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Gelungene Premiere

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Von: Harald Schuchardt

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koe_har_Theater_Steinfur_4c_5 © Loni Schuchardt

Bad Nauheim-Steinfurth (har). Mit Blaulicht und Sondersignalen suchte die Polizei am Freitagabend in Steinfurth zwei dunkel gekleidete Einbrecher. Die Einwohner des Rosendorfs bekamen von der Verbrechersuche jedoch nichts mit.

Vielmehr fand die Suche im Rosensaal statt. Es war dies - nach einer kurzen humorvollen Begrüßung durch Jürgen Michel - der lautstarke überraschende Auftakt der Komödie »Alles Werbung, oder was?« des Schweizer Autors Atréju Diener , welche die Gruppe »Theater in Steinfurth« auf die Bühne gebracht hat.

Die Premierenbesucher im nach G2-Bedingungen ausverkauften Saal erlebten den Start der Verfolgungsjagd hautnah, suchten doch Einbrecher Calle Brinkmann (Dieter Wagner) und sein »Lehrling« Robert Grunewald (Thomas Walter) im Saal nach einem sicheren Unterschlupf.

Den fand das Duo auf der Bühne, die sich - dank den tollen Kulissenbauern - in die Werbeagentur Wagner verwandelt hatte. Die beiden Gauner schlugen Werbeagentur-Inhaber Daniel Wagner (Jürgen Michel) zunächst ungewollt eine Tür vor den Kopf. Nach diesem glatten K.O. leitet der Werbefachmann an Gedächtnisverlust, mutiert im Verlauf der äußerst kurzweiligen Inszenierung unter anderem zu einem Flugkapitän oder zum Verkäufer von Schweizer Kräuterbonbons.

Eine Paraderolle für den Theatererfahrenen Jürgen Michel, der dazu noch die Gesamtorganisation übernommen hat. Zusammen mit Dieter Wagner und vor allem Thomas Walter begeistert Michel ein ums andere Mal die Besucherschar mit seinem variantenreichen Spiel in einem typischen Boulevard-Stück, gespickt mit vertauschten Rollen, Missverständnissen, Verwechslungen und einer falschen Identität.

Doch auch der Rest der fröhlichen Truppe überzeugte, wie Regina Dobner als Wagners Ehefrau Sarah, die ausgerechnet an diesem Tag ihren sprechenden Papagei Fridolin im Büro ihres Ehegatten »parkt«, da das Wohnzimmer gestrichen werden soll.

Noch mehr Durcheinander

Fridolin sorgt mit seinen Sprüchen für noch mehr Durcheinander in dem sich immer mehr zuspitzenden Verwirrspiel. Christa Kramer, die zusammen mit Marita Kanne die Regie übernommen hat, verleiht dem Papagei eine passende krächzende Stimme.

Zu allem Überfluss hatte der Werbefachmann, der keinerlei Aufträge mehr bekommen hatte, im Lokalblatt eine Anzeige geschaltet, die dafür sorgte, dass sich mehrere Neukunden in der Agentur einfanden, wie die Influencerin Katy Flowervalley (Nicy Jung), die mit ihren Anglizismen und den ständigen Chats mit ihren »Followern« alle irgendwie nervt. Schwester Constanza (Barbara Muth) sucht dagegen weltliche Hilfe, um das Image ihres Ordens aufzupolieren, während Handwerker Jean-Pierre Löffler (Christian Möller) auf der Suche nach einer Aphrodite ist und sie in Katy zu finden scheint.

Dann ist da noch die zunächst unscheinbar agierende Sekretärin Elene Hofmann, dargestellt von Lucie Vit, die im zweiten Akt zur Hochform aufläuft. Da outet sich die Bürofachkraft als Polizistin des Sonderkommandos Friedberg, das dem Verbrecher-Duo schon lange auf der Spur ist.

Doch das ist längst noch nicht alles, entpuppt sie sich doch dazu noch als »Tulpen-Lilli«, dem Online-Date von Calle. Die Besucher sind begeistert, zumal die achtköpfige Truppe ihr Spiel mit so manchem kleinen lokalen oder aktuellen Bonbon würzt.

Die lange Bauzeit der neuen Therme wird ebenso eingebracht wie ein Vergleich zwischen Aphrodite und Angela Merkel. Das turbulente Finale birgt dazu noch so manch nicht erwartete überraschende Wendung.

Schließlich kann Calle ein positives Fazit ziehen: »Es hat sich alles zum Guten gewendet.« Die begeisterte Besucherschar sieht dies nach zwei Stunden voller Witz und Humor genauso und dankt den Darstellern mit langem Applaus.

Schließlich stellt Jürgen Michel nicht nur die Akteure auf der Bühne einzeln vor, sondern auch die Helfer von beispielsweise Ton, Licht und Maske, die für das Gelingen der Inszenierung gesorgt haben, einschließlich der beiden Souffleusen Diana Groß und Heidi Möller und den Teams an Theke und Weinstand sowie in der Küche.

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koe_har_Theater_Steinfur_4c_3 © Loni Schuchardt
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koe_har_Theater_Steinfur_4c_4 © Loni Schuchardt

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