Die Ex-Mitarbeiterin der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik streitet weiter die Vorwürfe ab, ihre Kollegen vergiftet zu haben. (Archiv)
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Die Ex-Mitarbeiterin der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik streitet weiter die Vorwürfe ab, ihre Kollegen vergiftet zu haben. (Archiv)

Angeklagte bestreitet Vorwürfe

Gift-Prozess Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim: Es bleiben viele offene Fragen

  • vonJürgen W. Niehoff
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Auch nach Verhandlungstag drei im Gilft-Prozess, in dem eine Ex-Mitarbeiterin der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik angeklagt ist, bleiben viele Fragen offen. Die Frau streitet die Vorwürfe weiter ab.

Auch nach dem dritten Verhandlungstag im Prozess gegen die 53-jährige ehemalige Krankenschwester, die sich derzeit wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung an fünf Kollegen aus der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik verantworten muss, ist offen, ob die Angeklagte die Taten begangen hat. Im Verfahren vor dem Gießener Schwurgericht blieb die Frau bei ihrer Aussage: Sie könne sich nicht erklären, wie es zu den Vergiftungen gekommen sei.

Laut Staatsanwaltschaft soll die 53-Jährige dafür verantwortlich sein. Der Anklageschrift zufolge soll die Beschuldigte im Abstand von zwei Jahren fünf Mitarbeiter der Kerckhoff-Klinik - einen Assistenzarzt, drei Krankenschwestern und eine Reinigungskraft - mit selbst gebackenen Keksen und Kaffee, versetzt mit verschreibungspflichtigen Beruhigungsmitteln, vergiftet haben. Sie habe die Kekse mit in die Klinik gebracht und in die Teeküche gestellt, wo sich alle Beschäftigten bedienen konnten. Die Angeklagte räumt zwar ein, Kekse mitgebracht zu haben, Medikamente seien jedoch nicht untergemischt gewesen.

Gift-Prozess Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim: Wichtiges Indiz - Rückstände in Mixer

Der Verdacht war auf die 53-Jährige gefallen, weil sie auch beim dritten Vorfall Ende März 2019 Dienst in der Klinik hatte und erneut Kekse mitgebracht hatte. Bei einer Hausdurchsuchung habe die Polizei in ihrer Wohnung einen Mixer mit Rückständen von benzodiazepinhaltigen Tabletten gefunden, in der Restmülltonne vor dem Haus seien zudem leere Verpackungen der Beruhigungsmittel Oxazepam und Zolpidem gefunden worden. Rückstände beider Mittel waren in den Blutproben der fünf Opfer nachweisbar, wie die Sachverständigen Prof. Stefan Tönnes und Dr. Wolfgang Mertz bestätigten.

Auf Nachfrage von Richterin Regine Enders-Kunze erklärten die beiden Gutachter übereinstimmend, dass die unterschiedlichen Gesundheitsbeeinträchtigungen bei den fünf Opfern nach dem Genuss der Kekse und des Kaffees mit deren Körpergröße, Gewicht und allgemeinem Gesundheitszustand zusammenhingen. Der Assistenzarzt musste nach dem Genuss der Kekse zwei Tage auf der Intensivstation der Klinik versorgt werden, weil seine Herzfrequenz auf nur noch 38 Schläge pro Minute abgesunken war.

Die Reinigungskraft litt laut Aussage dagegen nur unter einem unsicheren Gang, einem leichten Schwindelgefühl und einer verschwommenen Aussprache, obwohl in ihrem Blut 5000 Nanogramm Oxazepam nachgewiesen wurden. »Das Unwohlsein war am selben Abend schon wieder weg«, sagte die Zeugin vor Gericht.

Gift-Prozess Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim: Wer hatte Zugang, was ist das Motiv?

Trotz der Vorwürfe sprach die Reinigungskraft nur positiv über die Angeklagte. Seit über 20 Jahren hätten sie in der Klinik zusammengearbeitet, es haben nie Streit oder eine Missstimmung gegeben. Eine andere Zeugin und langjährige Freundin der 53-Jährigen konnte sich die Vorwürfe nicht erklären. »Sicher haben wir darüber gesprochen. Aber in diesen Gesprächen hat sie daran gezweifelt, dass der Täter aus dem Kollegenkreis kommen könnte.«

Eine dritte Zeugin, die eine Einrichtung für betreutes Wohnen leitet, in dem sich der Sohn der Angeklagten wegen psychischer Störungen aufhält, berichtete dagegen von persönlichen Problemen der Angeklagten, die sie wohl mit Alkohol zu unterdrücken versuche.

Keine befriedigenden Antworten bekam das Gericht auf die Fragen, wer Zugang zu besagter Teeküche hatte, wer sich mit den Keksen und Kaffee bedienen konnte und vor allem welche Motive den Taten zugrunde liegen könnten. Der Prozess wird am kommenden Freitag um 9 Uhr am Gießener Landgericht fortgesetzt.

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