An seinen Plänen, auf diesen Ackerflächen Wohnhäuser zu bauen, hält Investor Finger-Wohnbau fest. Dagegen wehrt sich eine Bürgerinitiative, die von Bewohnern der Wilhelm-Leuschner-Straße (im Bildhintergrund) initiiert worden ist.	FOTOS: NICI MERZ
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An seinen Plänen, auf diesen Ackerflächen Wohnhäuser zu bauen, hält Investor Finger-Wohnbau fest. Dagegen wehrt sich eine Bürgerinitiative, die von Bewohnern der Wilhelm-Leuschner-Straße (im Bildhintergrund) initiiert worden ist. FOTOS: NICI MERZ

»Auf dem Forst«

Um geplantes Baugebiet ist es ruhig geworden

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Die Corona-Krise überlagert alles. Anfang 2020 wurde um das geplante Neubaugebiet in Schwalheim gestritten, jetzt ist davon nichts mehr zu hören. Eine Vorentscheidung könnte Mitte 2020 fallen.

Ende November 2019 waren im Bad Nauheimer Magistrat die Pläne der Finger-Wohnbau GmbH erörtert worden, im Gebiet »Auf dem Forst« in Schwalheim 65 energieeffiziente Einfamilien-Holzhäuser zu errichten. Das Gremium nahm das Projekt zur Kenntnis und brachte einen Bürgerdialog ins Rollen. Aus dem Dialog wurde allerdings schnell Protest. Wenige Tage nach einem WZ-Bericht über das Thema gründete sich in Schwalheim die Bürgerinitiative »Die Wettertaler«, die eine Bebauung der Ackerfläche ablehnt. Ende Februar wurden Bürgermeister Klaus Kreß 700 Protestunterschriften überreicht.

Kurz darauf befasste sich der Magistrat erneut mit dem Thema - ohne einen Beschluss zu fassen. WZ-Informationen zufolge sprachen sich einige Stadträte gegen das Projekt aus, andere dafür. Kreß möchte nichts zum Sitzungsverlauf sagen. »Mitte des Jahres wird sich der Magistrat erneut mit der Sache befassen«, kündigt der Bürgermeister an. Wie er sich zum Finger-Wohnbau-Projekt positionieren wird, lässt er offen.

Investor hält an Plänen fest

Der Investor, der die Grundstücke »Auf dem Forst« bereits erworben hat, hält trotz des Protests aus Teilen der Bevölkerung an seinen Plänen fest. »Es gibt keinen Anlass, uns mit einem Scheitern des Projekts zu beschäftigen. Wir gehen davon aus, dass das Wohngebiet realisiert wird«, betont Markus Kuhl, Regionalleiter Frankfurt/Rhein-Main der Finger-Wohnbau GmbH.

Widerstände gegen Bauvorhaben gebe es oft, wenn alteingesessene Bürger betroffen seien. In Schwalheim sind das vor allem Anwohner der Wilhelm-Leuschner-Straße. Kuhl spricht von einer »ungebrochen hohen Nachfrage« nach Wohnraum in Bad Nauheim: »Uns liegen bereits gut 280 Anfragen vor, mehr als die Hälfte davon aus Bad Nauheim.«

Das Unternehmen verfüge über erste Prüfungen zu Detailfragen. Die Ergebnisse stünden einer Umsetzung der Pläne nicht im Weg. »Wie das Gutachten eines Verkehrsplaners zeigt, ist der zusätzliche Verkehr über die Straße Am Wingert abbildbar«, sagt der Regionalleiter. Eine weitere Anbindung an die Brunnenstraße sei denkbar, aber nicht zwingend erforderlich. Auch aus ökologischer Sicht spreche nichts gegen die Bebauung. Kuhl: »Nach Aussage eines Biologen wird kein Lebensraum bedrohter Tierarten zerstört, weder auf dem Acker noch in unmittelbarer Umgebung.«

