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Nagelkissen

Gruppe besprüht Haus von AfD-Politiker Lichert - Nagelkissen für Wetterauer Polizei ausgelegt

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Eine politisch motivierte Straftat beschäftigt die Polizei in Bad Nauheim. Die Tätergruppe versuchte offenbar auch, der Polizei bewusst zu schaden. Die WZ erreicht ein vermeintliches Bekennerschreiben.

Zum rechten Flügel der AfD wird Andreas Lichert aus Bad Nauheim gezählt. Aus seinen Kontakten zur Identitäten Bewegung, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, macht der AfD-Kreissprecher und Landtagskandidat keinen Hehl. Damit ist Lichert ein "rotes Tuch" für Leute, die sich selbst als Antifaschisten bezeichnen und militante Aktionen bevorzugen. In der Nacht zum Donnerstag wurde das von dem Politiker genutzte Haus in der Ringstraße erheblich beschädigt. Scheiben gingen zu Bruch, große Farbflecke sind auf der Fassade zu sehen, auf der Garagenwand ist in Großbuchstaben zu lesen, wie die Täter den Hausbewohner politisch einordnen: "FASCHIST".

4,50 Meter breiter Schriftzug

Polizeisprecherin Sylvia Frech spricht von einer "vermutlich politisch motivierten Aktion". Wie aus der Aussage eines Hausbewohners hervorgeht, sollen es fünf bis sieben dunkel gekleidete Jugendliche gewesen sein, die gegen 1.20 Uhr Gläser mit rosa Farbe gegen das Gebäude warfen. Dabei beschädigten sie zwei Fenster, Fassade, Treppe und Mauer. Über eine Breite von 4,50 Meter prangt das Wort "Faschist" auf der Garage.

Die Täter, von denen keine nähere Beschreibung vorliegt, wollten das Risiko einer Verfolgung per Auto ausschließen und legten ein Nagelkissen auf die Fahrbahn. Den Schaden schätzt die Polizei auf 5000 Euro. Die Kripo ermittelt wegen Sachbeschädigung, Beleidigung und gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr.

Lichert hat eine exponierte Stellung innerhalb der AfD Wetterau. Kürzlich wurde er zum Kreissprecher gewählt, er ist Kreisausschuss-Mitglied und Landtagskandidat. Er steht auf Platz 5 der Landesliste und hat somit gute Chancen, nach der Wahl im Herbst ins Wiesbadener Parlament einzuziehen.

Mögliches Bekennerschreiben

Am Donnerstag erreichte die WZ eine E-Mail-Nachricht unter der (Fake-)Adresse antifa@trashmail.com, die von den Tätern stammen könnte. "Für uns ist klar, dass Personen wie Andreas Lichert sich nicht länger in Sicherheit wiegen dürfen. Menschen wie er verstehen sich als Speerspitze eines vermeintlichen Kulturkampfes. Als solche behandeln wir sie auch", heißt es darin. Andreas Balser, Vorsitzender der Antifaschistischen Bildungsinitiative Friedberg, gab zu der Sachbeschädigung folgende Erklärung ab: "Die Antifa-BI distanziert sich von den politischen Machenschaften des Herrn Lichert genauso wie von Gewalt und Angriffen auf Personen und Gegenstände."

Der AfD-Politiker war am Donnerstag nicht zu erreichen. Vor gut zwei Jahren, als er noch in Karben wohnte und dort in einer "Projektwerkstatt" auch der Identitären Bewegung ein Forum bot, war sein Haus schon einmal auf ähnliche Weise beschädigt worden. Damals hatten sich "Autonome Antifas" zu der Tat bekannt.

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