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Gegenwart der Bilder

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Bad Nauheim. An Rudolf Stedler (1911-2003) zu erinnern, begründet sich nicht aus einem runden Jubiläum, auch wenn es gerade 70 Jahre her ist, dass er mit seiner Frau Brigitte Stedler-Groth nach Bad Nauheim kam. Der Grafiker und Maler und die begnadete Keramikerin schufen sich mit regelmäßigen Ausstellungen ihren Wirkungskreis als freie Künstler. Wohl das Hauptgewicht ihres Wirkens war für beide das aus ihrem innersten Wesen motivierte, feinfühlige und warmherzige Engagement als Kunstpädagogen.

Von 1949 bis zu seiner Pensionierung 1976 unterrichtete Rudolf Stedler Kunst und Werken an der Ernst-Ludwig-Schule (ELS) wie zeitweilig auch seine Frau Brigitte. Für den Kunstpädagogen Stedler waren stets entscheidend die Entdeckung und Entfaltung der individuellen Gestaltungskräfte, das selbstständige Tun und Schaffen des einzelnen Kindes und Jugendlichen. Neben die Ermutigung und Förderung des eigenen Gestaltens traten das Erkennen und Erleben der Kunstgeschichte und vor allem der Werke der Moderne. So prägten Brigitte und vor allem Rudolf Stedler eine ganze Generation von Schülern der Ernst-Ludwig-Schule.

Ich selbst war Schüler der ELS von 1953 bis zum Abitur 1962 und lernte von früh an die Bilderwelt Stedlers kennen, schätzen und lieben. Ich fand in ihr entscheidende Maßstäbe künstlerischen Gestaltens; und unter Stedlers Mithilfe konnte ich am Ende meiner Schulzeit die Gedenktafel für die Kriegstoten aus dem Kreis der Schule entwerfen und ausführen.

Rudolf Stedler war als Künstler ein Natur-Talent im zweifachen Sinn: eine in seinem Wesen wurzelnde Begabung wendet sich der Natur und deren künstlerischen Darstellung als ihrem genuinen Thema zu. Doch was bei ihm fast mühelos wie »reine« Natur erscheint, so sinnlich präsent, ist gestaltet und komponiert nach Gesetzen und Mitteln der Kunst, ist Tat und Leistung des künstlerischen Subjekts. Und gerne geht Stedler über eine realistische Darstellung der Natur hinaus ins Märchenhafte und bis zu Ansätzen technologischer Utopie.

Der Weg durch Stedlers Bilderwelt führt durch lichte Ansichten von Stadt und Park über offene Landschaften, durch verwunschene Wälder, vorbei an tuschelnden Baumgruppen und Rainen voller Ginster und Blumen. Dann gerät er in Täler mit steilen Hängen; schwindelnde Brücken und Treppchen ziehen über Abgründe hinauf zu Hochbauten und utopisch-technischen Anlagen. Und irgendwo blickt ein altes, wissendes Auge aus einem Felsen in die Fremdheit dieser Welten.

Natur in all ihren Erscheinungsformen und Bildungen war für Stedler voller Schönheit, Wunder und Geheimnisse. Er verstand sie als Schöpfung, und aus dieser religiösen Grundhaltung entsprang die Motivation nicht nur des Künstlers, sondern auch des Lehrers: wiederzugeben und weiterzugeben, was er selber empfangen hat. »Die Freude am Schönen ist ein Geschenk Gottes«, schrieb er 1955.

Erinnern führt aus der Vergangenheit in die Gegenwart der Bilder, und dem Wirken des Pädagogen und Künstlers Rudolf Stedler antworten Freude und Dankbarkeit.

Die Bad Nauheimer Kunsthistorikerin Dr. Christa-Irene Nees arbeitet an einer Monografie des Künstlers Rudolf Stedler. Sie wird Werdegang und Ausbildung darstellen, auf seine Vorstellungen als Kunsterzieher und ihre Umsetzung in seiner pädagogischen Arbeit eingehen.

Vor allem aber soll das Besondere seiner Kunst, hauptsächlich seiner Grafik herausgearbeitet und gewürdigt werden. Klaus Ruder

Wer Arbeiten von Rudolf Stedler besitzt, kann sich unter Tel. 0 60 32/45 42 melden und so bei der Erstellung einer ersten vorläufigen Werkübersicht helfen.

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