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Zum Abschied ein Gottesdienst mit Heiterkeit, Emotionen und schönen Erinnerungen - v. l. Pfarrer i. R. Robert Cachandt, Dekan Volkhard Guth, davor Ursula Leichtweiß, Pfarrerin Meike Naumann, Pfarrer i. R. Dr. Ulrich Becke, Pfarrerin Susanne Pieper, Sonja Vitez und Dr. Volker Gräfe vom Kirchenvorstand sowie Pfarrer David Jochem Rühl (St. Bonifatius). Fotos: cor

Mit Geist, Humor und Herz

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Bad Nauheim(cor). Nach 37 Jahren Dienst in der Gemeinde und 16 Jahren als Ökumenepfarrer im Evangelischen Dekanat Wetterau ist Pfarrer Dr. Ulrich Becke von der evangelischen Kirchengemeinde Bad Nauheim am Sonntag in den Ruhestand verabschiedet worden. Viele Redner würdigten während des Gottesdienstes das großherzige Engagement und den allseits bekannten Humor des beliebten Pfarrers, der in der Stadt und darüber hinaus vieles bewegt und auf den Weg gebracht hat.

"Ist denn heute schon wieder Weihnachten?", scherzte Becke beim Anblick der gefüllten Dankeskirche. Viele Gemeindemitglieder, Vertreter der Stadt und anderer Glaubensgemeinschaften sowie Freunde und Begleiter waren gekommen, um der Entpflichtung Beckes in seinem letzten offiziellen Gottesdienst im Amt beizuwohnen. Zu seiner Freude zählten auch die früheren Assistenten seiner Ordination, Pfarrer i. R. Robert Cachandt und Ursula Leichtweiß, sowie das erste getraute Paar und männliche Paar zu den Gästen.

Menschen zur Seite gestanden

Zum Thema "Abschied nehmen" fand Becke unterschiedliche Metaphern, wie "Das Spielfeld verlassen", "Von Bord oder von der Bühne gehen". Wo Abschied genommen werde, solle auch immer Bilanz gezogen werden. Doch wie erstelle man diese? In Giuseppe Verdis Oper "Falstaff" stimmen da alle am Ende ein "Tutto nel mondo è burla, l’uom è nato burlone" (Alles ist Spaß auf Erden, der Mensch als Narr geboren) an. Die letzte Szene der Oper wurde auf Beckes Wunsch hin im Gottesdienst auf einer Leinwand präsentiert, denn auch er möchte in Heiterkeit Bilanz ziehen.

"Wenn jemand aus dem Dienst geht, lässt er etwas zurück", sagte Dekan Volkhard Guth, der Becke seinen aufrichtigen Dank aussprach und von seinem Amt entpflichtete. Zur Heiterkeit der Gäste hielt Guth Auszüge aus der Personalakte Beckes bereit, der in seinen frühen Amtsjahren mit einem Opel Rekord viel unterwegs gewesen sei. Was dieser während seiner langjährigen Tätigkeiten als Gemeinde- und Ökumenepfarrer bewirkt hat, verdeutlichte der Dekan anhand zahlreicher Projekte, darunter der Dialog der Religionen, die christlich-jüdische Zusammenarbeit und "Jazz & Texte". "Geist, Humor und Herz" seien es, die Becke als Pfarrer und Person auszeichneten.

Im Namen der Kollegen ergriffen die Pfarrerinnen Meike Naumann und Susanne Pieper das Wort. Becke habe in all den Jahren den Menschen stets zur Seite gestanden. "Du warst einfach da", sagte Naumann. Ob im Pfarrteam oder mit Ehrenamtlichen, die gute verlässliche Zusammenarbeit sei immer auf Augenhöhe erfolgt. Der katholische Pfarrer David Jochem Rühl erinnerte an die vielen Gespräche und an die ökumenischen Gottesdienste. In besonderer Erinnerung sei ihm aber auch die Begegnung mit Becke am Tag seines eigenen Amtsantritts in der Kurstadt geblieben. "Er überreichte mir als Geschenk ein Buch mit den Weisheiten Luthers." Manfred de Vries, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Bad Nauheim, hob die Verständigung der Religionen hervor, die Becke auf den Weg gebracht habe.

Dr. Volker Gräfe, Mitglied des evangelischen Kirchenvorstandes, ist ein Gottesdienst Beckes in ganz besonderer Erinnerung geblieben: "In der Christmette im Jahr 1988 war vor der Krippe eine Mauer aus kleinen roten Steinen aufgebaut. Die Gottesdienstbesucher wurden von Ulrich Becke aufgefordert, jeweils einen Stein wegzunehmen." Wenn viele Menschen zusammenwirkten und jeder einen Stein wegnehme, könnten Mauern abgetragen werden, habe Becke der Gemeinde erklärt. "Es war geradezu prophetisch. Ein Jahr später fiel in Berlin die Mauer." Seinen Stein hatte Gräfe dabei, den halte er in Ehren. "Und ich habe heute noch Gänsehaut, wenn ich mich daran zurückerinnere."

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