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Die Kinderstube im Greifvogelpark füllt sich (v. l.): Falkner Wilfried Schmidt hält Schleiereule Seppl, auf der Schulter von Stefan Zwätz hat sich Steinkauz Gretl niedergelassen, Resi fühlt sich bei Stefanie Friedemann wohl, und Falkner Ernst Marscheck hat den Lannerfalken Lucky auf dem Arm.

Goldsteinpark

Leinenpflicht gilt auch für junge Greifvögel in der Wetterau

  • VonHanna von Prosch
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Die Kinderstube der Wetterauer Greifvogelfreunde füllt sich: Vier Jungvögel und die erwachsene Falkendame Lucky dürfen erstmals auf das geschützte Gelände am Goldstein in Bad Nauheim.

Bad Nauheim – Das sieben Wochen alte Schleiereulen-Geschwisterpaar Seppl und Resi ist bei seiner ersten Begegnung auf dem Greifvogel-Areal im Bad Nauheimer Goldsteinpark angriffslustig. Resi, die dort schon öfter zu Besuch gewesen ist, geht in Abwehrhaltung, weil ihr der Bruder auf dem dicken, über den Unterarm reichenden Lederhandschuh von Falkner Wilfried Schmidt aus Nieder-Wöllstadt offensichtlich zu nahe gekommen ist.

Als die Greifvogelfreunde Stefan Zwätz und Ernst Marscheck die beiden Jungvögel beim Züchter abholten, waren sie nicht mehr als ein weißes verknautschtes Federknäuel. Inzwischen hat sich das Gesicht deutlich nach einer Schleiereule geformt, das Gefieder hat eine grau-beige Farbe bekommen. Nur unter der Nase und am Unterbauch ist noch ein wenig Flaum zu sehen. Auch Lucie, das europäische Uhu-Mädchen, ist sieben Wochen alt, aber viel größer. Sie hockt noch etwas ängstlich im Gras. »Die Vögel müssen sich langsam an ihre neue Umgebung, an andere Geräusche und daran gewöhnen, dass mehr Menschen und nicht nur wir um sie herum sind«, erklärt Marscheck.

Junge Greifvögel erobern sich ihr Revier im Goldsteinpark in der Wetterau

Die Steinkauz-Dame Gretl passt gerade mal in eine Männerhand, guckt aber mit ihren großen Augen sehr aufgeweckt und neugierig. Lucky, das zehn Jahre alte Weibchen aus der Familie der Lannerfalken, sitzt selbstbewusst auf ihrem Block und breitet elegant die Flügel zum Lüften aus. Damit die Vögel auch in Deckung gehen können, haben die Greifvogelfreunde ihnen Unterschlupfe aus Baumstämmen oder Kistchen gebaut.

Schritt für Schritt erobern sich die Tiere ihr Revier. Marscheck erklärt: »Auch für Greifvögel gibt es einen Leinenzwang. Dazu haben sie ein sogenanntes Geschüh an den Fängen beziehungsweise an den Händen, wie es bei Falken heißt. So können sie an der zunächst nur wenige Meter langen Leine erste Flugversuche unternehmen und die Umgebung erkunden, aber nicht wegfliegen. Das wäre fatal, denn die Nachzucht darf wegen der Seuchengefahr nicht mit Wildvögeln in Berührung kommen. Die Vorschriften sind streng.«

Goldsteinpark in der Wetterau: Jeder Vogel hat eigene Persönlichkeit

In den nächsten Tagen erhalten die Jungvögel ihr erstes Flugtraining. Zuerst müssen sie auf dem Handschuh sitzen, damit sie sich sicherfühlen. Dann lernen sie, dem Ruf der Falkner zu folgen. Klappt das, wird der Abstand bis 20 Meter erweitert. »Die Tiere müssen wissen, wenn der Ruf kommt, geht es zum Handschuh zurück. Um die Vögel hier fliegen zu lassen, war übrigens auch die Genehmigung des Jagdpächters nötig«, sagt Marscheck.

Streicheln, aber nicht verwöhnen, beim Füttern auf die Verdauung achten und immer auf der Hut sein: »Das ist wie bei kleinen Kindern«, bemerkt Zwätz und hat schon festgestellt: »Jeder Vogel hat seine Persönlichkeit. Resi sitzt den ganzen Tag wie ausgestopft in ihrem Kasten, will aber am Abend bei uns sein. Seppl ist abenteuerlustig. Und die gute Emma flattert im Gehege, dem instinktiven Jagdtrieb folgend, den übers Gelände spazierenden Karnickeln nach.« Wenn Ende Juni, so ist die Planung, alle fünf Jung- und vier Altvögel eingezogen sind, wird offiziell eröffnet.

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