Usa-Brücke im Frühnebel, fotografiert um 1955. Zurzeit wird der Übergang neu aufgebaut, um anschließend die lebensgroße Elvis-Bronze-Statue tragen zu können. FOTOS: STADTARCHIV
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Usa-Brücke im Frühnebel, fotografiert um 1955. Zurzeit wird der Übergang neu aufgebaut, um anschließend die lebensgroße Elvis-Bronze-Statue tragen zu können. FOTOS: STADTARCHIV

Erinnerung an den King

Die Geschichte der Elvis-Brücke in Bad Nauheim

Von Elvis-Fans wird der begonnene Neuaufbau der Fußgängerbrücke zwischen Rosengarten und Stadtbücherei Bad Nauheim sehnlichst erwartet. Hinter der Brücke steckt eine große Geschichte.

Es gibt derzeit 14 Übergänge über die Usa in der Kernstadt von Bad Nauheim. Darunter befinden sich reine Fußgängerstege, aber auch mehrere Straßenbrücken. Ältestes Exemplar ist die steinerne Landesbrücke von 1793 in der unteren Parkstraße/Ecke Zanderstraße, deren frühere Aufgabe darin bestand, Salztransporte aus dem Salinengebiet auf kürzestem Weg zur alten Handelsstraße (heutige Frankfurter Straße) zu bringen. Die beiden jüngsten Fußstege errichtete die Stadt im Vorfeld der Landesgartenschau 2010 am großen Teich.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert entstand ein vermehrter Bedarf an Usa-Übergängen einerseits durch den einsetzenden Bauboom, der sich auch auf das östliche Stadtgebiet ausdehnte und eine kurze Verbindung in die Innenstadt forderte. Andererseits hatten sich die Gästezahlen in den 1890er Jahren in jeder Saison fast verdoppelt.

Handgeschmiedetes Eisen und Sandstein

Dies führte zu einer starken Ausweitung der Therapieangebote in den jenseits der Usa gelegenen Kureinrichtungen. Kurgäste begannen den Tag mit der Trinkkur und sollten anschließend auf schnellstem Weg in Richtung Badehaus 9, Inhalatorium und Zanderinstitut gelangen.

Deshalb ließ die Großherzogliche Badeverwaltung 1894 eine weitere Fußgängerbrücke in diesem Gebiet errichten. Ein formschönes handgeschmiedetes Eisengitter wurde von massiven Sandsteinpfeilern gehalten. Die Brücke, die heute zwischen Rosengarten und Stadtbücherei gelegen ist, überlebte Weltkriege, Wirtschaftskrisen, hielt Wind und Wetter stand.

Seit 1954 benutzte auch Bürgermeister Fritz Geißler täglich die kurze Verbindung zwischen Zuhause und Rathaus. Das brachte der Brücke im Volksmund den Namen "Bürgermeister-Brücke" ein. In Geißlers Amtszeit (1954-1960) fallen unter anderem das hundertjährige Stadtjubiläum, die Wiedereröffnung der Kerckhoff-Klinik und der allmähliche Ausbau zum Herzzentrum oder die Schließung des Salinenbetriebs.

Eine Herzensangelegenheit war ihm das Deutsche Rote Kreuz. In seiner Funktion als langjähriger Kreisvorsitzender nahm er im Januar 1959 an einem ungewöhnlichen Blutspende-Termin in der Friedberger Kaserne teil. US-Soldaten sollten helfen, die knappen Blutkonserven in den Krankenhäusern aufzufüllen. Unter den GIs war auch Elvis Presley.

Mehrere Aufnahmen des Fotografen Horst Schüßler zeigen, wie Fritz Geißler das punktieren der Armvene überwacht und später geduldig die gläserne Kartusche hält, in die das "wertvolle Elvis-Blut" tropfte. Dies ist wohl die einzige nachweisbare Begegnung zwischen Geißler und Presley gewesen. Die Blutspende führte zufällig zwei Männer zusammen, die sich später nach dem Willen des Volksmunds ein und dieselbe Usa-Brücke teilen sollten.

Vermutlich im Februar oder März 1959 erhielt Elvis Presley Besuch eines Fotografen, der im Auftrag der RCA, Presleys Schallplattenlabels, Aufnahmen des "Vorzeige-GIs" machen sollte, um eine der nächsten Singles mit einer Ansicht aus Deutschland zu versehen. Elvis posierte geduldig an verschiedenen Plätzen in Bad Nauheim, so auch an der Burgpforte (die das Rennen machte und auf der Hitsingle "A big hunk o’Love" landete), der alten Landesbrücke an der Parkstraße und auf dem Usa-Übergang an der Zanderstraße. In der Mitte der Brücke, locker ans Geländer gelehnt, den Blick stadteinwärts gerichtet, hat dieses Foto seit seinem Bekanntwerden Kultstatus bei den Fans.

Doch bis dahin sollte noch viel Wasser die Usa abwärts fließen. Zunächst ließ das Staatsbad ab 1960 sukzessive mehrere Brücken, für die sie zuständig war, von Grund auf sanieren. Im Dezember 1961 ging es der "Bürgermeister-Brücke" an den Kragen. Zuerst fiel das schöne schmiedeeiserne Geländer. Auch die wuchtigen Sandsteinpfeiler hatten ausgedient und wurden geschleift. Nach dem Neuaufbau überspannte ein von Einfachheit getragenes Geländer die Überquerung zur Zanderstraße und nahm ihr jede Romantik.

"Bonze-Elvis" wird bald aufgestellt

Seitdem der Übergang als "Elvis-Brücke" weltweit Furore macht, hat ein Umdenken bei den Verantwortlichen eingesetzt. Erst recht befeuert durch die erfolgreiche Privatinitiative von Meike Berger und Angela Storm, die Elvis als lebensgroße Bronze-Statue zurück auf die Brücke holen wollen. Man darf nach der aktuellen Sanierung und dem Wiederherstellen des alten Geländers auf das Ergebnis gespannt sein. Wenn erst der "Bronze-Elvis" auf der Brücke steht, hat Bad Nauheim für alle Fans eine Attraktion mehr.

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