Irmgard Guse
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Irmgard Guse

Gegen Einsamkeit und Sorgen

  • vonCorinna Weigelt
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Bad Nauheim(cor). Aktuelle Studien weisen auf die Gefahr der zunehmenden Vereinsamung in Zeiten von Corona hin. Die Nachbarschaftshilfe Bad Nauheim hat aus diesem Grund für einsame Menschen kurz vor Weihnachten ein Plaudertelefon eingerichtet. Viele Menschen haben das Angebot bereits genutzt. Die Aktion wird daher im neuen Jahr verlängert.

"Viele Menschen sind aufgrund der aktuellen Situation allein", sagt Traugott Arens, kommissarischer Vorsitzender der Nachbarschaftshilfe. Das derzeitige "Social Distancing", das Einhalten von Abstand und die Vorgabe, wenige oder keine Menschen zu treffen, habe das Leben massiv eingeschränkt. Einen Tag vor Weihnachten startete der Bad Nauheimer Verein daher ein Plaudertelefon gegen Vereinsamung. Seit gut zehn Tagen stehen die Leitungen nun zur Verfügung, und das Angebot wird laut Arens sehr gut angenommen. Arens hat die Aktion "Plaudertelefon" gemeinsam mit Vorstandsmitglied Irmgard Guse ins Leben gerufen und auch selbst den Hörer in die Hand genommen. Organisiert wird das Plaudertelefon vom Serviceteam und vom Vorstand der Nachbarschaftshilfe.

Die Weihnachtszeit ist für viele Menschen, nicht nur im Alter, besonders hart gewesen. Durch den Lockdown sind Restaurantbesuche, Veranstaltungen oder Besuchsdienste nicht möglich. Aus Angst, selbst "Opfer der Pandemie" zu werden, besuchen sich auch Familien und Freunde weniger oder gar nicht. "Es ist auch eine Angst da, vor die Tür zu gehen", wie Traugott Arens berichtet. Gut 25 Anrufer haben dem Serviceteam der Nachbarschaftshilfe während der Weihnachtsfeiertage von ihren Sorgen berichtet.

Verlust des Partners oft angesprochen

Die größte Angst sei es, mit der Einsamkeit nicht zurecht zu kommen. Viele ältere Menschen seien allein, müssten ohne Partner auskommen. Der Verlust des Partners wurde daher oft von den Anrufern angesprochen. Viele Angehörige leben weiter weg, ein gemeinsames Weihnachtsfest ist nicht möglich gewesen. "Aber auch die Corona-Zahlen bereiten den Menschen Sorgen", wie Arens ergänzt. Mancher Anrufer habe das Plaudertelefon einfach für eine Unterhaltung genutzt. Acht Ansprechpartner hätten den Anrufern da zur Verfügung gestanden. Das Serviceteam sei aber keine Seelsorge. "Wir haben die Aktion bewusst ›Plaudertelefon‹ genannt."

Gezielt habe der Nachbarschaftsverein vorab unter den 300 Mitgliedern nach alleinstehenden Menschen gesucht, um ihnen seitens des Vereins ein Gespräch anzubieten. Manches Mitglied sei den Mitarbeitern schon näher bekannt - somit auch ihre Interessen. Man habe da gemeinsame Interessen oder Themen am Telefon zusammengeführt. Immer noch bestehe aber eine Schwellenangst, die Servicenummer zu wählen.

Ursprünglich war die Aktion für die Zeit bis zum 10. Januar geplant. Im kleinen Vorstandskreis wurde jüngst beschlossen, den Zeitraum weiter auszudehnen. "Das ›Plaudertelefon‹ bleibt erstmal bestehen", kündigt Traugott Arens an.

Ebenso kann auch weiterhin der Einkaufsdienst genutzt werden. Seit geraumer Zeit bietet die Nachbarschaftshilfe Bad Nauheim auch betreuungs- und haushaltsnahe Hilfen an. Diese sogenannten "Ersatzleistungen" können von der Krankenkasse übernommen werden. Auch während der Corona-Pandemie bietet die Nachbarschaftshilfe Beratung und Hilfeleistungen an. Für die haushaltsnahen Dienstleistungen gibt es keine Wartezeiten; die Servicenummer dazu lautet 0 60 32/93 72 81. FOTOS: PV

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