Dr. Dirk M. Fellermann
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Dr. Dirk M. Fellermann

»Lehren aus der Krise ziehen«

Gesundheitszentrum Wetterau: Chef fordert Einsatz der Politik für Krankenhäuser

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Angesichts der Corona-Pandemie stehen Krankenhäuser ganz besonders im Fokus der Öffentlichkeit. Nun stellt der Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Wetterau Forderungen an die Politik.

Noch ist die Corona-Pandemie nicht vorbei, doch vielerorts werden erste Bilanzen gezogen. Das Zwischenfazit der Krankenhäuser in Deutschland: 30 000 behandelte Covid-19-Erkrankte, die Hälfte davon auf der Intensivstation.

Dass die Krankenhäuser im Zusammenspiel mit der Politik und dem öffentlichen Gesundheitsdienst die Pandemie im internationalen Vergleich bis heute gut bewältigt haben, führt Dr. Dirk M. Fellermann, Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Wetterau (GZW), vor allem auf drei Faktoren zurück: den föderalen Aufbau des deutschen Gesundheitssystems »mit seinen zielgenauen lokalen Durchgriffsmöglichkeiten«; die flächendeckende Vorhaltung von Krankenhausbetten; die Flexibilität der Krankenhäuser aller Trägerstrukturen sofort zu Beginn der Krise beim unmittelbaren, zunächst aus eigenen Mitteln finanzierten Ausbau ihrer ambulanten und stationären Versorgungskapazitäten.

Weniger Bürokratie, längere Zahlungen

»Die Krankenhäuser und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bildeten in den vergangenen Monaten den Kern der systemsichernden Infrastruktur für das ganze Land. Dabei sind sie teilweise gut unterstützt worden, teilweise wurden strukturelle Probleme offenkundig«, betont Fellermann in einer GZW-Pressemitteilung. Jetzt gelte es, aus der Corona-Krise die richtigen Lehren zu ziehen.

Beispielsweise habe der Gesetzgeber angesichts der pandemiebedingten Herausforderungen ausgewählte Dokumentations- und Nachweisverpflichtungen sowie Strukturvorgaben, welche die Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser zuvor schon erheblich beeinträchtigt hätten, zeitlich befristet ausgesetzt. Mit den so gewonnenen Freiräumen seien die Krankenhäuser verantwortungsvoll umgegangen, argumentiert Fellermann. »Dies zeigt, dass ein Großteil dieser Verpflichtungen dauerhaft verzichtbar ist, ohne dass die Qualität der Patientenversorgung beeinträchtigt wird.« Des Weiteren sei es zur Vorbereitung auf zukünftige Pandemien wichtig, geeignete Versorgungs- und Beschaffungskonzepte für Schutzausrüstungen zu entwickeln. Gleiches gelte für die bereits vor der Pandemie aufgetretene Problematik der Arzneimittel-Lieferengpässe.

Große Sorge bereite den Krankenhäusern, dass die im Rettungsschirm vorgesehenen Ausgleichszahlungen für die Freihaltung von Behandlungskapazitäten und pandemiebedingte Mehrkosten bis zum 30. September 2020 befristet seien, denn aufgrund der zusätzlichen Hygieneanforderungen zum Infektionsschutz vor dem Corona-Virus könnten die Krankenhäuser ihren Regelbetrieb auch weiterhin nicht im vorherigen Umfang aufnehmen. Deshalb sei eine Verlängerung der Ausgleichszahlungen über den 1. Oktober 2020 hinaus erforderlich, macht Fellermann deutlich. »Dies wäre aus Sicht der Krankenhäuser auch für die bisher gezahlte Mehrkostenpauschale erforderlich. Sollte die Pauschale nicht weiter gezahlt werden, plädiert Dr. Fellermann für die Einführung eines ›Pandemiezuschlags‹«, heißt es in der Pressemitteilung.

Kosten für die Cyber-Sicherung

Weitere Forderungen der Krankenhäuser an die Politik beträfen einen Budgetzuschlag zur Finanzierung der Kosten für die Cyber-Sicherung, den Rückgriff auf das Leistungsniveau 2019 bei der Vereinbarung der Budgets für 2020, die dauerhafte Verkürzung des Zahlungsziels für die Begleichung von Krankenhaus-Rechnungen auf fünf Tage, eine vollständige Aussetzung der bestehenden Personalbesetzungsvorgaben per Gesetz für das laufende Jahr und für das Konsolidierungsjahr 2021 sowie die Finanzierung aller tariflichen Personalkostensteigerungen. FOTO: PM

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