Grüner Weg: Bauprojekt ist ein Fall für die Juristen

Bad Nauheim (bk). Die Baugenehmigung liegt vor, doch ob der Investor, die Bad Nauheimer Weho Grundbesitz GmbH & Co KG, sein umstrittenes Projekt im Grünen Weg 25 in Kürze realisieren kann, ist offen. Zwei Nachbarn haben Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht, wollen die Errichtung von drei Mehrfamilienhäusern mit je fünf Appartements verhindern.

Eine unangemessene Verdichtung des Wohngebiets, mehr Lärm, mehr Abgase, weniger Grün – auf einen kurzen Nenner gebracht, sind das die Bedenken, die etwa 50 Bewohner des Grünen Wegs, des Haagwegs und der Ringstraße gegen das Bauvorhaben anführen. Nachdem das Kreisbauamt am 17. Februar die Baugenehmigung erteilt und der Investor das leer stehende große Einfamilienhaus samt Schwimmbad abgerissen sowie die Bäume gefällt hat, haben sich die zwei direkten Nachbarn des Weho-Grundstücks an den Bad Homburger Rechtsanwalt Dr. Manfred Grosshauser gewandt. Der Jurist hat Klage beim Verwaltungsgericht Gießen eingereicht. Zudem will er einen Baustopp, bis in der Sache entschieden ist. "Das Gericht hat noch nicht beschlossen, ob es die aufschiebende Wirkung der Widersprüche gegen die Baugenehmigung anordnen wird. Zunächst wird das Bauamt gehört. Ich sehe gute Chancen für einen Baustopp", sagt Grosshauser. Falls die Richter dem Wetteraukreis Recht geben, könne gegen diese Entscheidung Beschwerde beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof eingelegt werden.

"In mehrfacher Hinsicht rechtswidrig"

Wie es in einem Schreiben des Anwalts an das Verwaltungsgericht heißt, sei die Baugenehmigung "in mehrfacher Hinsicht rechtswidrig". Argument eins: Aufgrund ihrer Höhe und Baumasse fügten sich die geplanten Mehrfamilienhäuser nicht in die nähere Umgebung ein. Während die benachbarten Einfamilienhäuser im Schnitt nur 5,50 Meter hoch seien, sollten die Neubauten etwa 10 Meter hoch werden. Das Haus Grüner Weg 23 wird nach Ansicht Grosshausers "gleichsam zugemauert und erdrückt". Argument zwei: Das Quartier sei geprägt durch 15 bis 20 Meter breite Gartenzonen, die Ruhe und Erholung böten. Der Wetteraukreis erlaube im Grünen Weg 25 dagegen eine deutlich dichtere Bebauung. Argument drei: Die Baugenehmigung sei erteilt worden, obwohl die eingereichten Pläne nicht maßstabsgerecht und somit unzureichend seien. Insgesamt, so der Rechtsanwalt, verletze die Weho mit ihrem Projekt "das Gebot der Rücksichtnahme" auf die Interessen der Nachbarn, die deshalb von ihrem Abwehrrecht Gebrauch machten.

Eine der beiden Kläger ist Ortrud Messerschmidt (Grüner Weg 23). Sie habe, wie sie im Gespräch mit der WZ erklärt, auf eine gütliche Einigung mit dem Bauherrn gesetzt. Spätestens nach einem Schreiben von Weho-Geschäftsführer Günter Hantke an alle protestierenden Anlieger hat die Bad Nauheimerin diese Hoffnung aufgegeben. Der Investor verharmlose und operiere "vorsätzlich mit falschen Zahlen". Er nenne beispielsweise nur die Traufhöhe der drei Gebäude (6,20 Meter), lasse aber unerwähnt, dass die drei Häuser nicht nur drei Etagen, sondern auch ausgebaute Dachgeschosse erhalten sollen. Messerschmidt: "Damit werden Höhen von etwa 10 Metern erreicht, 5 Meter mehr als bei meinem Haus. Im Winter wird mein Gebäude komplett im Schatten liegen." Gleich zu Beginn seiner Planungen habe Hantke ihr ein Dokument zur Unterschrift vorgelegt, um die Erlaubnis zur Grenzbebauung zu erhalten. "Er wollte dort die Tiefgaragen-Einfahrt errichten, was ich abgelehnt und damit verhindert habe", sagt die Geschäftsfrau. Offenbar habe sie der Weho-Chef für "dumm verkaufen" wollen. Sie akzeptiere durchaus die berechtigten Interessen eines Investors, die Weho wolle sich aber nicht auf einen Kompromiss einlassen.

"Deshalb bin ich verbittert und sehe keine andere Möglichkeit, als zu klagen", betonte Messerschmidt. Nach Angaben der Anlieger war ursprünglich ein zweigeschossiges Gebäude vorgesehen. Das wäre aus ihrer Sicht akzeptabel gewesen.

Wie sich dem Schreiben der Weho an die Anlieger entnehmen lässt (Geschäftsführer Hantke wollte gegenüber unserer Redaktion keine Stellung nehmen), passten sich die Neubauten sehr wohl der Umgebung an. Hantke zieht als Vergleich andere Gebäude in der Nachbarschaft heran, die eine Traufhöhe zwischen 6,10 und 7,10 Meter hätten. "Unser Bau liegt dazwischen mit einer Traufhöhe von 6,20 Metern", schreibt Hantke. Die 21 Stellplätze werde man umweltschonend in einer Tiefgarage unterbringen. Laut Hantke geht es um eine "normale Nutzung des Grundstücks". Die in der Baunutzungsverordnung vorgegebene maximale Grundflächen- und Geschossflächenzahl werde unterschritten. "Somit bitten wir um Ihr Verständnis und Ihre Toleranz für unser Vorhaben und bieten Ihnen eine faire Nachbarschaft an", heißt es in dem Weho-Brief an die rund 50 kritischen Anlieger.

Häuser hat keine Bedenken

Das Kreisbauamt und Bürgermeister Armin Häuser teilen die Ansicht des Weho-Chefs. Weil es für den Grünen Weg keinen Bebauungsplan gibt, verweist Häuser in einem Schreiben an die Anlieger auf das Baugesetzbuch (Paragraf 34). Die zwei entscheidenden Formulierungen: Ein Vorhaben ist zulässig, wenn es sich von seiner Größe und Gestaltung her "in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt"; außerdem darf "das Ortsbild nicht beeinträchtigt werden". Diese Vorgaben werden nach Ansicht des Bürgermeisters beim Weho-Projekt beachtet.

Häuser nennt ein Beispiel. Die Grundstücke Grüner Weg 20 und 22 seien zusammen 2500 Quadratmeter groß, 790 Quadratmeter habe man mit 25 Wohneinheiten bebaut. Das Weho-Areal umfasse 2378 Quadratmeter, geplant seien 15 Einheiten auf einer bebauten Fläche von 715 Quadratmetern. Auch bezüglich der Höhe füge sich das Weho-Vorhaben in die Umgebung ein, wobei der Bürgermeister nur die Traufhöhe nennt, die Gesamthöhe der Gebäude aber nicht erwähnt.

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