Der projektierte Windpark Bad Nauheim wird vom Kurstadt-Magistrat und Ortsbeirat Rödgen-Wisselsheim weiter abgelehnt. Das gilt auch nach Bekanntwerden der Pläne, das entsprechende Vorranggebiet nach Norden zu verschieben.	SYMBOLFOTO: DPA
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Der projektierte Windpark Bad Nauheim wird vom Kurstadt-Magistrat und Ortsbeirat Rödgen-Wisselsheim weiter abgelehnt. Das gilt auch nach Bekanntwerden der Pläne, das entsprechende Vorranggebiet nach Norden zu verschieben. SYMBOLFOTO: DPA

Windpark Bad Nauheim

Gremien sagen Nein zu Flächenvergrößerung

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Um Pläne des Konzerns EnBW, zwischen Bad Nauheim und Wölfersheim einen Windpark zu errichten, war es ruhig geworden. Doch jetzt wird die Debatte wieder angefacht, vor allem in Wisselsheim.

Nach jahrelangen Debatten hatte der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main vor einem Jahr den Teilplan Erneuerbare Energien (TPEE) beschlossen. Darin wird unter anderem festgelegt, welche Flächen in Südhessen als Standorte für Windkraftanlagen in Frage kommen. Kaum in Kraft getreten, soll der TPEE wieder geändert werden. Davon ist auch das zwischen Wisselsheim, Rödgen, Melbach und Södel gelegene Windvorranggebiet Nummer 10502 betroffen, in dem EnBW den Windpark Bad Nauheim errichten will. Das Gebiet soll leicht vergrößert und nach Norden verschoben werden.

Die politischen Gremien von Bad Nauheim werden angehört, die endgültige Entscheidung ist Sache des Regionalverbands. Der Magistrat der Kurstadt und der Ortsbeirat Rödgen-Wisselsheim lehnen die Änderung strikt ab. »Durch die Erweiterung des Windvorranggebiets wird die Entwicklung des Stadtteils Wisselsheim massiv eingeschränkt«, heißt es in der Begründung der Beschlussvorlage, die beide Gremien gebilligt haben.

Verschiebung gen Norden abgelehnt

Wie Tobias Brandt von der städtischen Abteilung Bauleitplanung in der Ortsbeiratssitzung am Mittwochabend erläuterte, enthalte der im Juni 2019 verabschiedete TPEE einige »Weißflächen«, in denen der Bau von Windrädern denkbar ist, über deren künftige Nutzung der Regionalverband aber zunächst nicht entschieden hatte. Nun wird festgelegt, wie diese »Weißflächen« im Flächennutzungsplan (FNP) ausgewiesen werden. Nach Ansicht des Regionalverbands sollen Gebiete, die nahe Rödgen liegen und zunächst als Teil des Vorranggebiets 10502 geplant waren, gestrichen werden. Anders sieht es mit einer »Weißfläche« aus, die zwischen Wisselsheim und Södel liegt. Sie ist für die Errichtung von Windkraft-Anlagen gedacht und soll das bestehende Vorranggebiet vergrößern.

»Die TPEE-Änderung enthält eine gewisse Problematik. Es wird nicht berücksichtigt, dass sich Stadtteile weiterentwickeln können. Das gilt für Wisselsheim«, sagte Brandt. Zwar hält das geänderte Vorranggebiet den Mindestabstand von einem Kilometer zu dem Wisselsheimer Neubaugebiet ein, das zurzeit in Planung ist. »Eine weitere Entwicklung des Stadtteils im Osten wäre aber nicht mehr möglich«, erklärte der Mitarbeiter der Bauleitplanung. Weil Flächen im Norden, Süden und Westen des Ortes im FNP als Vorranggebiete für Natur und Landschaft gekennzeichnet sind, wäre nach Ansicht des Magistrats jede weitere Ausweisung von Baugebieten undenkbar.

Der Ortsbeirat folgte dieser Einschätzung einstimmig. Eine Verschiebung des Vorranggebiets nach Norden müsse auch aus Naturschutzgründen abgelehnt werden. »Die Fluglinie von Zugvögeln führt über dieses Gebiet«, sagte Gernot Schäfer (FDP). Genau dort, wo Windräder stehen sollen, setzten Kraniche und Gänse zur Zwischenlandung in den Wetter-Wiesen an und flögen deshalb tief genug, um von Rotoren erfasst zu werden. Die »Weißflächen« im Süden (nahe Rödgen) sollen dem Tierschutz zum Opfer fallen, was Magistrat und Ortsbeirat begrüßen. »Dort gibt es einen Milan-Horst, deshalb dürfen keine Windräder gebaut werden«, sagte Ortsvorsteherin Gisela Babitz-Koch (CDU).

EnBW hält an Plänen fest

EnBW hält laut Pressesprecherin Dagmar Jordan an seinen Plänen für den Windpark Bad Nauheim fest. Von einem möglichen Einspruch der Deutschen Flugsicherung lässt sich der Energiekonzern nicht schrecken. Die wichtigsten Voraussetzungen für das Investitionsvorhaben hat das Unternehmen seit 2016 geschaffen.

Gutachten zu Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit liegen vor. Jordan zufolge hat sich EnBW auch alle Flächen gesichert, die für den Bau von vier Windrädern erforderlich sind. Der Konzern treibt die Pläne weiter voran, wie Jordan verdeutlicht: »Die EnBW geht Stand heute davon aus, den Genehmigungsantrag bis Ende des Jahres einzureichen.«

Zwei Arten von Vorranggebieten

Durch die Änderung des Teilplans Erneuerbare Energien (TPEE) soll das Windkraft-Vorranggebiet 10502 zwischen Bad Nauheim und Wölfersheim nach Norden verschoben und leicht vergrößert werden. Bislang umfasst die für den Windpark Bad Nauheim vorgesehene Fläche gut 79 Hektar, sie soll auf fast 87 Hektar wachsen. Ob EnBW sein Projekt tatsächlich realisieren kann, ist offen. Denn im Teilplan Erneuerbare Energien (TPEE) gibt es blau und rot schraffierte Flächen. Während bei den rot gekennzeichneten Gebieten einer Genehmigung von Windrädern nichts im Wege stehen dürfte, sieht es bei den blau gekennzeichneten, zu denen die Fläche bei Bad Nauheim gehört, anders aus. Auch im Vorranggebiet 10502 hat nämlich die Deutsche Flugsicherung (DFS) ein Mitspracherecht, weil es im Radius ihres Funkfeuers liegt. In diesen Gebieten sei deshalb eine »Windenergienutzung nicht mit hinreichender Sicherheit realisierbar«, erläutert der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main. Aufgrund technischer Neuerungen bei der Flugsicherung wird das Funkfeuer künftig aber vielleicht an Bedeutung verlieren. Dann könnte die DFS ihre Bedenken gegen Windräder in »blauen« Vorranggebieten aufgeben. EnBW bleibt optimistisch bezüglich einer Realisierung des Windparks Bad Nauheim. »Die Deutsche Flugsicherung arbeitet seit kurzem mit neuen Prognosemethode. Auch deshalb geht die EnBW davon aus, das Windpark-Projekt umsetzen zu können«, erklärt Pressesprecherin Dagmar Jordan.

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