Auf der wertvollen Wiese für Lebewesen und Trinkwasserversorgung schauen sich um (v. l.): Stefan Nawrath, Thomas Flor, Ann Neudek, Peter Drausnigg und Jens Schikowski. FOTO: PM
+
Auf der wertvollen Wiese für Lebewesen und Trinkwasserversorgung schauen sich um (v. l.): Stefan Nawrath, Thomas Flor, Ann Neudek, Peter Drausnigg und Jens Schikowski. FOTO: PM

Gemeinsam für Artenvielfalt

  • vonred Redaktion
    schließen

Bad Nauheim(pm). Eine grüne Lunge zwischen Wohngebiet und Landwirtschaft - der Säckelgraben ist das Wasserschutzgebiet bei Nieder-Mörlen, das die Stadtwerke Bad Nauheim jetzt nach Empfehlungen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hegen und pflegen. Die Stadtwerke hätten die Hinweise des BUND ernst genommen und im Säckelgraben in die Tat umgesetzt, betont Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Drausnigg.

Davon haben sich Vertreter des BUND und der Stadtwerke bei einer Begehung auf der Streuobstwiese im Säckelgraben überzeugt. Vor Ort waren Dr. Stefan Nawrath und Ann Neudek, Vorstandsmitglieder des BUND, sowie Drausnigg, Jens Schikowski, Wassermeister bei den Stadtwerken, und Landschaftsgestalter Thomas Flor. Nawrat lobte die Stadtwerke für ihre "Vorbildfunktion", die offenen Ohren und die "konsequente Umsetzung".

Igel-Suche mit Wärmebildkamera

"Der Säckelgraben ist ein herausragender Lebensraum für die Fauna", sagte Flor. "Die Stadtwerke haben auf Anraten des BUND ihr Mähkonzept umgestellt, damit die Wiese wieder artenreicher wird." Statt einer Mulchmahd, bei der das Schnittgut nicht von der Wiese abgetragen wird, praktizieren die Stadtwerke nun eine Heumahd. "Wir rechen das getrocknete Gras ab, damit sich nicht nur starkwüchsige Gräser durchkämpfen können, sondern auch unterschiedlichste Blühpflanzen, die Nahrung für Kleinstlebewesen sind. Zur Unterstützung haben wir hierfür mit heimischem Saatgut noch zusätzlich Wildblumen gesät", erklärte Flor. Zum Schutz der etwas größeren Lebewesen, wie etwa Igel, werde künftig vor dem Mähen eine Wärmebildkamera eingesetzt, wie es in einer Pressemitteilung der Stadtwerke heißt. "Ende Juni findet der erste Schnitt des Jahres der Wiese statt. Mit der Wärmebildkamera gehen wir über die Wiese; damit erkennen wir die Jungtiere im Gras leicht", erläuterte Flor. Beim zweiten Schnitt Ende September wurde die Wiese vor dem Mähen zu Fuß abgegangen und mit den Augen ordentlich inspiziert, damit Igel und Co. nichts geschieht.

"Das Abrechen des Heus kostet natürlich viel mehr als das Mulchen", sagte Drausnigg, "aber das ist es uns wert. Es nützt der Artenvielfalt und verbessert damit nicht nur die Lebensqualität der Tiere, sondern indirekt auch die von uns Menschen."

Der Säckelgraben ist Wasserschutzgebiet, Zone I. Dort befinden sich die Trinkwasserbrunnen, aus denen die Stadtwerke jährlich 450 000 Liter Trinkwasser für die Bevölkerung fördern. Drausnigg: "Hier gilt es, besonders sorgsam mit der Umwelt umzugehen, um das Grundwasser zu schützen."

Auch Steinkauz ist dort zu Hause

Neben Igeln und Hasen beherbergt der Säckelgraben auch hier in der Region selten gewordene Bewohner. "Wir lassen abgestorbene Bäume stehen und bieten damit einer Vielzahl von Vögeln Lebensräume, wie dem Steinkauz", sagte Flor. Die zweitkleinste Eulenart Deutschlands bevorzuge alten Baumbestand. "Als wir vor knapp drei Wochen einen Teil der Bäume geschnitten haben, kam einer gerade aus seiner Höhle geflogen." 200 Bäume befinden sich auf dem Areal im Säckelgraben, darunter sind auch ein paar, die zwar ihre Lebenszeit bereits hinter sich haben, aber auch als Totholz Tieren nützlich sind. Der Landschaftsgärtner unternahm im ersten Durchgang einen sogenannten Lichtraumprofilschnitt, um genügend Raum für Bewegung zu schaffen; im zweiten Durchgang kommt der Erziehungsschnitt, damit die Bäume gesund und fruchtbar bleiben. Die toten Bäume bleiben drin. "Wir werden künftig alle drei Jahre jeweils einen Teil der Bäume schneiden. So sorgen wir einerseits für einen sicheren Stand sowie eine gute Entwicklung der Bäume und andererseits für wichtigen Wohnraum von allerhand Tierarten, wie beispielsweise auch für den Specht."

Der BUND bestätigt das Vorgehen. Als weitere Optimierung schlägt er vor, künftig knapp zehn Prozent der Fläche im Herbst nicht abzumähen. "Denn die Blüten und Stängel verwelkter Wildblumen, Stauden und Gräser dienen vielen Insektenarten als Winterversteck und Kinderstube", erläutert Ann Neudek.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare