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Andy Spyra

In Gefahr - wegen des Glaubens

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Bad Nauheim(hms). Weltweit werden Christen und Angehörige anderer Religionen diskriminiert und verfolgt - sei es vom Staat oder von gesellschaftlichen Gruppen. Ganz oben auf der Liste stehen China und der Nahe Osten. Der Bad Nauheimer Kaplan Kai Rudolf Wornath hat bewusst dieses Thema im EU-Wahlkampf aufgegriffen. Einer hochkarätig besetzten Politikerrunde im Gemeindezentrum Sankt Bonifatius stellte er die Missio-Ausstellung "Religionsfreiheit unter Druck - Christen in Gefahr" des Fotojournalisten Andy Spyra voran - und dessen Erfahrungen aus seinem Irak-Aufenthalt 2018.

Spyra kam gerade aus dem Sudan und wollte kurz darauf nach Sri Lanka. Überall begegne er Menschenrechtsverletzungen. Christen würden zerrieben zwischen den politischen Fronten und religiösen Strömungen, stünden oft auf Todeslisten, wenn sie für ihre Rechte kämpften. Dennoch gebe es einen Dialog der Religionen an diesen Orten. Er bewundere, mit welchem Mut sich Christen wieder und wieder alles aufbauten, sagte Spyra. Er wisse aber auch, dass nur wenige, die einmal weggingen, wiederkämen. "Man kann sich von hier aus vieles schönreden", sagte Spyra, "wenn man dort ist, sieht alles ganz anders aus."

Zwischen religiösem Ethos und politischer Verantwortung bewegten sich die Meinungen der Politiker, denen die Journalistin Monika Pilters Fragen stellte. Auf dem Podium saßen neben Spyra und Katja Nikles (Projektleiterin von Missio) auch die Bundestagsabgeordneten Oswin Veith (CDU) und Omid Nouripour (Grüne), Landtagsabgeordneter Andreas Lichert (AfD), Ernst-Ewald Roth (ehemaliger SPD-Landtagsabgeordneter) Michael Erhardt (stellvertretender Landesvorsitzender der Linken) und der künftige Bundestagsabgeordnete Peter Heidt (FDP). An Spyras Fotovortrag hatten sie alle besonders die Glaubensstärke und der unermüdliche Aufbauwille beeindruckt. Wer, wie Nouripour, Roth und Veith, die Orte im Irak unversehrt oder bereits zerstört selbst gesehen hatte, reagierte besonders betroffen. Daraus ergab sich das einhellige Bekenntnis zur Verantwortung, die die deutsche Politik dort übernehmen müsse.

Was bringen Waffenlieferungen?

Nach Unterstützung durch Waffen oder Geld gefragt, gingen die Meinungen etwas auseinander. Die beiden Bundestagsabgeordneten befürworteten die Waffenlieferung an die Peschmerga, mit der diese den IS stoppen konnten. Jede Entscheidung werde sorgfältig überdacht. Lichert sprach sich für militärische Zurückhaltung aus, Erhardt bezweifelte, dass Waffen der richtige Weg seien. Heidt baute auf eine europäische Gesamtstrategie. Und Roth erinnerte an die Friedensbewegung der 70er Jahre, deren Ideale zu schnell aufgegeben worden seien.

Man befinde sich bei dieser Frage in einem Dilemma, in dem es gelte, fallbezogen und vorsichtig zu handeln, waren sie sich einig. Spyra gab zu bedenken, dass man nicht wisse, was mit den G3-Gewehren in zehn Jahren passiere. Immer wieder kam der Verweis auf Saudi-Arabien.

Bei der Frage, was Politik überhaupt tun könne, zeigten sich mehrere Aspekte: enger Kontakt mit Hilfsorganisationen (Nikles), mehr Bildung, Entwicklungshilfe einlösen, fairer Handel (Erhardt, Roth und Heidt). Diplomatie, also das Wort als Waffe zu nutzen, forderte Veith. Lichert will ein Problembewusstsein schaffen und eine andere Handelspolitik als die der EU. Nouripour riet eindringlich dazu, die Menschenrechte in diesen Regionen Stück für Stück erfahrbar zu machen. Auch bei uns müsse man sich wieder bewusst werden, was Demokratie, Toleranz und Grundrechte bedeuteten. Politisches Handeln sei nur auf diesem Boden möglich. Der EU-Wahlkampf sei durchaus ein Mittel dazu. Wie ernst alle Parteien dieses Thema nehmen, zeigte sich allein daran, dass alle dem Ruf zu dieser Runde gefolgt waren.

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