtlingen diskutieren. Er selbst ist freitags beim Runden Tisch der Flüchtlingshilfe in Friedberg regelmäßig Gast. Er versteht sich als aktives Mitglied des Gemeinwesens – dort geht es häufig zu wie beim Challenge-Lauf.

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