Applaus: Das Jugend-Sinfonieorchester Wetterau überzeugt beim Konzert im Jugendstil-Theater des Dolce. FOTO: BASTIAN GÖTZ
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Applaus: Das Jugend-Sinfonieorchester Wetterau überzeugt beim Konzert im Jugendstil-Theater des Dolce. FOTO: BASTIAN GÖTZ

Großartiges Ra-ta-ta-tam

  • vonGerhard Kollmer
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Bad Nauheim(gk). Ra-ta-ta-tam: Es ist der berühmteste Terzsprung (vom dreifachen kurzen G aufs langgezogene Es) der musikalischen Weltliteratur. Die Beliebtheit von Ludwig van Beethovens 5. Sinfonie c-Moll, die mit diesen vier Tönen im Fortissimo beginnt, reicht über den Kreis der Freunde klassischer Musik weit hinaus. Es gibt wohl kaum ein Werk der Musikgeschichte, das so populär ist wie die "Schicksalssinfonie".

Am vergangenen Sonntag trat das 2016 gegründete Jugendsinfonie-Orchester der Wetterau gleich zweimal im großen Saal des Dolce auf, um sein gut einstündiges anspruchsvolles Programm mit dem ersten Satz der 5. Sinfonie einzuleiten.

53 junge Musiker und Musikerinnen unter ihrem charismatischen Leiter Markus Neumeyer gaben ihr Bestes, um aus dem Crossover-Programm von klassischer und Filmmusik ein lange nachwirkendes Erlebnis werden zu lassen. Lang anhaltender Applaus mit vielen Bravos dankte es ihnen.

Saubere Einsätze, präzise herausgearbeitete Themen und Nebenthemen, gute Unterscheidbarkeit der einzelnen Instrumentengruppen: Der ungeheure Kontrastreichtum schon des ersten Satzes, der zwischen leidenschaftlicher Bewegtheit und phasenweise völliger Erstarrung bis zum Zerreißen gespannte Bogen: Sie wurden fast körperlich spürbar, gingen unter die Haut.

Mit acht regelrechten Hammerschlägen endete der Kopfsatz der 5. Sinfonie. Für ihre einfühlsame, so respektvolle wie zupackende Vergegenwärtigung dieser unvergleichlichen Musik erhielten die jungen Musiker und ihr Leiter, der auch kurzweilig durchs Programm führte, begeisterten Applaus.

Fast jeder unter 50-Jährige, so darf man wohl annehmen, kennt zumindest einige der "Star Wars"-Filme von George Lucas und die acht Verfilmungen der Harry Potter-Romane von Joan K. Rowling. Kaum weniger berühmt als die Streifen selbst ist die dazugehörige Filmmusik von John Williams.

Von "Star Wars" zu "Harry Potter"

Die Darbietung von Williams Vertonung einer Episode aus "Star Wars I" ("Prinzessin Leias’s Thema") folgte als nächster Programmpunkt und gab vor allem den vier Hornisten wie auch den Holzbläsern und Schlagzeugern Gelegenheit zur Demonstration ihres solistischen Könnens. Ein originelles Werk stand danach auf dem Programm: Jerry Brubakers Potpourri "The complete Harry Potter" - ein Arrangement der schönsten und aufregendsten Themen aus den acht Filmen. Dem Hörer werden Szenen wie "Nimbus 2000", "Hogwarts forever!", "Fawkes the phoenix" oder "Voldemort" musikalisch in Erinnerung gerufen. Nach der Darbietung übergab Cellist Linus Ernst als Zauberer Woldemort den "Eiderstab" als Taktstock an Neumeyer.

Auch in diesen reizvollen, lautmalerischen Vertonungen zeigte das JSO Wetterau seine hohe Fähigkeit zur Evokation verschiedenster Stimmungen. Mit regelrechten Trommelgewittern begeisterten die Schlagzeuger. Toll!

Szenenwechsel: Felix Mendelssohn-Bartholdy bereist im Jahr 1829 mit seinem Freund die vor der schottischen Nordwestküste liegenden Hebriden-Inseln. Vor allem die sogenannte Fingalshöhle, die er aus den (fiktiven) altschottischen "Ossian"-Gesängen kennt, hat es ihm so angetan, dass er, wieder daheim, seine (Konzert-)Ouvertüre "Die Hebriden" komponiert und 1833 uraufführt.

Das schnell populär gewordene Werk ist ein Musterbeispiel musikalischer "Landschaftsmalerei". Der Hörer erblickt die zerklüfteten Felsen vor seinem geistigen Auge, hört die kreischenden Möwen, spürt die eiskalte Gischt auf seiner Haut.

Bratsche, Cello und Fagott hatten beim Vortrag dieses von Fernweh geprägten Werks in h-Moll ihren großen Auftritt. Das Jugendsinfonie- orchester Wetterau beendete seine beiden umjubelten Auftritte im Dolce mit John Williams "Imperial March" aus dem Film "Star Wars".

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