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Während Politiker, Eltern und Behördenvertreter über die Notwendigkeit der neuen Fußgängerampel diskutieren, überquert ein Vater mit Kindern aus dem Goldstein die Rödger Hauptstraße. Noch ist die Ampel nicht in Betrieb.

Streit um Fußgängerampel in Rödgen

Bad Nauheim: Ampel an Schulweg steht zwar – darf aber noch nicht in Betrieb gehen

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Noch ist die neue Fußgängerampel in Rödgen außer Betrieb. Aber das soll sich bald ändern. Darüber waren sich alle einig beim Ortstermin am Donnerstagmorgen.

Bad Nauheim – Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie dringlich die Fußgängerampel in Rödgen ist, am Donnerstagmorgen wurde er erbracht: Während Vertreter aus Politik, Verwaltung, Schule und Eltern auf dem Bürgersteig in der Rödger Hauptstraße diskutierten, rauschte ein Auto nach dem anderen vorbei. Ein Stau auf der B 3 bei Butzbach. In solchen Fällen verlagert sich ein Teil des Verkehrs auf das Wettertal.

Aber auch sonst ist morgens hier viel los. Als sich der WZ-Reporter im November 2020 zusammen mit Grundschülern und Eltern aus dem Goldsteinviertel zu Fuß auf den Schulweg nach Rödgen machte, düste ein weißer Kleinlaster mit geschätzten 70 Sachen an der Gruppe vorbei. Ein Vater deutete ihm an, langsamer zu fahren, der Autofahrer zeigte den »Scheibenwischer«. Kein gutes Beispiel für die Kinder, die solche Szenen oft erleben.

Bad Nauheim: Streit um Ampel an Schulweg in Rödgen

Am Donnerstagmorgen hatte die Erste Kreisbeigeordnete und Wetterauer Verkehrsdezernentin Stephanie Becker-Bösch (SPD) zum Ortstermin eingeladen. Bürgermeister Klaus Kreß und Erster Stadtrat Peter Krank waren erschienen, außerdem Schulleiterin Katharina Merkel, Ortsvorsteherin Gisela Babitz-Koch, Heinz Euler von der Verkehrswacht, der FDP-Bundestagsabgeordnete Peter Heidt und Eltern wollten wissen, warum die Ampel nicht in Betrieb gehen darf.

Die Antwort der Kreisverwaltung: Weil die erforderlichen Nachweise über die Notwendigkeit der Fußgängerampel fehlen. »Die Stadt hat keine Verkehrserhebung in Auftrag gegeben, das verstößt gegen geltendes Recht«, machten Becker-Bösch und ihre Mitarbeiter von der Fachbehörde deutlich. Die Stadt habe einfach eigene Fakten geschaffen, rügte die Verkehrsdezernentin. »Es gibt kein ›Lex Bad Nauheim‹, die Stadt muss sich an Recht und Gesetz halten.«

Bürgermeister Kreß stieß ein wenig später zu der Gruppe und wurde als Geburtstagskind begrüßt. »Sie können mir ein schönes Geburtstagsgeschenk machen, wenn Sie die Ampel genehmigen«, gab er grinsend zurück.

Bad Nauheim: Behörden uneins über das Verfahren zur Ampel

Der Bürgermeister, so der Eindruck, hat aus dem Bauch heraus gehandelt: Die Kinder benötigen einen sicheren Schulweg, eine Berdarfsampel kann da helfen, und wenn der Kreis die nicht bezahlt, bezahlt sie halt die Stadt. Außerdem, darauf beharrten Kreß und Krank, habe sich die Stadt mit dem Regionalen Verkehrsdienst Wetterau abgesprochen. Von dort habe man nichts Gegenteiliges gehört. Erst als es in der Polizeibehörde einen Personalwechsel gegeben habe, sei die Sache an die Straßenverkehrsbehörde gegangen. Der Kreis sei rechtzeitig informiert worden. Wurde er nicht. Wurde er doch. Dem Kreis, entgegnete Becker-Bösch, lägen nicht die erforderlichen Unterlagen vor. So gebe es beispielsweise keine Begründung, warum in einer Tempo-30-Zone eine Ampel erforderlich sei. Und die Verkehrszählung sei ebenfalls verbindlich.

Bad Nauheim: 15 Autos fahren in einer Minute vorbei

Heinz Euler von der Verkehrswacht unterstrich noch einmal die Dringlichkeit der Ampel: »Ich habe gerade 15 Autos in einer Minute gezählt.« Laut Schulleiterin Merkel kommen über die Hälfte der Rödger Grundschüler aus dem Goldsteinviertel. »Ich würde eine Erstklässlerin hier nicht über die Straße schicken.« Es sei denn, die Ampel wird eingeschaltet.

Wolfgang Fertsch vom Elternbeirat berichtete, es gebe Viertklässler, die noch nie zu Fuß zur Schule gegangenen seien. Sie werden mit »Eltern-Taxis« transportiert, das erhöhrt das Verkehrsaufkommen zusätzlich. In Rödgen wird ein neues Baugebiet ausgewiesen. Das bedeutet noch mehr Fahrzeuge.

Fertsch appellierte an alle Verantwortlichen, die Kompetenzstreitigkeiten zu beseitigen und den Betrieb der Ampel zu ermöglichen. Das versprachen die Vertreter von Kreis und Stadt. Sie wollen sich nun zusammensetzen und eine Formulierung für die verwaltungsrechtliche Anordnung zum Betrieb der Fußgängerbedarfsampel finden, die allen gesetzlichen Anforderungen gerecht wird.

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