Goldsteinpark

Greifvögel im Anflug - So soll der Bad Nauheimer Goldsteinpark genutzt werden

Nach zehnjähriger Debatte könnte für die Nutzung des Bad Nauheimer Goldsteinparks endlich ein Konzept vorliegen, das auch realisiert wird. Demnach könnten bald Greifvögel einziehen.

Bevor der Bauausschuss bei seiner jüngsten Sitzung in die Tagesordnung einsteigen konnte, zog Dr. Martin Düvel den Unwillen der Mehrheit auf sich. Er beantragte nämlich, die Beratung des Bebauungsplans "Goldsteinpark" zu verschieben. Begründung: Nach wie vor habe der Parlamentsentscheid vom November 2017 zum Bau einer großen Skateanlage Gültigkeit. "Der Magistrat hat Beschlüsse der Stadtverordneten umzusetzen", erinnerte Düvel an die Hessische Gemeinde-Ordnung. Er schlug vor, Jugendbeirat und Lions Club in eine Ausschusssitzung einzuladen, um darüber zu sprechen, wie das Projekt doch noch realisiert werden kann.

Ausschuss-Vorsitzender Manfred Jordis (CDU) kündigte vehementen Widerspruch an, den UWG-Vertreter Bernd Witzel lieferte. Er sprach von einer unerträglichen Hinhaltetaktik. "Irgendwann ist Schluss, der Zirkus muss endlich aufhören", schimpfte der Ex-Bürgermeister. Neben den Grünen votierten SPD und FDP für den Vertagungsantrag, der aber mit den Stimmen von CDU und Freien Wählern abgelehnt wurde.

Naturschutzbehörde legt Veto ein

In der Debatte über den Bebauungsplan, der unter geänderten Vorzeichen Rechtskraft erlangen soll, erläuterte Bürgermeister Klaus Kreß die Vorgeschichte, die unter der Überschrift "Zurück zu den Anfängen" stehen könnte. Den Falknern, die sich im Verein der Greifvogelfreunde Bad Nauheim zusammengeschlossen haben, war schon während der Landesgartenschau 2010 versprochen worden, ihre Tiere danach im Goldsteinpark ansiedeln zu dürfen.

Später kamen Pläne für eine Skateanlage hinzu. Beides zusammen war aber nicht zu realisieren, weil Natur- und Tierschutzbehörden ihr Veto einlegten. Es folgte eine Diskussion darüber, welchem Projekt Priorität eingeräumt werden soll. Nachdem der Lions Club "Hessischer Löwe" einen zahlungskräftigen Sponsor für eine überregional attraktive Bahn suchen wollte, entschied im November 2017 überraschend eine Parlamentsmehrheit pro Skateanlage.

Deutliche Kritik an Lions Club

"Der Lions Club hat Ankündigungen gemacht, aber nicht geliefert", fasste Kreß die weitere Entwicklung zusammen. Dieser Einschätzung schlossen sich die meisten Fraktionssprecher an, übten deutliche Kritik an den "Löwen". Fakt ist: Der Club brach nach öffentlich ausgetragenem Streit die Sponsorensuche im November 2018 ab, wies die Schuld am Scheitern des Projekts dem Magistrat und einigen Politikern zu. Laut Ausschussmehrheit ist mit dem Rückzug der Lions der Parlamentsentscheidung von Ende 2017 die Grundlage entzogen.

Jetzt sollen die Falkner also doch zum Zug kommen. Sie wollen in fünf Volieren bis zu 14 Greifvögel halten. Die Woche über sollen Schulklassen und Kita-Gruppen die Tiere bewundern dürfen, am Wochenende die breite Öffentlichkeit. Gleichzeitig soll der Goldsteinpark aber als Veranstaltungsstätte erhalten bleiben. Ein Widerspruch?

Wie Bürgermeister Kreß und Fachbereichsleiter Jürgen Patscha erläuterten, sei eine Vereinbarung zwischen Stadt und Verein formuliert worden. Darin verpflichten sich die Falkner, die Tiere vorübergehend woanders unterzubringen, wenn von Veranstaltungen starker Lärm ausgeht. Das wäre etwa bei einer Wiederbelebung des "Soundgarden"-Festivals der Fall. Als mögliches Ausweichquartier nannte Kreß das Tierheim in Rödgen. Laut Grünen-Sprecher Düvel sind auch die Ferienspiele unerträglich für Greifvögel.

Park soll Veranstaltungsstätte bleiben

Als Veranstaltungsstätte soll der Park auf jeden Fall gesichert werden, da sind sich alle Parteien einig. Zudem soll dort ein Freiluft-Treffpunkt für Jugendliche geschaffen werden. Ob diese Ziele mit dem Tierschutz in Einklang zu bringen sind, muss sich laut Patscha im weiteren Verlauf des Verfahrens zeigen. Dann wird auch ein Artenschutz-Gutachten vorgelegt, das Aufschluss gibt über die mögliche Beeinträchtigung anderer im Park lebender Tiere durch die Greifvögel.

"Ganz klar, wir sind noch nicht durch mit dem B-Plan", sagte Patscha. Andere Bedenken der Unteren Naturschutzbehörde hält er dagegen für ausgeräumt. Es müssten keine Bäume gefällt werden, die Volieren würden mitten in Schwarzdornflächen oberhalb des Parkplatzes aufgestellt.

Info

Klare Mehrheit

Nur Grünen-Vertreter Dr. Martin Düvel votierte im Bauausschuss dagegen, den Bebauungsplan "Goldsteinpark" auf neuer Grundlage – Greifvogel- statt Skateanlage – weiterzuführen. CDU und UWG stimmten mit Ja, SPD und FDP enthielten sich. Wie im Beschlusstext außerdem verankert ist, soll der Park Veranstaltungsstätte bleiben. Im Zweifel entscheiden die Falkner, "ob eine Veranstaltung für die Greifvögel als zu laut eingeschätzt wird". In diesem Fall haben sie für ein Ersatzquartier zu sorgen. Jugendliche sollen den Goldsteinpark auch außerhalb solcher Veranstaltungen als Treffpunkt nutzen können. Eine Vereinbarkeit mit dem Ziel "Greifvogelpark" soll geklärt werden. Das letzte Wort zu dieser Beschlussvorlage hat das Stadtparlament.

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