Finger-Wohnbau stehe in engem Kontakt mit Magistrat und Fraktionen, sei gesprächsbereit gegenüber der BI. Wie der Regionalleiter erklärt, seien »Auf dem Forst« andere Wohnformen denkbar, wenn die Politik das wünsche. »Wir können uns neben Einfamilienhäusern eine gewisse Anzahl an bezahlbaren Mietwohnungen vorstellen.«

Für die fünf Fraktionen ist das Neubaugebiet kein Thema mit hoher Priorität. Wie eine Umfrage ergab, hat sich bislang keine Partei festgelegt, ob Schwalheim im Osten wachsen soll. Alle Fraktionen haben Gespräche mit BI und Investor geführt. Nach übereinstimmender Ansicht der Politiker liegt der Ball im Feld des Baudezernenten und des Magistrats. Erst auf Grundlage einer mit Magistratsmehrheit beschlossenen Vorlage sei eine Beratung und endgültige Meinungsbildung möglich.

CDU-Kritik am Bürgermeister

Kritik an der Vorgehensweise von Kreß übt CDU-Fraktionschef Manfred Jordis. »Das Baugebiet ist nicht das erste Thema, bei dem der Bürgermeister abwartet und schaut, ob sich eine Mehrheit dafür oder dagegen abzeichnet. Erst dann legt er seine Position fest. Das ist schade.« Jordis erwartet vom Dezernenten, offensiv zu argumentieren und Überzeugungsarbeit zu leisten. Ohne Vorlage könne die CDU keine klare Position beziehen.

Die Freien Wähler haben sich ebenfalls noch nicht festgelegt. »Grundsätzlich ist die Ausweisung des Geländes für Wohnbebauung im Flächennutzungsplan ein Hinweis darauf, dass ein solches Projekt vorstellbar ist«, sagt UWG-Fraktionsvorsitzender Markus Theis. Sache des Dezernenten sei es, den Bebauungsplan-Entwurf vorzulegen, in dem Details geregelt werden. Die vorgesehene Errichtung von Eigentumswohnungen auf dem Areal der ehemaligen Firma Dingeldein in Schwalheim spreche nicht gegen das Baugebiet »Auf dem Forst« - da sind sich Theis und Kreß einig. Es handele sich um unterschiedliche Projekte.

Die drei kleineren Fraktionen gehen davon aus, dass der Magistrat nach der Corona-Pause beschließen wird, wie es in Schwalheim weitergehen soll. Weder SPD noch FDP und Grüne sehen darin ein vordringliches Thema.

BI leistet heftigen Widerstand

Als die WZ am 30. November über die Pläne der Finger-Wohnbau GmbH für eine Bebauung des Gebiets »Auf dem Forst« berichtete, fielen viele Schwalheimer aus allen Wolken. Ihnen war bis dahin nichts von dem Projekt bekannt. Nur zwölf Tage später gründete sich die Bürgerinitiative »Die Wettertaler«, die heute rund 150 Mitglieder hat. Bei einer Veranstaltung am 16. Januar wurden etliche Gründe angeführt, die aus BI-Sicht gegen eine Bebauung sprechen.

Unter anderem handele es sich bei der landwirtschaftlichen Nutzfläche am Ostrand von Schwalheim um ein »wertvolles Naherholungsgebiet«, das Lebensraum gefährdeter Tier- und Pflanzenarten sei. Eine Verkehrserschließung über Brunnenstraße und Am Wingert sei nicht möglich. Die maroden und stark belasteten Straßen könnten den Zusatzverkehr nicht verkraften. Überlastet werde auch die Infrastruktur des Ortes, in erster Linie Kita und Schule. Für ihre Positionen warben die Projekt-Gegner mit Flugblättern, Bannern, die überall in Schwalheim zu sehen sind, und mit einer Unterschriftensammlung, an der sich rund 700 wahlberechtigte Schwalheimer beteiligten.

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