Großherzog wirbt für Buchmesse

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
    schließen

Ernst Ludwig auf T-Shirts, Ernst Ludwig auf Plakaten, Ernst Ludwig auf Einladungskarten – der Großherzog von Hessen und bei Rhein hat es den beiden Organisatorinnen der ersten Buchmesse in Bad Nauheim angetan.

Der Herrscher, der auch den Sprudelhof-Bau initiierte und ein großer Förderer der Kultur war, dient als Namensgeber der Ausstellung. Das Programm ist auf die Region zugeschnitten und verspricht weit mehr als "nur" Literatur.

In Bad Nauheim und Umgebung gibt es viele Schriftsteller, die nicht vom Schreiben leben, aber gerne Texte verfassen und meist im Selbstverlag publizieren. Deshalb war vor zwei Jahren die Idee aufgekommen, eine Plattform für diese Autoren zu schaffen. Damals scheiterte das Projekt am Zeitmangel, kürzlich haben Verlegerin Beatrix von Ooyen sowie die Journalistin und Autorin Petra Ihm-Fahle die Initiative ergriffen und ein interessantes Konzept entwickelt. Am Sonntag, 9. April, wird die Ernst-Ludwig-Buchmesse von 10 bis 18 Uhr im Badehaus 7 des Sprudelhofs steigen. "Die meisten Plätze sind bereits vergeben. Bis zum Veranstaltungstag werden wir ausgebucht sein", ist Ihm-Fahle sicher.

Im Herbst hatten sich die beiden Bad Nauheimerinnen zufällig getroffen und sich über eine serbische Bestseller-Familiensaga unterhalten, die die 59-jährige van Ooyen gerade in deutscher Sprache verlegt hatte. Bald kam die Messe ins Spiel, die zwei Frauen entschlossen sich spontan, einen Anlauf zu unternehmen. "Beatrix van Ooyen hat Erfahrungen mit Messeauftritten und Ausstellungen, für mich ist das Neuland. Ich war Feuer und Flamme, habe aber den Arbeitsaufwand unterschätzt", sagt Ihm-Fahle. Seit Oktober, als die Idee nach der Frankfurter Buchmesse konkrete Formen annahm, sind die Initiatorinnen jeden Tag mindestens ein, zwei Stunden mit der Vorbereitung beschäftigt.

Der Anfang war etwas mühsam, denn es mussten schnell zwölf Aussteller gewonnen werden, um eine Genehmigung vom städtischen Ordnungsamt zu erhalten. Doch dann entwickelte sich alles rasant, inzwischen sind 34 Interessenten dabei, wobei fast alle Genres der Literatur vertreten sein werden – von der Poesie über Kinderbücher bis zu Krimis. Die meisten Autoren werden während der Messe die Gelegenheit erhalten, ihre Bücher in einer 30-minütigen Lesung vorzustellen. Zu den Ausstellern gehören bekannte Bad Nauheimer wie der ehemalige Stadtverordnete Richard Philipp, der Vorsitzende der Wetterauer Verkehrswacht, Wolfgang Heil, oder Dr.

Bernt Kampmann, ehemaliger Chefarzt der Parkinson-Klinik. Auch zwei Mitarbeiterinnen der Wetterauer Zeitung, Frauke Ahlers und Annette Hausmanns, werden mit von der Partie sein.

Der Verkauf wird nicht im Vordergrund stehen, vielmehr soll die Veranstaltung zu einem gesellschaftlichen Ereignis werden. Literaturfreunde kommen ins Gespräch mit Autoren und untereinander, die Schriftsteller vernetzen sich besser. Ein umfangreiches Rahmenprogramm rundet das Ganze ab. Eine Comiczeichnerin wird ihre Fertigkeiten demonstrieren, eine Künstlerin zeigt, welche Objekte sie aus handgeschöpftem Papier zaubern kann, der Jugendstilverein informiert und Mitarbeiter des "Neuen Landboten" werden Interviews führen und einen Film drehen – beides wird sofort ins Internet gestellt. Kinder werden vom Eva-Mobil unterhalten, können sich an Schreibwettbewerben beteiligen oder sich von Jugendstilexpertin Dr. Britta Spranger durch den Schmuckhof des Badehauses 7 führen lassen und Bilder malen. Ruhepausen können Besucher in einem Café einlegen.

"Bei der Finanzierung der Messe sind wir auf die Mithilfe von Sponsoren angewiesen. Einige haben wir schon gewonnen, etwa die Stadtwerke, weitere sind hochwillkommen", sagt van Ooyen. Aussteller tragen mit einer Gebühr von 125 Euro zur Kostendeckung bei. Einzelhändler und andere Gewerbetreibende haben die Möglichkeit, für sich zu werben. Für eine gemütliche Atmosphäre im Jugendstil-Gebäude wird vor allem van Ooyen sorgen, die als Architektin über gestalterisches Know-how verfügt.

Zurück zu Ernst Ludwig. Ihn als Aushängeschild für die Buchmesse zu wählen, lag nahe. "Er war ein großer Kulturförderer und selbst schriftstellerisch tätig", sagt van Ooyen. Der hessische Herrscher, der von 1868 bis 1937 lebte, verfasste Gedichte, Theaterstücke, Bücher. Veranstaltungsort – der von ihm erdachte Sprudelhof – und Termin passen ins Bild. Das bekannteste Werk des großherzoglichen Autors war nämlich das Theaterstück "Ostern". Ihm-Fahle: "Deshalb haben wir den Palmsonntag gewählt. Auch wenn an diesem Wochenende die Ferien anfangen, rechnen wir mit zahlreichen Besuchern.

Die Öffentlichkeitsarbeit wirkt professionell. Im Internet, auf T-Shirts, Werbebannern oder Karten – überall blickt dem Betrachter Ernst Ludwig entgegen. Das Foto wirkt hochmodern, wurde von Jacob Hilsdorf aber bereits 1905 aufgenommen. Wie es der Zufall gewollt hat, wird 2017 der 80. Todestag des Großherzogs begangen.

Im kommenden Jahr wird sein 150. Todestag gefeiert. Dann soll die zweite Ernst-Ludwig-Buchmesse veranstaltet werden. "Das haben wir uns fest vorgenommen. Weiter voraus wollen wir noch nicht blicken", sagt Ihm-Fahle.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare